Fertilität und Krebs - 2019


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Fertilität und Krebs - 2019

Beitragvon admin » Mo 14 Jan 2019 15:58

Diese Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch

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Azoospermie nach Chemotherapie

Beitragvon admin » Do 31 Jan 2019 12:25

Frage von Pia
Kann eine nach Chemo und Bestrahlung festgestellte Azoospermie sich nach einer gewissen Zeit bzw. Jahren wieder verbessern?

Antwort von Dr. med. Rebecca Moffat Ecker:
Das Risiko einer bleibenden Azoospermie nach kombinierter Chemo- und Strahlentherapie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Art, Kombination und Dosis der verabreichten Medikamente spielen dabei eine grosse Rolle. Bei der Radiotherapie ist die Dosis von Bedeutung und welche Körperregionen bestrahlt werden mussten. Allerdings kann sich die Spermienproduktion im Verlauf erholen. Nach CISPLATIN Chemotherapie (zB bei Hodenkrebs) regeneriert sich die Spermienproduktion nach 2 Jahren bei 50% der Männer nach 5 Jahren sieht man eine Verbesserung der Spermienqualität bei 80% der Männer.
Allerdings kann die Qualität der Spermien vermindert sein. In diesem Fall kann man die Spermien vor der Therapie auch einfrieren. Sollte die Azoospermie 5 Jahre nach Beendigung der Chemotherapie anhalten, ist die Prognose nicht gut.

Auf jeden Fall empfiehlt es sich bei Kinderwunsch frühzeitig ein Spermiogramm zu machen und dieses in regelmässigen Abständen zu wiederholen. Wichtig ist es, Experten für Kinderwunsch aufzusuchen, denn bei Kinderwunsch sollte auch die Partnerin früh untersucht werden (z.B. Eileiterdurchgängigkeit, Ovarialreserve).

Je nach genauer Ursache der Azoospermie ist es unter Umständen trotzdem möglich, den Kinderwunsch zu erfüllen. Ihre Fachärzte für Onkologie und Reproduktionsmedizin werden gerne die entsprechenden Möglichkeiten und Risiken gemeinsam mit Ihnen abwägen.

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Schwangerschaft nach Ewing Sarkom?

Beitragvon admin » Do 31 Jan 2019 12:43

Frage von Julia
Sehr geehrte Frau Moffat Ecker

Vor 4 Jahren, als ich 15 Jahre alt war, wurde mein linker Eierstock entnommen und kryokonserviert in ZH. Danach hatte ich Chemotherapie zur Behandlung meines Ewing Sarkoms. Während der Therapie erhielt ich über ca 1,5 Jahre eine 3-Monats-Spritze, die mich in eine Art Menopause versetzt hat.
Die Periode hat wieder eingesetzt nach Abschluss der Chemo und ist regelmässig.

Man hat mir gesagt, dass es gut möglich ist, dass ich früher in die Wechseljahre kommen werde als andere. Kann man da Voraussagen machen? Bzw. gibt es Studien darüber, wie stark sich die Zytostatika, die bei Ewing Sarkomen verwendet wird, auf die Fertilität auswirkt?
Gibt es viele Leute, die nach einer Chemotherapie, wie ich sie hatte, Kinder bekommen? Und steigt die Chance, dass solche Kinder Behinderungen haben?

Es ist ein Thema, bei dem ich noch viele offene Fragen habe und ich schätze es deshalb sehr, dass es die Möglichkeit gibt Ihnen hier Fragen stellen zu dürfen.

Danke schon im Voraus.

Antwort von Dr. med. Rebecca Moffat Ecker
Sie sind im Alter von 15 Jahren an einem Ewing Sarkom erkrankt. Nach Abschluss der Therapie haben Sie Ihre Periode wieder regelmässig. Aber es sind immer noch viele Fragen offen.

Je jünger eine Frau bei Chemotherapie ist, desto eher erholen sich die Eierstöcke. Auch die Art der Krebsbehandlung spielt eine grosse Rolle. Manche Zytostatika schädigen die Eierstöcke nur wenig und manche sind sehr schädigend. Hierzu gibt es immer mehr Studien (siehe Link unten). Wichtig ist es zu wissen, welche Medikamente Sie erhalten haben und in welcher Dosis. Auch eine Strahlentherapie kann einen erheblichen Einfluss auf die Eierstocks- und Gebärmutterfunktion haben.

Die Vorhersage wann eine Frau die letzte Menstruation (Menopause) hat, ist viel schwieriger. Es gibt Marker (z.B. das Anti-Müller-Hormon AMH), aber genügend Studien haben gezeigt, dass AMH nicht zuverlässig vorhersagt, wann die Menopause eintritt und ob man schwanger werden kann oder nicht. Aus einer sehr grossen Studie (childhood cancer survivor study CCSS), die Kinder mit Krebserkrankungen und ihre nicht erkrankten Geschwister über Jahrzehnte „beobachtet“ hat, wissen wir, dass Kinder, die eine Chemotherapie hatten, tatsächlich früher die Menopause hatten, als ihre unbehandelten Schwestern.

Die
CCSS hat auch klar gezeigt, dass die Kinder von Frauen, die in der Kindheit eine Krebstherapie hatten, KEIN erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder Behinderungen haben.

Nach Sarkomen ist eine spontane Schwangerschaft durchaus möglich. Bis Sie einen Kinderwunsch haben, sollten Sie daher verhüten.

