Suche junge Krebsbetroffene, um meinem Bruder Mut zu machen


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boasorte
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Suche junge Krebsbetroffene, um meinem Bruder Mut zu machen

Beitragvon boasorte » Do 22 Okt 2009 15:22

Hallo

Mein Bruder, 19 Jahre, hat im Juni 09 die Diagnose Lymphdrüsenkrebs erhalten. Er musste umgehend mit der Chemotherapie beginnen. Von Anfang an hiess es, dass er sehr gute Heilungschancen hat. Für ihn war von Anfang an klar, dass es eine "kurze Sache" wird und er war optimistisch und kämpferisch.
Er hat die ersten 6 Chemos mehr oder weniger gut überstanden und der Tumor ist geschrumpft bis er fast weg war. Fast weg. Vor ca 4 Wochen kam bei der Untersuchung heraus, dass der Tumor wieder am wachsen ist. Nicht nur ein bisschen, sondern sehr schnell und stark. Auch während der 7 Chemo ist er weitergewachsen als wäre gar nichts. Letzte Woche war mein Bruder auch einige Tage auf der Intensivstation, da er einen Kalziumüberschuss (laut Arzt selten bei jungen Krebspatienten) hatte und es ihm sehr schlecht ging. Der Arzt hat uns mitgeteilt, dass es sehr schwierig wird, da der Krebs immun wurde gegen die Chemo und er jetzt andere Therapien ausprobieren muss sobald mein Bruder wieder ein bisschen fitter ist.
Leider ist mein Bruder seither sehr niedergeschlagen und hat den Willen verloren zu kämpfen. Auch ist er manchmal sehr beleidigend zur Familie und Krankenschwestern. Er hat mir gesagt, dass er sich freuen würde, wenn ihm andere junge Krebsbetroffene schreiben würden, da sie wissen wovon sie sprechen und nicht einfach Mut machen wollen wie alle anderen und keine Ahnung haben wie das alles ist. Für ihn ist momentan sehr wichtig zu hören, dass es möglich ist den Krebs zu besiegen, auch wenn der Arzt momentan eher pessimistisch ist. Und er hofft, dass sich viele "Beispiele" melden.
Da mein Bruder momentan schwach ist, habe ich das alles für ihn geschrieben und werde ihm jede Antwort zeigen.
Vielen Dank.

boasorte
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:-(

Beitragvon boasorte » Di 27 Okt 2009 12:30

leider bringt es jetzt nicht mehr viel meinem bruder mut zu machen weiterzukämpfen. letzten donnerstag haben ihm die ärzte mitgeteilt, dass die ableger in der leber zwar stabil blieben, aber nun habe er auch noch leukämie. sein knochenmark sei schon fast voller krebszellen. die ärzte geben ihm noch einige tage. ev woche(n). :-(
es ist sehr schwer für alle. er hat es mehr oder weniger akzeptiert bzw. so gut halt ein 19jähriger, der voller pläne und träume für die zukunft war damit umgehen kann bald zu sterben. ich bewundere ihn wie tapfer er ist und wie er wie immer zuerst an das wohl der anderen denkt und dann erst an sich selber. wir geniessen jetzt noch die gemeinsame zeit, die uns noch bleibt.

