2012 - Darmkrebs

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2012 - Darmkrebs

Beitragvon admin » Di 6 Mär 2012 13:31

Herr Dr. med. Reto Guetg beantwortete Ihre Fragen:


Diese Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch



Frage von nikita:
Hallo,
meine Mutter hatte Darmkrebs. Ich habe vor 5 Jahren eine Darmspiegelung machen lassen. Sie hatten einen gutartigen Polypen rausgenommen. Wann wäre es ratsam eine Darmspiegelung zu wiederholen? Ich habe ein wenig Angst davor, weil ich das letzte Mal eine Diskushernie eingeklemmt hatte im Nacken. Habe auch Angst von einer Darmverletzung. Können Sie mir weiterhelfen?

Antwort von Herrn Dr. Reto Guetg:
Guten Tag nikita,
Ich kann Ihre Angst vor einer erneuten Darmspiegelung gut verstehen, da Sie das letztemal Probleme mit einer Diskushernie hatten. Ihre Mutter ist an Darmkrebs erkrankt und bei Ihnen wurde ein Polyp gefunden. Das könnte möglicherweise auf eine erbliche Ursache hinweisen. Sie würden in diesem Fall zu den Risikopersonen gehören. Diesen wird empfohlen, alle 5 bis 10 Jahre eine Darmspiegelung durchführen zu lassen. Das Gewebe des entfernten Darmpolypen wurde sicher vom Pathologen untersucht. Daraus kann der Zeitpunkt der erneuten Darmspiegelung abgeleitet werden. In der Regel sind das bei einem gutartigen Polypen 5 Jahre. Ihr behandelnder Arzt kann Ihnen das sicher genau sagen.
Darmverletzungen kommen in den seltensten Fällen vor. Jedoch kann das Vorschieben des Endoskops als unangenehm empfunden werden. Auf Wunsch wird dem Patienten während der Untersuchung ein Medikament zur Beruhigung verabreicht.
Sprechen Sie auch mit Ihrem behandelnden Arzt über Ihre Ängste und Bedenken, er kann Sie unterstützend begleiten.



Frage von silversea:
Ist eine chronische Magenschleimhaut/Speiseröhren-Entzündung (seit 15 Jahren) auch eine Stufe von Darmkrebs?

Antwort von Herrn Dr. Reto Guetg:
Guten Tag silversea,
Nein, eine chronische Gastritis/Ösophagitis ist keine Vorstufe von Darmkrebs. Ein erhöhtes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, besteht für Personen, die an einer schweren und langwierigen Entzündung der Dickdarmschleimhaut (Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn) erkrankt sind.

Möglicherweise leidet die Ihnen nahestehende Person an einem gesteigerten Säure- und Gallerückfluss (Reflux) aus dem Magen, bei dem Sodbrennen auftritt. Dieser Reflux schädigt über Jahre hinweg die Zellen im Übergang des Magens zur Speiseröhre. Der Körper ersetzt die fehlenden Zellen durch die weniger säureempfindliche Magenschleimhaut. Durch diese Zellveränderung entsteht eine innen verkürzte Speiseröhre. Diese refluxbedingten Zellveränderungen in der unteren Speiseröhre sind eine Vorstufe von Speiseröhrenkrebs.

Eine Refluxerkrankung muss durch säurehemmende Medikamente behandelt werden. Sprechen Sie ihren Arzt darauf an. Dauert die Erkrankung länger, sind regelmässige Magenspiegelungen wichtig, um frühzeitig Vorboten einer möglichen Krebsentwicklung am Übergang Magen/Speiseröhre feststellen zu können.



Frage von SUTER:
Guten Tag Herr Dr Guetg,
Kann Darmkrebs durch Vererbung entstehen? Wie kann Darmkrebs verhindert werden? Kann ich, Mann, 58 Jahre, eine Vorsorgeuntersuchung machen? Danke für Ihre Antworten.

Antwort von Herrn Dr. Reto Guetg:
Guten Tag SUTER,
Verschiedene vererbbare Gendefekte (Fehler auf bestimmten Teilen der Chromosomen) führen zu einem deutlich erhöhten Risiko für Darmkrebs. Allerdings werden nur rund 5–10 Prozent aller Darmkrebsfälle durch solche Gendefekte ausgelöst. Weiterführende Informationen finden Sie in der Broschüre der Krebsliga Schweiz
Familiäre Krebsrisiken.

