2014 - Darmkrebs

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2014 - Darmkrebs

Beitragvon admin » Do 27 Feb 2014 13:50

Herr Prof. Dr. med. Urs Marbet, Darmkrebs-Experte, beantwortete Ihre Fragen:

Diese Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch



Frage von Erika:
Sehr geehrter Herr Dr. Marbet
Meine beste Freundin (46 Jahre alt) ist an Dickdarmkrebs erkrankt und hat nun bereits Metastasen im Dünndarm und Knochen. Wie funktioniert eine Immuntherapie und wo kann sie durchgeführt werden? Wie sehen so die Heilchancen aus. Bin verzweifelt! Freue mich auf Ihre Antwort!


Antwort von Herrn Prof. Marbet:
Guten Tag Erika
Ich kann Ihre Verzweiflung sehr gut verstehen, ist Ihre Freundin doch sehr jung an einem bereits fortgeschrittenen Darmkrebs erkrankt. Beim Vorhandensein von Metastasen im Knochen ist die Situation sicher ernst, aber wir erleben immer wieder, dass Leute auf neue Therapien erstaunlich gut ansprechen. Aufgrund der Beschreibung eine genaue Aussage über die Prognose zu machen, ist aber nicht möglich, da viele Faktoren eine Rolle spielen können und meistens das Ansprechen des einzelnen zuerst abgewartet werden muss.

Bei der Behandlung von Tumoren gibt es verschiedene „Immuntherapien“. Einerseits kann darunter eine allgemeine Unterstützung des Immunsystems verstanden werden. Interferone und Interleukine gehören zu diesen unspezifischen Stimulatoren. Aber auch die Ernährung und eine positive Einstellung kann das Immunsystem stärken. Ideale Medikamente, die bei allen Tumoren helfen, gibt es leider nicht. - Gewisse Krebsformen verstehen es, ihre Zellen für die Immunabwehr des Körpers unsichtbar, immun zu machen. Mittels neuer Therapien gelingt es teils, diese Tarnung aufzudecken, so dass das Tumorwachstum vom eigenen Immunsystem wieder kontrolliert werden kann und der Tumor nicht weiter wächst. Diese Immuntherapie wird beispielsweise beim schwarzen Hautkrebs eingesetzt. - Beim Darmkrebs wird unter Immuntherapie in erster Linie die Antikörpertherapie verstanden. Diese teils hoch spezifischen (monoclonalen) Antikörper werden im Labor hergestellt und richten sich teils gezielt gegen ganz spezielle Schlüssellöcher auf den Tumorzellen.
Teilweise gibt es diese Schlüssellöcher nur auf den Tumorzellen oder es gibt auf den Tumorzellen davon viel mehr als auf den andern Körperzellen. Ein solches Schlüsselloch ist beispielsweise der Epidermal Growth Factor Receptor, der das Wachstum des Tumors regulieren kann. Teilweise kann beim einzelnen getestet werden, ob dieser Rezeptor bei ihm angreifbar ist und ob eine derartige Antikörpertherapie eine Chance hat. Eine derartige Antikörpertherapie kann bewirken, dass sich die Tumorzelle nicht mehr teilen und vermehren kann oder abstirbt. Ein anderer Antikörper richtet sich gegen die Bildung von Blutgefässen und kann so die Durchblutung des Tumors abwürgen und den Tumor zum Absterben bringen. Diese Antikörper werden oft mit andern gegen den Krebs wirkenden Medikamenten kombiniert. Eine Antikörper- oder Immuntherapie bei Darmkrebs kann oft ambulant in den meisten Spitälern mit einer Onkologieabteilung oder in einer spezialisierten Onkologiepraxis durchgeführt werden.

Informationen über die Antikörpertherapie bei Darmkrebs finden Sie z.B. in der Broschüre der Krebsliga Schweiz
Dickdarm-und Enddarmkrebs oder über die Immuntherapie allgemein in der Broschüre Medikamentöse Tumortherapie.

Es ist zu hoffen, dass auch bei Ihrer Freundin eine wirksame Therapie gefunden wird. Vielleicht finden Sie in der Broschüre der Krebsliga Schweiz Krebs trifft auch die Nächsten Anregungen, wie Sie Ihre Freundin in dieser schweren Zeit unterstützen und begleiten können, und was Sie auch für sich selber tun können, damit Sie diese Situation nicht überfordert.


