Wie weiter?


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kernash
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Wie weiter?

Beitragvon kernash » Do 6 Mär 2014 15:40

Hallo,

Bei mir wurde vor zwei Wochen ein markernegatives Seminom von 12mm Grösse entdeckt, welches das Gewebe scheinbar nicht infiltriert hat. Ablatio testis war vor einer Woche, CT wurde gleich danach gemacht, mit einem Ergebnis ist erst nächste Woche zu rechnen.

Der Urologe hat sich nach der OP für 3 Wochen abgemeldet :(
Ich habe nun keine Ahnung wie es weiter geht. Soweit ich selber recherchiert habe, ist das rezidiv-risiko bei wait-and-see in dem Falle bei 12-30%, allerdings für Seminome I ab 2cm. Kann das jemand für kleinere Tumore genauer sagen?
Muss ich mir einen Onkologen suchen oder plant das der Urologe?
Der gesunde Hoden wurde nicht biopsiert, ist das hinsichtlich TIN nicht notwendig?

Fabiola
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Beitragvon Fabiola » Do 6 Mär 2014 16:50

Guten Tag kernasch

Ihre Verunsicherung ist verständlich und nachvollziehbar. Sie wissen nicht, wie es weiter geht und der Urologe ist zur Zeit nicht erreichbar.

Aber das Wichtigste wurde bereits gemacht, der Tumor wurde operativ entfernt. Nun warten Sie noch auf das Ergebnis des CT’s. Dieses und die genaue Analyse des Tumors sind ausschlaggebend für die weitere Behandlung.
Haben Sie einen Termin mit dem Urologen? Vielleicht hat er sich bereits mit einem Onkologen in Verbindung gesetzt und das Prozedere besprochen.

Sie fragen Sich, ob am gesunden Hoden eine Biopsie gemacht werden muss. Auch dies hängt eventuell vom Resultat des CT’s ab.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Verunsicherung ein wenig zerstreuen, und wünsche Ihnen alles Gute

Fabiola
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Hvielemi
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Beitragvon Hvielemi » Do 6 Mär 2014 17:50

Lieber Kernash

Ich bin zwar nicht von der Hoden- sondern von der Prostatafraktion,
aber http://de.wikipedia.org/wiki/Seminom hab ich trotzdem kurz nachgelesen.

Dort sind Deine Fragen weitgehend beantwortet, insbesondere dieser Satz:

""" Seminome, die kleiner als 4 cm sind und keine Infiltration des umliegenden Gewebes zeigen, weisen ein geringeres Metastasierungsrisiko (als 20%) auf."""

Dein Tumor ist sehr viel kleiner als 4 cm (im Volumen weniger als ein 20stel!) und auch noch gut 6 mal kleiner als 20mm. Darüber hinaus ist er nicht in das umliegende Gewebe eingedrungen, sodass die Prognose überaus gut scheint. Das gilt nätürlich auch für die Gefahr einer Metastasierung in den anderen Hoden. Das müsste ja nicht über die Lymphen, sondern über die Blutbahn erfolgen, wie in ein beliebiges anderes Organ. Und da ist das Risiko nochmals viel kleiner.

Angesichts des eher kleinen Tumors ist es wohl richtig, abzuwarten (wait and see), statt sich mit einer Carboplatin-Chemo zu schwächen. Aber dies kannst Du mit Deinem Uro besprechen, wenn der wieder da ist.

Es war wohl etwas ungeschickt von Deinem Urologen, sich ohne Terminvereinbarung für 3 Wochen verabschiedet zu haben, aber abgesehen von der wohl bereits abgeschlossenen Wundversorgung steht so schnell nichts an bis zur nächsten Kontrolle.

Solange keine Metastasen auftreten, hat ein Onkologe nichts zu tun mit Dir.
Bei deinem frühen Stadium kannst Du also ruhig zurücklehnen und auf die Rückkehr des Urologen warten, der die weitere Nachsorge mit Dir zusammen organisieren wird. Einen Onkologen wirst Du wahrscheinlich nie in Deinem Leben sehen wegen dieses Tumors!

Das CT nach OP hatte die Aufgabe einer Bestandesaufnahme, um für die Nachsorge in etwa zwei Monaten ein Vergleichsbild zu haben. Darauf wird nichts ungewöhnliches zu sehen sein. Weil diese Nachsorgebilder öfter gemacht werden, ist aber zu überlegen, ob man nicht lieber zum strahlenfreien MRT greife, statt zum Röntgen-CT, denn Dein anderer Hoden ist ja noch voll funktionstüchtig und sollte daher geschützt werden.

Carpe diem!
Hvielemi



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kernash
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Beitragvon kernash » Do 6 Mär 2014 18:43

Salü Fabiola und Hvielemi,

Vielen Dank für die Antworten. Den nächsten Termin beim Urologen habe ich in zwei Wochen. Die Wundpflege wurde mir, bzw. der Hausärztin überlassen, welche allerdings noch diese Woche in den Ferien ist.

Bei der Biopsie des gesunden Hodens geht es weniger um eine Metastase, sondern darum, ob eine intraepitheliale Neoplasie vorliegt, also einer Vorstufe eines Tumors. Diese würde sich in in 70% der Fälle zu einem Tumor entwickeln - bzw. jeder Hodentumor hat zu 99% eine TIN als Vorstufe.
Soweit ich gelesen habe wird in der Regel während der Semikastration eine solche Biopsie gemacht - warum das bei mir nicht der Fall war weiss ich nicht.

Den Artikel bei Wiki habe ich gelesen. Es ist halt nur so, dass ich ein bisschen Statistik-verliebt bin und gerne eine greifbare Zahl hätte.
Im Urologielehrbuch habe ich gelesen:
"Diese Risikofaktoren sind jedoch bisher nicht prospektiv evaluiert worden, sodass ein risikoadaptiertes Vorgehen derzeit nicht gesichert ist."
Was ich nur so deuten kann, dass die Grössenabhängigkeit nicht gesichert ist.

Das mit dem MRT werde ich auf jeden Fall ansprechen. Das Problem ist meines Wissens, dass Lungengewebe nur schlecht abgebildet werden kann.

Röbi
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Nachsorge

Beitragvon Röbi » Fr 7 Mär 2014 23:31

Lieber kernash

Ich hatte mein 1. Seminom vor 10 Jahren, in ähnlicher Ausprägung wie du, ohne offensichtliche Infiltration ins umliegende Gewebe, markernegativ.

Ich kann mir schlecht vorstellen, dass dir in deiner Situation jemand zu einer Chemo raten wird. Ich denke, man wird zuwarten oder mit einer Bestrahlung der Lymphknoten im Unterbauch noch auf eventuelle versteckte Uebeltäter schiessen.

Das mit der Statistik ist eine Sache für sich. Mach dir besser nicht zuviel Gedanken. Du hast von allen möglichen Tumoren einen der am besten behandelbaren erwischt, und die Hauptsache ist mit der OP erledigt.
Gut nachkontrollieren wird wichtig sein, damit allfällige Veränderungen früh genug feststellbar sind.

Ich wünsche dir alles Gute und Ruhe in der Wartezeit bis zum nächsten Besprechungstermin.

Röbi


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