Hier finden Sie weitere Informationen zur
FeCt-Studie (FeCt=Fertilität nach Chemo-und Strahlentherapie im Kindes-und Jugendalter) Ich möchte Sie ermuntern, Ihre offenen Fragen mit dem Behandlungsteam zu diskutieren, oder sich an ein Fertilitätszentrum für eine Standortbestimmung zu wenden. Hier finden Sie möglicherweise ein Zentrum in Ihrer Nähe

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Fruchtbarkeit nach Stammzelltherapie

Beitragvon admin » Do 31 Jan 2019 13:53

Frage von Conny

Liebe Experten
Bei unserer Tochter wurde mit 2 Jahren eine SZT durcheführt. Sie ist an jmml erkrankt. Leider hat sie mit 4 Jahren ein Rezidiv gehabt und die 2. SZT folgte. Jetzt ist sie 6 Jahre und wir sind auf einem guten Weg. Kann man evtl. schon eine Prognose stellen bzgl. Fruchtbarkeit, oder muss man wirklich die Pubertät (Hormonhaushalt) abwarten um zu sehen ob sich ihr Kinderwunsch erfüllen könnte.
Lieben Dank

Antwort von Dr. med. Rebecca Moffat Ecker
Ihre Tochter ist sechs Jahre alt und hatte im zarten Alter von zwei und vier Jahren eine Leukämie mit zwei Stammzelltherapien.
Nun geht es Ihrer Tochter gut. Sie jedoch möchten wissen ob Ihre Tochter jemals Kinder haben wird oder nicht.

Prinzipiell kann davon ausgegangen werden, dass Chemo-wie auch Strahlentherapie vor Eintritt der Pubertät weniger schädigend sind als nach Eintritt der Pubertät.
Erhöht ist jedoch das Risiko, insbesondere bei Kindern die eine Hochdosis-Chemotherapie und eine Stammzelltransplantation erhalten haben.
Im Einzelfall lässt sich meist keine Vorhersage machen ob die Fruchtbarkeit nach einer intensiven Therapie geschädigt wurde. Im Fall Ihrer Tochter macht es Sinn die Pubertät abzuwarten.

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Orgasmus ohne Ejakulation

Beitragvon admin » Mi 6 Feb 2019 17:47

Frage von alain:

guten tag
ich hatte eine intensive chemotherapie über 4 monate.
nun ist es so, dass ich ein orgasmus habe,aber keine ejakulation.
ist das normal nach einer chemotherapie und kommt das wieder mit der zeit ?
danke und liebe grüsse
alain


Antwort von Dr. med. Rebecca Moffat Ecker:

Sie mussten sich während vier Monaten einer intensiven Chemotherapie unterziehen. Sie stellen sich nun die Frage, ob die fehlende Ejakulation bei Orgasmusfähigkeit eine Folge der Chemotherapie ist und ob Sie mit einer Erholung rechnen können.

Die knappen Informationen sind nicht ausreichend für eine spezifische und individuelle Beantwortung Ihres Anliegens. Diese Antwort ist deshalb nur eine allgemeine Einschätzung. Art und Dosis der Chemotherapie können eine Auswirkung haben auf die Produktion von Spermien und auch auf die Ejakulation an und für sich. Für eine fehlende Ejakulation kann es unterschiedliche Gründe geben, so etwa auch eine unerwünschte Wirkung von Medikamenten. Ich empfehle Ihnen, diese Frage mit Ihrem Onkologen oder Ihrer Onkologin zu besprechen und gegebenenfalls einen Reproduktionsmediziner zu konsultieren. Dieser oder diese kann aufgrund der verabreichten Chemotherapie einschätzen, ob die Anejakulation eine Nachwirkung der Medikamente ist oder allenfalls durch einen Urologen abgeklärt werden sollte.
Kennen Sie die Broschüren und Ratgeber der Krebsliga Schweiz? Im Ratgeber
Männliche Sexulität bei Krebs finden Sie Informationen, um möglichen Herausforderungen in der veränderten Sexualität zu begegnen.

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Schwangerschaft nach Eizelleinfrierung?

Beitragvon admin » Do 14 Feb 2019 12:19

Frage von Pat
Wie gut sind die Chancen nach einer Krebserkrankung durch Eizellenvorsorge tatsächlich ein gesundes Kind zu bekommen tatsächlich? Gibt es 'handfeste' Kriterien ausser dem Alter der Frau?

Antwort von Dr. med. Rebecca Moffat Ecker
Je nach Krebstherapie kann die Fähigkeit schwanger zu werden, kaum bis sehr stark beeinträchtigt werden. Aus grossen Langzeitstudien wissen wir, dass Kinder, die eine Krebserkrankung überstanden haben, weniger Kinder als ihre gesunden Geschwister haben. Aber die Fehlbildungsrate bei den Nachkommen von Menschen, die eine Krebstherapie hatten, ist nicht höher.
Das Alter ist und bleibt das wichtigste Kriterium. Viele Marker, wie zum Beispiel Hormonwerte (FSH, AMH), sind ungeeignet in der Vorhersage einer Schwangerschaft. Wenn eine Frau unter 30 Jahren vor einer Krebstherapie Eizellen einfriert, beträgt die Schwangerschaftsrate pro Eizelle 4.5-12%. Es wird angenommen, dass Frauen unter 38 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 2-12% (pro Eizelle) ein Kind bekommen werden. Das Einfrieren von Eizellen ist keine Garantie für die Geburt eines Kindes.


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