2023 - Krebs u. Juristische, Sozialversicherungs-Fragen


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2023 - Krebs u. Juristische, Sozialversicherungs-Fragen

Beitragvon admin » Mi 30 Nov 2022 17:32

Haben Sie juristische oder sozialversicherungsrechtliche Fragen im Zusammenhang mit Krebs?

Unsere Experten beantworten Ihre Fragen schriftlich vom 9. Januar bis zum 28. Februar 2023.

Weitere Informationen und den Link zum Formular finden Sie auf der Startseite des Forums.

Alle Fragen und die Antworten unserer Experten werden hier in anonymisierter Form veröffentlicht.

Beste Grüße

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IV-Anmeldung

Beitragvon admin » Fr 13 Jan 2023 11:40

Frage von misgap
Meine Partnerin, Alter 60, arbeitet 100%. Bei Krankheit würde der Lohn 9 Wochen bezahlt. Eine Taggeldversicherung besteht leider nicht. Nun wurde Krebs, Multiples Mylenom festgestellt und eine entsprechende Therapie beginnt jetzt.
Frage: Wann soll eine Anmeldung bei der IV erfolgen um bei möglicher Arbeitsunfähigkeit und Lohnausfall allfällig eine Rente zu erhalten.
Danke für Feedback und viele Grüsse

Antwort von Patricia Müller, Fachspezialistin Rechtliche Beratung bei der Krebsliga Schweiz
Vielen Dank für Ihre Anfrage.
Ihre Partnerin ist an Krebs erkrankt. Sie möchten wissen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Anmeldung bei der Invalidenversicherung ist. Ihre Partnerin hat nur Anspruch auf 9 Wochen Lohnfortzahlung.
Falls abzusehen ist, dass Ihre Partnerin eine längere Zeit nicht arbeitsfähig sein wird, ist die frühzeitige Anmeldung bei der Invalidenversicherung wichtig.
Der Anspruch auf eine IV-Rente entsteht frühstens 6 Monate nach der Anmeldung bei der IV. Dabei besteht aber noch eine weitere zeitliche Hürde: Während eines ganzen Jahres muss eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% bestanden haben. Die Anmeldung muss in den ersten 6 Monaten der Arbeitsunfähigkeit erfolgen, damit die IV-Rente nach Ablauf des Wartejahres auch ausbezahlt wird. Ihre Partnerin könnte das IV-Gesuch beispielsweise einreichen, nachdem sie 6 Wochen nicht arbeitsfähig war und es absehbar ist, dass sie noch längere Zeit nicht wieder voll arbeiten kann.
Auf der Internetseite der IV-Stelle Bern ist die zeitliche Abfolge dargestellt:

Anmeldung (ivbe.ch)
Das bedeutet für Ihre Partnerin, dass Sie mindestens ein Jahr lang auf die IV-Rente warten muss, auch wenn weder eine Lohnzahlung erfolgt noch ein Krankentaggeld ausbezahlt wird.
Es kann ausserdem länger als ein Jahr dauern, bis die Invalidenversicherung über das Gesuch entscheidet.
Eine frühzeitige Anmeldung ist zudem wichtig, weil die Invalidenversicherung auch durch Eingliederungsmassnahmen Ihre Partnerin unterstützen kann. Je nachdem werden während der Eingliederungsmassnahmen auch Taggelder ausbezahlt. Eine IV-Rente wird zudem erst ausgerichtet, wenn diese Massnahmen nicht zu einer Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt führen.
Zahlreiche gute Informationen hat die IV/AHV auf folgender Website veröffentlicht:
Invalidenversicherung (IV) - 1. Säule (ahv-iv.ch)
Auch in der Broschüre ‘Arbeiten mit und nach Krebs’ der Krebsliga finden Sie Informationen, die für Ihre Partnerin wichtig sind. Sie können diese gratis unter folgendem Link herunterladen: Arbeiten mit und nach Krebs - Ein Ratgeber für Arbeitnehmer und Arbeitgeber (krebsliga.ch)
Überprüfen Sie zudem den Arbeitsvertrag Ihrer Partnerin: Beträgt die Lohnfortzahlungspflicht tatsächlich nur 9 Wochen? Untersteht das Arbeitsverhältnis womöglich einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV), der eine Krankentaggeldversicherung vorschreibt?
In der Situation Ihrer Partnerin ist es sehr wichtig, sich umfassend über die rechtlichen Ansprüche zu informieren, damit keine Chancen verpasst werden.

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Bewerben während Krankschreibung?