Ladina
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Ein paar Gedanken

Beitragvon Ladina » Di 27 Okt 2009 19:53

Liebe Boasorte

Das ist schlimm, was Dein Bruder gerade erlebt und Ihr alle mit. Es gibt keine Erklärung und auch keinen Trost. Aber ich möchte Dir sagen, dass Du hier verstanden wirst und dass Dir hier zugehört wird, denn es ist nicht nur das Leiden Deines Bruders, es ist auch Deines und es ist wichtig, dass Du darüber schreiben kannst.
Ich hatte auch mal Hyperkalzämie, auch sehr jung - man fühlt sich furchtbar damit. Bei mir war der Grund, dass mein Krebs die Knochensubstanz angegriffen hatte. Wenn Dein Bruder aber mit Hormonen behandelt worden ist, könnte es sein, dass er deshalb zuviel Kalzium im Blut hat.
Der neue Schlag, den Ihr zu verdauen habt, ist noch mal so hart, der solide Tumor ist zu einer sogenannten Systemerkrankung geworden und der Tumor ist resistent gegen die angewandte Chemo.
Das ist heftig, aber ob es wirklich schon hoffnungslos ist, weiss ich nicht. Man hat heute viele Substanzen, auf die man ausweichen kann, wenn ein Tumor eine Resistenz entwickelt. Die Frage ist mehr, ob Dein Bruder körperlich noch genug Kraft hat, eine stärkere Chemo durchzustehen. Und diese Kraft kann man nicht künstlich aufrechterhalten oder wieder nähren, die muss da sein oder selber wachsen.
Was ich gemerkt habe, in ganz schlimmen Zeiten meiner Krankheit, dass es mich aufbaut, wenn ich an gute Dinge denke, die ich noch machen möchte, wenn ich (es klingt blöd) mit meinem Tumor rede und ihm klar zu verstehen gebe, dass er in meinem Lebensplan noch keinen Platz hat, dass er sein "Festessen" auf später verschieben muss. Das Malen, das Schreiben, das sich ausdrücken - das hat mir Kräfte gebracht. Und die echten Freunde, die einfach da waren, die Schmerz und Kummer von mir ausgehalten und mit mir getragen haben. Nicht die lockeren Sprüche von "Kopf hoch" und "Halt die Ohren steif". Das kann man jemandem sagen, der ein Bein gebrochen hat, da passt's. Aber bei solchen Dingen, die uns hier betreffen, ist es daneben.
Vielleicht hat Dein Bruder einen Wunsch, der sich gerade jetzt erfüllen liesse, etwas, das ihn aufbaut von innen heraus, das neue, tragende Kräfte wachsen liesse. Versucht mit ihm darüber zu reden, signalisiert ihm, dass ihr nichts unversucht lassen würdet, das zu ermöglichen und dass es nicht darum geht, ihm einen letzten Wunsch zu erfüllen, sondern darum, ihm echte Freude zu ermöglichen, die ihn, so hofft man und oft geschieht es, körperlich stärkt und für die Chemo, wenn er sie will, stärker macht.
Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, ich weiss es sehr gut, aber es holt alle aus dem Gefühl der Machtlosigkeit heraus, auch Euch als Angehörige, die sich oft hilflos fühlen. Gegen die Krebszellen muss er ganz alleine in sich kämpfen, für seinen Traum aber könnt Ihr alle etwas tun.

Und ganz unabhängig davon, ob er gesund werden darf oder nicht, wenn so eine Erfüllung eines Traumes gelingt, habt Ihr etwas vom Wesentlichsten überhaupt mit ihm geteilt und ihn fühlen lassen, Eure Liebe. Sie wird er mitnehmen, egal auf welche Seite sein Lebensweg ihn führen mag.

Ich hoffe, dass meine Zeilen Dir irgendwie hilfreich sind und sende ganz viele, gute Gedanken und Kraft, Dir, Deinem Bruder und allen, die sein Schicksal nicht unberührt lässt

Alles, alles Liebe und wenn Du magst, schreibe wieder

Ladina

Thomas
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Lieber Boasorte

Beitragvon Thomas » Fr 30 Okt 2009 13:14

Ich hoffe deinem Bruder geht es wieder ein wenig besser.
Wir sind eine kleine Gemeinschaft für betroffene Jugendliche und Kinder.
Zur Zeit befinden wir uns in der Gründungsphase der Gesundheitsstiftung
für krebskranke Kinder. Da ich dein Bericht gelesen habe, musste ich jedoch trotzdem einige Zeilen schreiben. Ich bin Vater zweier kleiner gesunder Buben und es gibt wohl nichts schmerzhafteres als seine Liebsten Leiden zu sehen. Melde Dich doch direkt bei mir unter der Tel.
Nr. 076 255 88 99 damit wir zusammen sprechen können.

Alles Liebe

Thomas

boasorte
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...

Beitragvon boasorte » Fr 30 Okt 2009 23:33

Ja, ich bin mir sicher, dass es meinem Bruder jetzt besser geht.
Er hat uns am Donnerstag Morgen, 29.10.09, verlassen.
Ich bin glücklich und dankbar, dass wir die letzten Tage noch gemeinsam verbringen durften und schöne Momente hatten.
Ich bewundere meinen kleinen Bruder, wie stark er in den letzten paar Monaten war und wie tapfer er mit seinem Schicksal nur noch ein paar Tage zu leben umgegangen ist. Seine grösste Sorge war, was aus uns wird... und wir sollen doch nicht traurig sein. Unser Leben würde weitergehen. Obwohl es sehr schwer ist, hat er trotzdem recht und ich nehme es mir zu Herzen.

Bienli
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In Gedanken bei dir

Beitragvon Bienli » So 1 Nov 2009 0:43

Liebe Boasorte

In Gedanken umarme ich dich herzlich. Ich hoffe doch sehr, dass dein Bruder keine Schmerzen ertragen musste und somit friedlich sich von euch verabschieden konnte.

Herzlichst

Bienli

Irma
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Die Erinnerung lebt weiter

Beitragvon Irma » Do 5 Nov 2009 15:44

Liebe Boasorte,

ja, das Leben geht weiter, ob wir wollen oder nicht. Die Erinnerung an einen lieben Menschen aber bleibt für immer!
Ich wünsche Ihnen, dass die Erinnerungen an die letzten schönen, gemeinsamen Tage und Stunden mit Ihrem Bruder für Sie zur Kraftquelle werden und Ihnen dabei helfen weiterzuleben.

Alles Gute wünscht Ihnen
Irma, Moderatorin


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