was tun, wenn der Appetit wegbleibt???


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Boo
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was tun, wenn der Appetit wegbleibt???

Beitragvon Boo » Di 9 Aug 2005 15:04

Hallo

Meine Mutter hatte vor 3 Jahren Lungenkrebs, so dass ein Lungenflügel operativ entfernt wurde.
Vor 2 Monaten wurden hinter dem Brustbein mehrere Tumore (Durchmesser 2 cm) festgestellt.
Ausserdem hat sich durch die Entfernung der einen Lunge die Speise- und auch die Luftröhre verschoben (sieht aus wie ein leichtes S).
Nun hat meine Mutter ziemlich Mühe mit dem Essen. Es rutscht nicht mehr und sie hat das Gefühl sie müsse sich übergeben, wenn sie sich zwingt zum essen.
Sie wiegt nun noch etwas über 55 kg bei einer Körpergrösse von 1.65. Sie hat innert 4 Monaten ca. 10 kg. abgenommen.
Der Arzt hat ihr nun Ensure Plus gegeben, es nützt aber nicht viel.
Was kann man tun? Hat jemand Erfahrung damit?

Danke für Eure Hilfe.

Boo

stern
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Ernährungsprobleme

Beitragvon stern » Fr 12 Aug 2005 10:13

Liebe/r Boo

Diese Aufpaupräparate sind an und für sich schon gut. Oftmals schmecken sie aber nicht, sondern im Gegenteil man hat richtigen Widerstand gegen den Geschmack. Hier helfen ein paar Tricks, z.B die Flüssigkeit tiefkühlen und als Glacé essen oder unter normales Eis mischen und tiefkühlen, oder wenig Ensure zu normalem Pudding oder Yoghurt dazu mischen. Vorne auf der Zunge haben wir Menschen die empfindlichsten Geschmackknospen, deshalb den Strohhalm um das Ensure zu trinken tiefer in den Mund nehmen.
Vielleicht geht das Essen besser wenn Ihr das Essen worauf deine Mutter Appetit hat, püriert?
Ich kann verstehen, dass dich der Gewichtsverlust deiner Mutter beschäftigt! Ich würde mir auch viele Gedanken machen.

Liebe Grüsse
stern

Boo
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@Stern: Ernährungsprobleme

Beitragvon Boo » Fr 12 Aug 2005 12:08

Liebe/r Stern

ganz herzlichen Dank für die guten Tips - ich glaube so lange es noch etwas sommerlich ist draussen, ist das mit der Glace am sinnvollsten.
Auch das mit dem Essen pürieren ist vielleicht gar keine so schlechte Idee.

Dort liegt das Problem eher im psychischen Bereich, bzw. das Auge sollte dann evtl. nicht mehr mitessen... wenn Du weisst was ich meine...
Es ist halt einfach nicht mehr sehr appettitlich. Naja, wie auch immer - merci für die Tips.

en liebe Gruess
Boo

Marion
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was tun wenn der Appetit wegbleibt?

Beitragvon Marion » Mo 15 Aug 2005 12:26

Hallo Boo

Ich bin dipl. Ernährungsberaterin und kann Ihrer Mutter bezüglich dem Essen einige Ratschläge geben. Einerseits ist die Schwierigkeit zu Essen ein Problem, weil sich die Lage der Luft- und Speiseröhre verändert hat. Dazu kommt, wenn ich das aus Ihrem Mail richtig verstanden habe, eine Appetitlosigkeit, die es ihrer Mutter sehr schwer macht, genügend Nährstoffe zu sich zu nehmen.

Ihre Mutter hat relativ viel Gewicht in kurzer Zeit verloren, sie ist aber noch normalgewichtig. Es ist wichtig, das Gewicht im Auge zu behalten und das möglichste zu tun, damit es nicht weiter sinkt. Daher sollte ihre Mutter das „Ensure plus“ unbedingt weiter nehmen, es enthält viel Energie und die nötigen Vitamine und Nährstoffe. Ensure plus unbedingt kalt servieren (schmeckt besser!)