Beitragvon admin » Fr 13 Jan 2023 14:28

Frage von M.:
Seit Anfang Dezember in ich nun in Behandlung auf Grund meiner Diagnose, dem Hodgkin Lymphoma. Die Diagnose hat mich ziemlich aus meiner Laufbahn gerissen. Beruflich wahr ich bisher tätig. Ich war vom Oktober bis Dezember befristet bei meiner letzten Arbeitgeberin angestellt. Der Vertrag ist nun fristgerecht ausgelaufen. Da sie mir bis auf weiteres keine Anstellung anbieten kann, bedeutet das für mich, erneut eine Stelle zu suchen. Ich habe nich nun beim RAV angemeldet. Ich stelle mir allerdings die allgemeine Frage, wie wird es geregelt, wenn man wie ich in meinem Fall, zwar auf Arbeitssuche, jedoch bis aus weiteres krank geschrieben ist? Steht mir in meiner Situation überhaupt Arbeitslosengeld zu? Darf ich, während der Zeit in der ich krank geschrieben bin Jobs annehmen die auf Entlöhnung nach Stunden basieren?

Antwort von Patricia Müller, Fachspezialistin Rechtliche Beratung der Krebsliga Schweiz
Vielen Dank für Ihre Anfrage.
Sie sind an Krebs erkrankt und zur Zeit nicht arbeitsfähig. Ihr befristeter Arbeitsvertrag ist ausgelaufen und Sie haben sich daher beim RAV angemeldet.
Sie möchten wissen, ob Ihnen ein Taggeld der Arbeitslosenversicherung zusteht und ob Sie eine Arbeit annehmen dürfen, die auf der Entlöhnung nach Stunden basiert.
Wenn Sie wegen einer vorübergehenden Krankheit nicht arbeitsfähig sind, haben Sie nur für eine beschränkte Zeit Anspruch auf das volle Arbeitslosentaggeld. Und zwar höchstens 30 Tage nacheinander und der Anspruch ist innerhalb der Rahmenfrist auf 44 Taggelder beschränkt.
Können Sie teilweise arbeiten, weil Sie beispielsweise nur 60% arbeitsunfähig sind, so erhalten Sie nach Ablauf der 30 bzw. 44 Tagen ein reduziertes Arbeitslosentaggeld (40%).
Falls Sie sich aber bei der Invalidenversicherung anmelden und wieder zu mindestens 20% arbeitsfähig sind, so besteht eine Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung. Sie erhalten in diesem Fall das volle Arbeitslosentaggeld.
Auch wenn Sie krank sind, dürfen Sie sich auf eine Stelle bewerben, auch auf Stellen, deren Entlöhnung nach den geleisteten Arbeitsstunden erfolgt. Falls Sie wissen, dass Sie die Arbeit nicht antreten können, weil Sie beim Beginn des Arbeitsvertrages noch immer krank sein werden, müssen Sie das dem neuen Arbeitgeber während der Bewerbung mitteilen. Es ist gut möglich, dass Sie dann die Arbeitsstelle nicht erhalten werden.
Eine weitere Frage ist, ob Ihnen der neue Arbeitgeber eine Lohnzahlung schulden würde, wenn Sie bereits in der ersten Zeit des Arbeitsverhältnisses arbeitsunfähig sind. Dies kommt auf den Arbeitsvertrag an. Die Dauer der Lohnfortzahlung ist zudem abhängig von der Dauer des Arbeitsverhältnisses und beträgt im ersten Dienstjahr nur 3 Wochen. Bei einer Arbeit nach Stundenlohn ist die Höhe der Lohnfortzahlung zudem abhängig davon, wie viel man in der Zeit vor der Erkrankung durchschnittlich verdient hat. Auch wenn Ihr neuer Arbeitgeber eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen hat, ist nicht sichergestellt, dass Sie versichert wären. Sie müssten daher sehr gut prüfen, ob Ihnen der neue Arbeitsvertrag überhaupt etwas einbringt. Es ist gut möglich, dass Sie trotz eines neuen Arbeitsvertrages keine Einkünfte hätten. Es ist sinnvoll, den neuen Arbeitsvertag auf ein Datum hin abzuschliessen, an dem Sie wieder damit rechnen können, Ihre Arbeit auch aufnehmen zu können. Ihre Ärztin, Ihr Arzt kann Ihnen möglicherweise dazu bereits eine Auskunft geben.

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IV Formulare

Beitragvon admin » Do 19 Jan 2023 10:43

Frage von M.:
Guten Tag,
Vor fünf Monaten erhielt mein Bruder die Diagnose „Lungenkrebs“ mit Metastasen im Gehirn. Er wurde am Gehirn operiert und erhält eine Chemo- und Immuntherapie. Zuvor bekam er eine Strahlentherapie des Gehirns und der Lunge.
Er ist seit fast 5 Monaten arbeitsunfähig und hat nun ein Schreiben von der Invalidenversicherung erhalten, das er innerhalb von 10 Tagen ausfüllen muss. Was hat es damit auf sich?

