Steigender PSA-Wert 12 Monate nach Radikal-OP der Prostata


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Gango
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Steigender PSA-Wert 12 Monate nach Radikal-OP der Prostata

Beitragvon Gango » Mo 9 Mär 2020 16:11

Liebe Leserinnen und Leser dieses Forums

Im November 2018 musste ich mich einer radikalen Prostata-OP unterziehen. Meine damalige Werte: PSA: 10.90./ Gleason Score: 7b (4 + 3).
Bei der Operation nach klassischer Operationstechnik wurden mir ca. 12 Lymphknoten entfernt, die alle «sauber» waren. Es hiess auch die Kapselung der Prostata sein intakt gewesen. Mein Urologe gab mir nach der OP die erfreuliche Rückmeldung, damit sei mein Krebs geheilt. Diese Aussage tröstete mich bis letzten Herbst auch teilweise über die (bis heute kaum verminderten) Nebenwirkungen mittelstarke Inkontinenz und vollständige Impotenz weg.
Umso schmerzlicher war für mich letzten Herbst (Nov. 2019) die Feststellung, dass sich mein PSA-Wert von «Nicht feststellbar (März 2019) auf 0.131 erhöht hatte. Die heutige Untersuchung (März 2020) ergab eine weiter Erhöhung auf 0.187.
Nun lautet sie Aussage meines Urologen plötzlich, dass dieser Krebs halt nicht heilbar sei.
Als weiteres Vorgehen schlägt mein Urologe vor, die Entwicklung des PSA-Wertes abzuwarten bis Aug. 2020 und dann allenfalls nach einem PSMA-PET/CT über weitere medizinische Schritte zu befinden.
Ich bin durch die ganze Entwicklung in mehrfacher Hinsicht sehr verunsichert: Soll ich jetzt einfach abwarten? Ist es sinnvoll eine Zweitmeinung einzuholen? – dies sind nur zwei meiner drängenden Fragen.
Vielleicht kann mir jemand von euch ein bisschen auf die Spur helfen. Ich wäre auf jeden Fall sehr dankbar für Rückmeldungen eurerseits.

Mit freundlichen Grüssen
Jürg

ErDe
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Re: Steigender PSA-Wert 12 Monate nach Radikal-OP der Prostata

Beitragvon ErDe » Mi 11 Mär 2020 23:05

Hallo Jürg,

Du hast nach einer Radikalen Prostatektomie ein Rezidiv. Direkt nach der OP war der PSA-Wert "nicht feststellbar", jetzt ist er es. Dass er anfangs so niedrig war deutet darauf hin – ist aber kein Beweis dafür – dass es sich um ein Rezidiv in der Prostataloge handelt und nicht z. B. um einen befallenen Lymphknoten oder eine Knochenmetastase.
Der übliche nächste Schritt ist nun eine Bestrahlung ("Salvage-Bestrahlung") der Prostataloge. Es gibt Studien, die zeigen, dass die am besten wirkt, wenn der PSA-Wert nicht höher ist als 0,5 ng/ml. Auch die deutsche Leitlinie führt aus, dass eine Salvage-Bestrahlung bei PSA-Werten zwischen 0,2 und 0,5 ng/ml durchgeführt werden sollte. Das Dilemma dabei ist, dass bei solch niedrigen PSA-Werten eine PSMA-PET/CT in den wenigsten Fällen bereits etwas zeigt. Man muss also auf gut Glück bestrahlen, aber es ist die möglicherweise letzte Chance auf Heilung. Wenn Du bis zum August wartest, kann diese Chance verstrichen sein.

ErDe

Gango
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Re: Steigender PSA-Wert 12 Monate nach Radikal-OP der Prostata

Beitragvon Gango » Do 12 Mär 2020 19:15

Hallo ErDe
Besten Dank für deine schnelle und fundierte Antwort.- Ich hatte meinen Urologen bei meinem letzten Termin bereits auf eine mögliche Bestrahlung angesprochen. Er fand die möglichen Gefahren dabei seien relativ gross (z.B. Rückschläge hinsichtlich Inkontinenz etc.).
Ich denke nun aber nach deinen überzeugenden Erklärungen, dass ich im Minimum nach 3 Monaten einen nächsten PSA Test machen werde und dann das weitere Vorgehen (notfalls mit einem anderen Urologen) nochmals besprechen werde.
Was ich inzwischen festgestellt habe, ist wohl auf jeden Fall auch ein genereller Unterschied der «urologischen Überzeugungen» in der Schweiz und in Deutschland wann und ob überhaupt eine Bestrahlung durchgeführt werden sollte.
Für mich als Patient wäre natürlich vor allem eine echte Heilung mit möglichst wenig Nebenwirkungen wichtig.
Jürg