Frage von Coco:
Bei meinem 85-jährigen Vater wurde Enddarmkrebs diagnostiziert. Er hatte eine 6-wöchige Strahlen- und Chemotherapie, die er sehr gut vertragen hat. Auf der Computertomografie ist der Tumor kaum noch sichtbar. Trotzdem soll er nun operiert werden. Die Operation scheint technisch sehr kompliziert zu sein. Gleichzeitig möchte der Chirurg einen bisher nicht entdeckten Leistenbruch operieren sowie den Blinddarm vorsorglich entfernen. Ich frage mich, ob dies bei meinem Vater in diesem Alter wirklich Sinn macht. Im Moment geht es ihm gut und er führt ein völlig selbständiges Leben. Ich kann mir vorstellen, dass ihn eine solch grosse Operation gesundheitlich extrem zurückwerfen wird. Zudem ist vorübergehend (ev. auch dauerhaft) ein künstlicher Darmausgang erforderlich. Auch dies eine Einschränkung seiner Lebensqualität. Wäre es in diesem Fall nicht besser, vorderhand abzuwarten und zu schauen, ob der Tumor wieder kommt bzw. wieder wächst? Oder ist das Risiko abzuwarten zu gross? Vielen Dank

Antwort von Herrn Prof. Marbet:
Guten Tag Coco,
Den ersten Teil der Behandlung, die Chemotherapie und die Bestrahlung, hat Ihr hoch betagter Vater gut überstanden und er hat, wie Sie schreiben, auch sehr gut darauf angesprochen.
Erst die erfolgreiche Verkleinerung des bösartigen Tumors ermöglicht es nun, diesen operativ zu entfernen und damit eventuell den Schliessmuskel zu erhalten. Durch diese Operation wird auch verhindert, dass der Tumor sich wieder lokal, im Enddarm ausdehnen, den Darm verschliessen, oder sich im Körper ausbreiten und Metastasen bilden kann.
Ihre Befürchtungen und Fragen in Bezug auf die bevorstehende Operation sind verständlich. Das Risiko ist real, dass durch diese Operation die Lebensqualität und die Selbstständigkeit Ihres Vaters, zumindest vorübergehend, stark eingeschränkt werden könnte, vor allem auch in Anbetracht seines hohen Alters. Je nach dem ist es auch möglich, dass der künstliche Ausgang belassen werden muss. Anderseits birgt das Zuwarten ein erhebliches Risiko. Es ist zu befürchten, dass ohne Operation der Tumor recht bald wieder wächst und dann auch in die Umgebung infiltrieren kann, was erhebliche Schmerzen machen, und die Lebensqualität noch weit mehr vermindern kann. Die Tatsache, dass der Tumor gut auf die Vorbehandlung angesprochen hat, und ihr Vater diese gut überstanden hat, werte ich als gutes Zeichen, dass der Tumor erfolgreich entfernt werden kann und dann die verbleibenden Jahre trotz Darmkrebs noch mit guter Lebensqualität verbracht werden können.

Wie denkt Ihr Vater über die bevorstehende Operation? Besteht für Sie die Möglichkeit, mit dem zuständigen Arzt zu sprechen und Ihre Fragen und Bedenken anzubringen und auch über das Risiko des Zuwartens zu diskutieren, eventuell gemeinsam mit Ihrem Vater oder Ihren Eltern?



Frage von Angst:
Guten Tag
Mehrere Verwandten sind in meiner Familie an Darmkrebs erkrankt. Ich frage mich warum. Ernährung? Umgebung? Stress? Ausser die empfohlene Vorsorge was kann ich noch tun um nicht krank zu werden?
Mit freundlichen Gruss
R.F.

Antwort von Herrn Prof. Marbet:
Guten Tag Angst
In der Schweiz erkranken jedes Jahr über 4000 Menschen an Dickdarm- oder Enddarmkrebs. Bei einzelnen sind effektiv ganze Familien von Tumorleiden betroffen. Bei diesen vererbten Tumorformen haben Vater oder Mutter und Geschwister und eben auch Grosseltern schon Tumoren. Hier liegt oft ein schwerer Defekt in unserer Tumorabwehr vor. Dies ist zum Glück sehr selten. Aber auch bei den andern Leuten spielen gentische Faktoren bei gut 10% eine Rolle. Vor allem, wenn erstgradig Verwandte in jüngeren Jahren (vor dem 60. Altersjahr) schon einen Darmkrebs hatten, ist das Risiko erhöht, auch an einem Darmkrebs zu erkranken. Wahrscheinlich spielen da genetische Veränderungen in der Darmschleimhaut eine Rolle. Sind Tumore in der entfernteren Verwandtschaft gehäuft, müssen nicht unbedingt genetische Gründe vorliegen. Diese Tumoren können zufällig, durch voneinander unabhängige Mutationen in Körperzellen entstanden sein. Vielleicht spielen auch krebsfördernde Umweltfaktoren eine Rolle, da Menschen aus derselben Familie oft einen ähnlichen Lebensstil pflegen.