Ein familiär erhöhtes Darmkrebsrisiko kann vorliegen, wenn bei einem Elternteil oder mindestens einem Geschwister Darmkrebs oder Darmpolypen diagnostiziert wurden. In einem solchen Fall sollte man mit der Hausärztin oder dem Hausarzt über die Situation sprechen.

Manche Risikofaktoren wie das Alter oder die Vererbung sind nicht beeinflussbar. Risikofaktoren, die vom persönlichen Lebensstil abhängen, können Sie jedoch aktiv beeinflussen. Dies sind:
Gesunde Ernährung
viel Bewegung
wenig Alkohol
nicht Rauchen.
Unter
Prävention finden Sie noch mehr Informationen zum Thema.

Sie fragen nach einer Vorsorgeuntersuchung. Die wichtigsten Untersuchungen sind eine Stuhluntersuchung auf Blut und die Darmspiegelung. In der Schweiz gibt es bisher noch keine systematischen Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen. Die Krebsliga Schweiz empfiehlt generell ab dem 50.Lebensjahr regelmässige Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen. Wenn kein Befund vorliegt, können die Untersuchungen alle 10 Jahre wiederholt werden. Besprechen Sie Ihre individuelle Situation mit Ihrem Hausarzt.

In der Broschüre
Darmkrebs nie? finden Sie weitere Informationen.


Frage von Neve:
Mein Vater ist vor einigen Jahren an Darmkrebs gestorben. Dieser Verlust hat mich und meine Geschwister tief geprägt. Ich lebe seit 4 Jahren vegetarisch und überlege mir, ganz auf tierische Lebensmittel zu verzichten. Wird der Schutz vor Darmkrebs durch eine vegane Lebensweise grösser? Ich bedanke mich für Ihre Antwort. Neve

Antwort von Herrn Dr. Reto Guetg:
Guten Tag Neve,
Mehrere Studien zeigen, dass die meisten Ernährungsformen, die das Krebsrisiko senken, überwiegend aus pflanzlicher Nahrung bestehen. Sie haben einen hohen Anteil an Nährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe) und Nahrungsfasern sowie eine niedrige Energiedichte.

Rotes und verarbeitetes Fleisch (Wurstwaren, gesalzene und gepökelte Fleischwaren) wird als wahrscheinliche oder sogar als gegebene Ursache einiger Krebserkrankungen angesehen. Bei weissem Fleisch und Fisch wurde kein Zusammenhang festgestellt.

Fleisch kann allerdings auch eine wertvolle Quelle für Nährstoffe sein, insbesondere für Protein, Eisen, Zink und Vitamin B12. Eine strikt fleischlose Ernährung ist deshalb nicht nötig, es sollte aber auf eine massvolle Fleischzufuhr geachtet werden.

Durch den gänzlichen Verzicht auf tierische Lebensmittel wie Milch, Butter, Eier, Joghurt, Quark und Käse steigt das Risiko einer Mangelernährung erheblich an, was ernsthafte gesundheitliche Folgen haben kann.

Deshalb meine Empfehlung: Ernähren Sie sich ausgewogen, verzichten Sie auf alkoholische Getränke, bewegen Sie sich ausreichend (mind. 30 Minuten pro Tag). Besprechen Sie ausserdem Ihr persönliches Erkrankungsrisiko und die entsprechenden Früherkennungs-Möglichkeiten mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt.

Wie man sich vor Darmkrebs schützen kann und wie sich eine ausgewogene Ernährung gestalten lässt, entnehmen Sie den Broschüren der Krebsliga Schweiz:

Darmkrebs nie? bzw.
Eine ausgewogene Ernährung stärkt die Gesundheit


Frage von bella:
Seit Anfang März habe ich die Diagnose Tumor im Dickdarm mit Ablegern auf der Leber. Zusätzlich eine Lungenembolie, wogegen ich Blutverdünner spritze. Habe ich eine Chance geheilt, evtl. durch eine Operation, zu werden? ich wünsche mir nichts sehnlicher als gesund zu werden. vielen Dank

Antwort von Herrn Dr. Reto Guetg:
Guten Tag Bella,
In Ihrer Situation würde sich jeder wünschen, wieder gesund zu werden. Wenn eine Tumorerkrankung fortgeschritten ist, darf in der Regel keine Heilung mehr erwartet werden. Realistisch ist jedoch die Erwartung, dass künftig alle medizinischen Massnahmen auf die Verbesserung Ihrer Lebensqualität durch eine wirksame Kontrolle der Krankheitssymtome abzielen. Zu solchen palliativen Massnahmen kann unter Umständen auch ein chirurgischer Eingriff gehören. Allein Ihr behandelnder Onkologe ist jedoch in der Lage zu beurteilen, ob Sie zum jetzigen Zeitpunkt von einer Operation profitieren könnten oder ob andere Therapien medizinisch sinnvoll sind.