ErDe
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Re: Steigender PSA-Wert 12 Monate nach Radikal-OP der Prostata

Beitragvon ErDe » Fr 13 Mär 2020 0:09

Hallo Jürg,

von unterschiedlichen Überzeugungen zwischen Schweizer und deutschen Ärzten würde ich nicht sprechen, vielleicht eher von "unterschiedlichen Traditionen". Jährlich im Herbst findet ein grosser Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) statt, das ist DAS jährliche Grossereignis für die (überwiegend universitären) Urologen im deutschsprachigen Raum. Auch aus der Schweiz und aus Österreich nehmen Ärzte daran teil und halten dort ggf. auch Vorträge. Es ist also nicht so, dass in den drei Ländern nebeneinanderher gewurstelt würde; man weiss schon, was die Anderen machen und zu welchen Forschungsergebnissen sie gekommen sind.

ErDe

Gango
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Re: Steigender PSA-Wert 12 Monate nach Radikal-OP der Prostata

Beitragvon Gango » Fr 13 Mär 2020 12:20

Hallo ErDe
Danke für deine Hinweise. Selbstverständlich ging es mir bei meiner Bemerkung nicht etwa darum, Schweizerurologen gegen ihre deutschen Berufskollegen auszuspielen. Wenn man vielleicht aber doch eine gewisse Kritik aus meinen Worten herauslesen kann, hat dies mit folgenden persönlichen Erfahrungen zu tun:
Aufgrund von familiären Kontakten mit Deutschland, von Gesprächen mit Betroffenen und von Internetrecherche in diversen Foren habe ich bei verschiedenen Fragen (thematisch vor allem zur Nachbehandlung von Prostata OPs) festgestellt, dass in Deutschland vieles von Anfang an teilweise automatisch zur Verfügung gestellt wird, wofür man in unserem Gesundheitswesen mühsam kämpfen muss:
In meinem Falle ging es unter anderem um Hinweise auf Selbsthilfegruppen / Überweisung zu Beckenboden Physiotherapie / Keine Kostengutsprache für Cialis 5mg Schwellkörpertherapie bei ED / Möglichkeiten für Sexualtherapie.
Es mag sein, dass ich es vielleicht bei der Lösung des einen oder anderen Problems am Anfang nicht gerade mit den richtigen Personen zu tun bekam; ich habe aber doch den Eindruck, dass man bei uns als Prostatakrebspatient teilweise sehr alleine gelassen wird. Selbstverständlich schätze ich das schweizerische Gesundheitswesen sehr, denke aber, dass man im Bereich Prostatakrebs noch nicht ganz dasselbe hohe Niveau hat, wie bei vielen anderen ähnlich verbreiteten Krankheiten.
Ich will dabei nicht verhehlen, dass wir Männer wohl zu einem grossen Teil auch selber schuld sind an dieser Tatsache. Ich habe mich aus diesem Grund seit einiger Zeit auch einer Selbsthilfegruppe angeschlossen und versuche mich hier als Betroffener für den Kampf gegen Prostatakrebs und dessen Folgen zu engagieren.

ErDe
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Re: Steigender PSA-Wert 12 Monate nach Radikal-OP der Prostata

Beitragvon ErDe » Sa 14 Mär 2020 18:49

Noch ein Unterschied zwischen den beiden Ländern fällt mir auf: Dies hier ist das Diskussionsforum für Prostatakrebskranke und ihre Angehörigen in der Deutschschweiz, die etwa 5,9 Mio Einwohner hat. Im Schnitt findet man hier nicht viel mehr als etwa einen Beitrag pro Monat (ich hab's nicht exakt recherchiert). Im entsprechenden Forum in Deutschland, das etwa 14 mal so viele Einwohner hat, sind es im Schnitt ca. [b]20 Beiträge am Tag[/b]. Haben die Männer in der Deutschschweiz so viel weniger Bedarf sich zu ihrer Erkrankung auszutauschen, und wenn ja, woran liegt das?

ErDe


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