Grundsätzlich gilt, dass Ihre Mutter essen soll, was sie mag. Am besten mehrere kleine, angereicherte Mahlzeiten pro Tag (5-7 pro Tag). Ausserdem sollte sie nur noch energiehaltige Getränke konsumieren, also kein Wasser und keine Lightgetränke. Geeignet ist auch hier, was sie mag (Cola, Fruchtsäfte, Milch usw.)

Durch die Essprobleme wird Ihre Mutter hauptsächlich weiche bis pürierte Speisen essen können. Von Joghurt über Suppen zu Cremen usw. ist alles geeignet. Wichtig dabei ist, dass man möglichst viel Energie in die Speisen bringt, also immer mit Rahm (z.B. Rahmsaucen), Butter und Öl anreichern, aber natürlich nur so, dass es auch noch schmeckt.

Druck von Aussen, die Patienten zum Essen zu bringen („zwingen“), wirkt sich meistens kontraproduktiv aus. Gleichzeitig sollte immer etwas vorhanden sein, damit ihre Mutter – und sei es nur ein paar Bissen – essen kann, wenn sie Lust verspürt. Sie sehen, es ist eine Gratwanderung.

Ausserdem empfehle ich ein Eiweisspulver da der Eiweissbedarf erhöht ist und Fleisch wie auch Fisch und Käse eher schlecht akzeptiert wird von Krebspatienten. Solche Präparate gibt es in Apotheken und wird ebenfalls unter die Speisen gemischt.

Für eine individuelle Beratung ihrer Mutter und die Möglichkeiten einer optimalen Nährstoffzufuhr, empfehle ich eine Ernährungsberaterin zu konsultieren. Falls ihre Mutter im Spital ist, kann die „hauseigene“ Ernährungsberaterin zugezogen werden, ansonsten sollte der behandelnde Arzt oder die Ärztin weiterhelfen können.

Ich hoffe, mit diesem Schreiben ein wenig geholfen zu haben.

Alles Gute
Marion

Boo
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@Marion

Beitragvon Boo » Mo 15 Aug 2005 14:20

Liebe Marion

Deine Antwort weiss ich sehr zu schätzen - dankeschön!

Ich denke es wäre wirklich gut eine Ernährungsberaterin einzuschalten. Jedoch weigert sich meine Mutter, weil ihr alles quer steht, was mit Essen zu tun hat.
Es ist für sie schon ein Zwang nur daran zu denken.
Weisst Du (oder jemand anders), ob es evtl. so schlimm kommen kann, dass man ihr eine Magensonde legen muss? Ich kenne solche Ernährungsmethoden vom Spital, aber nur bei Teenagern mit Essstörungen.
Ist das dann schmerzhaft?


Merci vielmals.

Grüessli
Boo

Sabine
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Beitragvon Sabine » Mo 15 Aug 2005 15:56

Liebe Boo,
Ich antworte Ihnen als Moderatorin des Krebsforums. Heutzutage wird zu Ernährungszwecken meist eine Peg-Sonde eingelegt, falls die Ernährung via Speiseröhre wegen Passagestörung nicht oder nur sehr schlecht möglich ist. Eine Peg-Sonde ist eine Sonde, welche in Lokalanästhesie durch die Bauchwand gelegt wird, und somit auch für die Betroffenen selber zu versorgen ist. Sie hat den grossen Vorteil, dass nicht dauernd ein störendes Schläuchlein durch die Nase verläuft, vor allem auch, wenn schon vorbestehend eine Würgeproblematik besteht. Es ist auch eine parenterale Ernährung möglich, doch wenn eine Peg-Sonde möglich ist, würde sicherlich dieser Methode der Vorrang gegeben, da sie keine kontinuierliche Spitalpflege braucht.
Vielleicht verringert sich dieser Widerwille gegen das Essen bei Ihrer Mutter, und sie kann ihr Gewicht auf natürlichem Weg einigermassen stabilisieren, das wäre natürlich das Angenehmste.
Ich hoffe, dass diese Antwort etwas von der - vielleicht - "Schreckensvorstellung" der traditionellen Magensonde nimmt.
Freundliche Grüsse
Sabine Moderatorin

Ladina
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Beitragvon Ladina » Mi 24 Aug 2005 14:26

Liebe Boo

Ich kann Ihnen nachfolgendes Kochbuch empfehlen. Ich habe eine lange Chemo hinter mir und kenne das Problem der Appetitlosigkeit ebenso wie die Beschwerden im Mundbereich.
Mir hat das nachfolgende Buch enorm dabei geholfen, wieder Freude am Essen zu bekommen und mit gut verdaulicher , gesunder und energiereicher Nahrung wieder zuzunehmen und körperliche Widerstandskraft zu gewinnen.