Frage von lengg10:
Kann seit einem halben Jahr nichts mehr Festes essen, habe gleich Durchfall, was ist das?

Antwort von Herrn Dr. Reto Guetg:
Guten Tag lengg10,
Ihre anhaltenden Beschwerden bedürfen dringend einer medizinischen Abklärung. Lassen Sie sich durch Ihren Hausarzt untersuchen. Er wird gegebenenfalls die weiteren Abklärungen bei den zuständigen Fachärzten einleiten. Warten Sie bitte nicht weiter, in der Hoffnung, es komme wieder spontan besser!



Frage von MPA:
Sehr geehrter Herr Dr. Guetg,
Mein Vater leidet an einer Colitis ulcerosa und neuerdings auch leider an Dickdarm-Ca. Er habe aber einen atypischen Carcinom, das sehr selten bei Colitis Patienten vorkäme. Ein Adenokarzinom intramukosal, positiv CAM 5.2., CRA, CDX2, KI67-Antigen steht im pathologischen Bericht. Gehört dieser, bei Colitis-Patienten seltener CA, zu den gut therapierbaren Krebsarten? Was muss mein Vater betreffend Ernährung einhalten? Sollte man lieber auf Hülsenfrüchte und histaminreiche Ernährung verzichten bzw. einschränken? Für Ihre Bemühungen danke ich Ihnen im Voraus. Freundliche Grüsse G. V. Dipl. MPA

Antwort von Herrn Dr. Reto Guetg:
Guten Tag MPA,
Die von Ihnen beschriebenen Faktoren aus dem Pathologiebericht sind wichtig für die Tumorbestimmung und werden teilweise bei der Therapiewahl berücksichtigt. Wie gut dieser Tumor behandelbar ist und auf die Therapie anspricht hängt aber noch von weiteren Faktoren ab, unter anderem vom Stadium der Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung, der Eindringtiefe, ob der Tumor über den Darm hinaus gewachsen ist, ob Lymphknoten befallen sind oder nicht, aber auch von der Aggressivität der Tumorzellen, dem sogenannten Grading, und vom allgemeinen Gesundheitszustand Ihres Vaters. Die Colitis ulzerosa spielt bei der Bestimmung des besten Therapiekonzeptes keine Rolle.

Ob eine histaminarme Kost sich günstig auf das Wohlbefinden Ihres Vaters auswirkt, ist ungewiss, denn bis jetzt existieren keine zuverlässigen Methoden zur Bestimmung des Histaminspiegels. Ob er von einer solchen Ernährung jetzt profitieren kann, sollte Ihr Vater mit seinem behandelnden Arzt besprechen. Es gibt keine spezielle Diät, welche bei einer Krebserkrankung mit guten Argumenten empfohlen werden kann, auch nicht bei Darmkrebs. Wichtig ist aber, eine ausreichende Kalorienzufuhr, um einen Gewichtsverlust zu vermeiden. Eine ausgewogene Ernährung mit vielen frischen Nahrungsmitteln ist immer zu bevorzugen. Dabei ist es für Ihren Vater aber wichtig, dass er die Colitis ulzerosa bei seiner Ernährung mit berücksichtigt. Ernährungsprobleme kann Ihr Vater auch mit einer Ernährungsberaterin besprechen. Sein behandelnder Arzt wird ihm sicher eine geeignete Adresse vermitteln können. Wir wünschen Ihrem Vater und Ihnen viel Mut und Energie, um diese schwere Krankheit zu bewältigen.



