Meine Frau hat Brustkrebs


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Louk
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Meine Frau hat Brustkrebs

Beitragvon Louk » Di 25 Aug 2020 20:47

Hallo zusammen.

Ich versuche es jetzt doch einmal in diesem Forum. Selbsthilfegruppen sind rar zu finden und regelmässig kann ich nichts machen da ich im Schichtbetrieb arbeite.
Ich lese überall immer von Männer die ihre Frauen unterstützen und wie gut sie dies machen.
Kann aber nirgens irgend etwas darüber finden wie es den Männer geht.

Meine Frau steht vor der letzten Chemo. Wir sind beide 34 Jahre alt und haben eine 1 jährige Tochter.
Ich bin zur Zeit in einer Ausbildung und habe diese auch um ein halbes Jahr pausiert wegen der Krankheit.

So egoistisch es klingen mag, aber manchmal habe ich das Gefühl es lastet alles auf mir! Meine Bedürfnisse werden nicht gehört, nicht gesehen, nicht ernst genommen. Wenn ich sage es geht mir nicht gut, dann ist die Antwort : "mir geht es auch nicht gut"
Natürlich hat sie fast keine Energie, sich mir anzunehmen. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sie sich überhaupt keine Mühe gibt.
Kann ich nach über einem Jahr ohne Urlaub, endlich einmal für 3 Tage wegfahren ohne Kind, fragt sie nicht einmal wie es war. Die Begründung ist für sie simple: Sie hätte ja auch den ganzen Sommer nichts machen können, sie sei neidisch und desshalb möchte sie nichts davon wissen. Es gelingt ihr nicht, sich nur ein wenig für mich zu freuen.
Es fühlt sich manchmal so an, als ob sie mir nichts gönnt. Da es ihr auch schlecht geht.

Naja, danke fürs lesen und vielleicht schreibt hier tatsächlich jemand etwas rein.
liebe grüsse

anana_s
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Wohnort: Bern

Re: Meine Frau hat Brustkrebs

Beitragvon anana_s » Do 27 Aug 2020 15:52

Lieber Louk

Wahrscheinlich erhoffst du dir an dieser Stelle eine Antwort, eine Reaktion eines anderen Mannes, der in einer ähnlichen Situation ist wie du. Ich hoffe sehr, dass du diese auch noch erhältst.

Deine offenen und mutigen Zeilen haben mich gerade zurückversetzt in die Zeit meiner eigenen Brustkrebserkrankung und den damaligen Erfahrungen, Gefühlen, Belastungen, Bedürfnissen und Unsicherheiten von mir und meinem Partner. Vielleicht magst du diese hören, bzw. lesen.

Die Diagnose hat mir fast den Boden unter den Füssen weggerissen. Wir hatten gerade Pläne für ein gemeinsames Projekt geschmiedet und alles war plötzlich anders. Die Operation an der Brust und die nachfolgende Chemotherapie mit dem Haarverlust war für mich als Frau gegenüber meinem Partner eine grosse Belastung. Ich fühlte mich unattraktiv, die Chemo hat mir die Energie und Kraft für vieles genommen und hat mich in meinem Leben und Fühlen stark eingeschränkt. Ich fühlte mich körperlich müde, schlapp – es war mir einfach total unwohl in meinem eigenen Körper. Und das hat sich auch auf die Beziehung mit meinem Partner ausgewirkt. Ich war für ihn nicht mehr dieselbe aktive, sportliche, bewegungsfreudige und spontane Begleiterin wie vorher. Ich war auch neidisch und zum Teil sogar eifersüchtig: neidisch auf ihn, da er immer noch alles machen konnte wie bisher, auch wenn ich es ihm sogar eigentlich gegönnt habe. Eifersüchtig war ich auch auf andere Frauen, weil diese mir in meinen Augen alle gesund und schön vorkamen. Ich hatte das Bedürfnis, dass mein Partner mich in den Arm nimmt, sich um mich kümmert, sich mir zuwendet. Auf der anderen Seite machte es mir Mühe, da ich mich so unattraktiv fühlte: körperlich sowie als Mensch im Gesamten.

Und was ich in dieser Phase auch schlimm fand: uns beiden war irgendwie die gemeinsame Sprache abhandengekommen. Wir konnten plötzlich nicht mehr offen und direkt miteinander umgehen, wir haben oft gegenseitig Interpretationen von Gesagtem und auch Nicht-Gesagtem gemacht. Uns beiden hat schlussendlich geholfen, dass wir unabhängig voneinander professionelle Unterstützung gesucht haben. Für meinen Partner waren damals mein veränderter Körper, die belastete und veränderte Sexualität, das Ohnmachtsgefühl, die Angst, wie sich die Krankheit entwickelt und auch, dass das Umfeld nach meinem Befinden und kaum nach seinem gefragt hat, die schwierigsten Aspekte. Ich denke, das ist eine grosse Herausforderung für den Partner, der genauso mitleidet und mitinvolviert ist jedoch kaum Gehör bekommt. Deshalb finde ich es super, dass du deine Gefühle so offen beschreibst und ich bin sicher, du bist nicht alleine damit.

Im Nachhinein hat sich diese Krise in unserer Beziehung zum Guten gewendet. Wir haben auf schmerzhafte Art gelernt, dass es wichtig ist, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle wenigstens äussern zu können, auch wenn es vielleicht in gewissen Phasen jemand von Aussen benötigt. In diesem Sinne möchte ich dir – und schlussendlich auch deiner kleinen Familie- von Herzen alles Gute wünschen und den Mut, mit freundlichen und bestimmten Worten, ohne Vorwürfe, deinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen Raum zu geben.

Alles Liebe, anana_s

Louk
Beiträge: 2
Registriert: Di 25 Aug 2020 20:30

Re: Meine Frau hat Brustkrebs

Beitragvon Louk » Mo 31 Aug 2020 17:51

Vielen Dank für Deine Nachricht. Tatsächlich suche ich Männer und deren Erfahrungen. Ich denke wir Männer können uns nicht vorstellen was ihr Frauen durchmacht, und umgekehrt.

Ich hoffe Du bleibst gesund und vielen Dank für deine Antwort:)

Lieber Gruss


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