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EINE FUNDGRUBE LECKERER REZEPTE FÜR PATIENTEN WÄHREND ODER NACH EINER KREBSTHERAPIE
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Titel: Ernährung bei Krebs
Untertitel: Gesund essen während der Krebstherapie
Autorinnen: Elisabeth Fischer, Irene Kührer
Verlag : Verlag d. österr. Kneippbundes , 2004
ISBN : 3-7088-0020-6 , Paperback, 128 Seiten
40 farbige Abbildungen - 23,5 × 16,5 cm

Preisinfo : 15,80 Eur[D] / 15,80 Eur[A] / 28,30 sFr

http://www.buchgourmet.com/category.asp ... subcat=921

http://www.wecarelife.at/CDA_Master/1,3 ... _0,00.html

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3 ... 37-3688556 (hier wird die ältere Ausgabe des Buches noch angeboten)

Jede Form der Krebsbehandlung belastet den Körper, je nach Art der Therapie (Operation, Chemo- oder Strahlentherapie) natürlich auf unterschiedliche Weise. Trotz der Verschiedenheit der einzelnen Behandlungsformen sind manche Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen gleich. So zum Beispiel Appetitlosigkeit, Übelkeit, Darmbeschwerden etc. Nicht nur wegen dieser Beschwerden sollten Krebspatienten auf richtige und gesunde Ernährung achten, sondern auch weil Ernährung den Heilungsprozess und das Gesundwerden wesentlich beeinflusst. In diesem Buch finden Krebspatienten Rezepte für eine leicht bekömmliche und gut verdauliche Ernährung. Diese spezielle Kost soll den Appetit anregen und verzichtet auf Fleisch, weil in den meisten Fällen Krebspatienten während der Behandlung einen Widerwillen dagegen entwickeln. Die einzelnen Speisen sind eher darauf angelegt, dass der Patient mehrmals am Tag kleinere Portionen zu sich nimmt und dennoch optimal mit Nährstoffen versorgt wird. Die Rezepte sind schnell zuzubereiten und wirken allein schon durch die Bilder appetitanregend. Diese Speisen sind so konzipiert, dass auch der Rest der Familie an ihnen Gefallen findet, so dass der Krebspatient keine Sonderbehandlung am Esstisch erfährt.

Elisabeth Fischer, erfolgreiche Kochbuchautorin, veranstaltet Seminare zum Thema:"Gesunde Ernährung zur Krebsvorbeugung und Stärkung der Immunkräfte", in denen die Freude am Essen nicht zu kurz kommt.
Dr. Irene Kührer, Onkologin und Oberärztin am Wilhelminenspital in Wien, hat langjährige Erfahrungen in der Betreuung von Krebspatienten.

Anmerkung von Ladina:
Dies ist meines Erachtens das beste Buch, das in dieser Thematik je erschienen ist, einfache, leckere Rezepte, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, Mut machen, es mit dem Essen zu versuchen, selbst wenn man eigentlich kaum Appetit verspürt. Zu jedem Rezept ist übersichtilich vermerkt, bei welchen Beschwerden es zu empfehlen ist. Verfeinerungsvorschläge,Erklärungen zu den Abläufen im Körper und zu den Funktionen der verschiedenen Mineralstoffe - all das lässt das Buch so hilfreich werden in allen möglichen Situationen, die im Zusammenhang mit dem Essen nach oder während einer Krebstherapie auftreten.
Mir hat dieses Buch, seinerzeit noch als erste Auflage bei Mosaik erschienen, enorm dabei geholfen, überhaupt wieder zu Kräften zu kommen und mich dabei gesund zu ernähren.

Sehr zu empfehlen!!!


Liebe Grüsse

Ladina


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