Frage von Weronika1:
Guten Tag Her Doktor
Ich bin mit den medizinischen Fachausdrücken nicht sehr vertraut und suche nach Antworten und Erklärungen für die Krebserkrankung meiner Schwester: Weichteilsarkom – Retroperitoneales myxoides Liposarkom G3 T2b N0 M0, zu Beginn Stadium III b, jetzt Stadium IV. Bei der Diagnose war sie 36-jährig, heute ist sie 40. Sie hat Metastasen in der Lunge. Vorgesehen ist nur eine palliative Strahlentherapie. Meine erste Frage dazu: Wie viel Zeit bleibt ihr statistisch gesehen? Die zweite ist eher technisch: Ich habe gehört, dass das Sarkom, das sie hat, üblicherweise nicht Metastasen in den Knochen verursacht, sehr wohl aber zu einem Nierentumor führen kann. Meine Schwester war tatsächlich davon betroffen und die befallene Niere wurde ihr entfernt. Besteht bei ihr nun das Risiko, dass Knochenmetastasen auftreten? Für Ihre Antwort oder Hinweise auf Forschungsberichte bin ich Ihnen äusserst dankbar. Denn wenn man sucht, tut man zumindest etwas.
Im Voraus vielen Dank.
Freundliche Grüsse
Weronika

Antwort von Herrn Dr. Reto Guetg:
Guten Tag Weronika1,
Es tut mir Leid, dass Ihre Schwester derart schwer erkrankt ist. Sie durchlaufen eine schwierige Zeit und ich verstehe gut, dass Sie sich informieren möchten.
Kein Arzt kann voraussagen, wie lange Ihre Schwester noch leben wird. Jeder Tumor, jede Patientin, jeder Patient und somit jede Situation präsentiert sich anders. Das Fortschreiten eines Tumors hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Aus diesem Grund ist es nahezu unmöglich, eine Prognose zu erstellen.
Ebenfalls kann niemand voraussagen, ob sich bei Ihrer Schwester Knochenmetastasen bilden werden.
Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass Sterberate-Statistiken auf bereits abgeschlossenen Studien beruhen. Es handelt sich hierbei also keinesfalls um eine Prognose, die für Ihre Schwester gemacht wurde! Es wäre ein völlig falscher Ansatz, die verbleibende Lebenszeit ihrer Schwester daraus abzuleiten.
Kümmern Sie sich um Ihre Schwester so oft Sie können und sie es wünscht. Fragen Sie sie, was sie von Ihnen erwartet und was Sie für sie tun können. Auf der Internetseite der Krebsliga Schweiz
Broschüren zum Thema Alltag und Krebs finden Sie Informationen, die für Sie womöglich von Interesse sind. Vielleicht hilft Ihnen auch dieser Link.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Schwester viel Mut in dieser für Sie schwierigen Zeit.



Frage von enrico:
Sehr geehrter Herr Doktor,
Bitte erlauben Sie mir folgende Frage: Gibt es bei Magenkrebs einen familiären Zusammenhang (Geschwister, Kinder), und wie äussern sich die Symptome? Vielen Dank, Enrico aus Rom

Antwort von Herrn Dr. Reto Guetg:
Guten Tag enrico,
Es besteht eine familiäre Veranlagung, die zur Entstehung der Erkrankung beiträgt; gewisse Veränderungen von bestimmten Genen (zum Beispiel p53 und APC) sind die Ursache für das Auftreten von Tumoren in verschiedenen Organen, darunter im Magen. In diesen Fällen spricht man von einem Lynch-Syndrom Typ II. Dabei handelt es sich um eine autosomal-dominante Tumorerkrankung. Sie wird durch wiederkehrende Mutation in einem der vier zurzeit bekannten Gene verursacht, die für die Kontrolle und Reparatur von Kopierfehlern der DNA in allen Körperzellen zuständig sind.
Die Symptome von Magenkrebs sind:

• Anhaltende Verdauungsstörungen
• Appetitlosigkeit
• Schluckbeschwerden
• Gewichtsverlust
• Völlegefühl nach den Mahlzeiten
• Übelkeit und Erbrechen
• Magenbrennen (Sodbrennen)
• Blut im Stuhl oder schwarzer Stuhl
• Müdigkeit aufgrund von Blutarmut (bedingt durch Blutungen der Magenwand)

Nicht alle diese Symptome müssen vorhanden sein, und umgekehrt erkranken nur die wenigsten Patienten mit diesen Symptomen an einem Tumor. Dennoch ist es wichtig, sofort einen Arzt aufzusuchen. Dieser wird die entsprechenden Untersuchungen veranlassen, sofern er dies für zweckmässig erachtet.

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