Antwort von Yves Hochuli, Jurist und stellvertretender Direktor der Krebsliga Waadt
Guten Tag,
Ich danke Ihnen für Ihre Frage,
Es wäre gut, wenn wir Zugang zu diesem Schreiben hätten. Dann verstehen wir besser, worum es darin geht, und können Ihnen eine angemessene Hilfe geben. Ich empfehle Ihrem Bruder jedoch dringend, die Anfrage der Invalidenversicherung innerhalb der gesetzten Frist zu beantworten.
Sollte er nicht kooperieren, könnten seine Ansprüche auf Leistungen gekürzt oder sogar ganz gestrichen werden. Wenn er beispielsweise Krankentaggelder von einer Erwerbsausfallversicherung bezieht, könnte diese beschliessen, ihre Leistungen einzustellen. Sollte ihm die Invalidenversicherung in Zukunft eine Rente zusprechen, könnte sich dieser Anspruch ausserdem verzögern, wenn Ihr Bruder die notwendigen Schritte nicht innerhalb der gesetzlichen Fristen unternommen hat.

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Entlassung bei Arbeitsunfähigkeit

Beitragvon admin » Do 19 Jan 2023 10:51

Frage von P.:
Ich leide an einem multiplen Myelom. Diese Krebsart ist durch Phasen der Remission und des Rückfalls gekennzeichnet.
Hat mein Arbeitgeber bei einem Rückfall oder bei einer Remission das Recht, mich zu kündigen?

Antwort von Yves Hochuli, Jurist und stellvertretender Direktor der Krebsliga Waadt
Guten Tag,
Ich danke Ihnen für Ihre Frage und beantworte sie gerne wie folgt:
Nach dem für Privatunternehmen geltenden Gesetz darf der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer während einer vollständigen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Krankheit nicht rechtsgültig entlassen. Das ist der Fall, wenn der Krankheitsausfall im ersten Dienstjahr 30 Tage, im zweiten bis fünften Dienstjahr 90 Tage und ab dem sechsten Dienstjahr 180 Tage beträgt.
Wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer während einer dieser Zeiträume kündigt, gilt die Kündigung als nichtig. Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer nach Ablauf der Sperrfrist erneut das Arbeitsverhältnis kündigen. Erst dann ist die die Kündigung wirksam.
Nach Lehre und Rechtsprechung löst ein Rückfall jedoch keine neue Kündigungsschutzfrist aus. Deshalb können Arbeitsunfähigkeiten, die durch ein und dieselbe Krankheit (oder einen Rückfall) verursacht wurden, nur bis zum Maximum der gesetzlich vorgesehenen Sperrfrist kumuliert werden und dürfen daher 30, 90 beziehungsweise 180 Tage nicht überschreiten.
Bei der Remission kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis jederzeit beenden, wenn Sie nicht mehr arbeitsunfähig sind, das heisst, wenn Sie wieder voll arbeitsfähig sind.

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Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit (Arbeitgeber vs. IV)

Beitragvon admin » Do 19 Jan 2023 10:58

Frage von P.:
Warum greift die Invalidenversicherung (IV) ein, obwohl der Anspruch auf Leistungen aus den Kollektivversicherungen des Arbeitgebers nach Ablauf der vertraglich vereinbarten 720 Tage noch nicht abgelaufen ist?

Antwort von Yves Hochuli, Jurist und stellvertretender Direktor der Krebsliga Waadt
Guten Morgen,
Vielen Dank für Ihre Fragen.
Zunächst einmal ist wichtig: Der Arbeitgeber ist nach dem Gesetz nur für einen begrenzten Zeitraum zur Lohnfortzahlung verpflichtet, wenn ein Arbeitnehmer wegen Krankheit arbeitsunfähig geworden ist. Die Dauer dieses Anspruchs hängt davon ab, wie lange der Arbeitnehmer in dem Betrieb beschäftigt ist (Dauer Betriebszugehörigkeit). Der Abschluss einer Erwerbsausfallversicherung durch den Arbeitgeber ist freiwillig und erfolgt deshalb nach Ermessen des Arbeitgebers.
So sind Arbeitgeber, die keinen solchen Versicherungsschutz für ihre krankheitsbedingt arbeitsunfähigen Arbeitnehmer haben, nicht verpflichtet, ihrem kranken Arbeitnehmer die vollen 720 Tage lang Lohn zu zahlen, sondern nur für einen relativ kurzen Zeitraum von höchstens einem Jahr.
Wenn keine Erwerbsausfallversicherung besteht, gibt es keine Überschneidung zwischen der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber und der Zahlung einer Rente durch die Invalidenversicherung.
Das Gesetz über die Invalidenversicherung unterscheidet nicht nach den unterschiedlichen Situationen hinsichtlich des Beginns des Anspruchs auf eine Invalidenrente. Der Anspruch ist für alle Versicherten gleich.
Ist es daher normal, dass die betreffenden Versicherungen weiterhin Tagessätze abrechnen, die sie nicht mehr bezahlen?
Grundsätzlich zahlen die Erwerbsausfallversicherungen trotz einer Rente der Invalidenversicherung üblicherweise bis der Anspruch erlischt (720 Tage) weiterhin Krankentaggelder, abzüglich des von der Invalidenversicherung gezahlten Rentenbetrags. Um sicherzugehen, sollten Sie jedoch die Allgemeinen Versicherungsbedingungen Ihrer Erwerbsausfallversicherung einsehen.


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