Früherkennung
Personen mit einer vermuteten Krebsveranlagung sollten auf Früherkennung setzen:
Durch regelmässige Kontrolluntersuchungen können allfällige Tumore schon in einem frühen Stadium entdeckt werden, was die Behandlungs- und Überlebenschancen verbessern kann.

Ein hohes Risiko für Darmkrebs besteht in folgendem Fällen:
- Darmkrebs oder Darmpolypen bei den Eltern in jungen Jahren oder bei Geschwistern
- Früheres Auftreten von Darmpolypen
- Chronisch entzündliche Darmerkrankung

Diese Leute müssen mit ihrem Arzt besprechen, wann die Krebsvorsorge starten soll. Bei diesen Personen ist die Darmspiegelung klar die korrekte Vorsorge.

Generell steigt das Risiko für Darmkrebs ab dem 50. Altersjahr. Eine Untersuchung zur Früherkennung ist daher für alle Menschen ab 50 Jahren ratsam. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Möglichkeiten der Früherkennung und lassen Sie sich zu den verschiedenen Untersuchungsmethoden beraten.

Symptome erkennen
Gehen Sie zum Arzt bei
- Blut im Stuhl
- Veränderungen der Stuhlgewohnheiten
- Unklarem Gewichtsverlust
- Stuhldrang, ohne Stuhl absetzen zu können
- Neu aufgetretene, anhaltende Bauchschmerzen

Gesund leben
Was kann ich sonst tun, um mein Risiko zu vermindern? Ein risikoarmer Lebensstil vermindert das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Das heisst:

> nicht rauchen. Dies ist ein entscheidender Faktor.

> sich viel bewegen. Empfehlenswert ist, drei Mal in der Woche etwa dreissig Minuten Sport zu betreiben, bei dem Sie zu leichtem Schwitzen kommen.

> Früchte und Gemüse, wenn möglich mehrmals täglich und wenig rotes Fleisch essen, naturbelassene Lebensmittel statt verarbeitete Produkte bevorzugen

> Übergewicht vermeiden

> nicht übermässig Alkohol trinken

Mehr dazu erfahren Sie aus folgenden
Publikationen der Krebsliga, die Sie online bestellen oder herunterladen können.


Frage von abba:
Wann resp. welche Form von Darmkrebs führt unweigerlich zu einem Stoma? Sind Menschen ab 50 besonders gefährdet?
Besten Dank.

Antwort von Herrn Prof. Marbet:
Guten Tag abba
Die Anlage eines künstlichen Darmausganges hat nichts mit dem Alter zu tun. Entscheidend ist der Ort, wo der Darmkrebs auftritt und ob der Tumor entfernt werden kann, ohne dass der Schliessmuskel des Afters entfernt werden muss. Vereinzelt wird auch nur vorübergehend ein künstlicher Ausgang angelegt (Schutz Stoma), beispielsweise wenn die Darmnaht (Anastomose) sehr nahe beim Schliessmuskel ist oder wenn ein Infekt besteht. Mit diesem Schutzstoma soll geholfen werden, dass die Darmnaht gut verheilt. Danach kann das Stoma wieder aufgehoben werden. Da heute immer häufiger auch Tumore im Enddarm ohne Schliessmuskelverletzung operiert werden können, ist ein Stoma immer seltener nötig. Wenn der Tumor anderseits sehr nahe beim Schliessmuskel ist, muss dieser vielleicht auch entfernt werden, damit nicht der Tumor anschliessend im Schliessmuskel weiterwächst.



Frage von Concetta:
Guten Tag,
meine 89 Jährige Mutter hat seit 2007 ein Colostoma (doppelläufig) auf der linken Seite oben. Im Jahr 2012 hat sich erneut ein Polyp entartet und dieser wurde entfernt. Dabei wurde ihr ein grosses Stück Dickdarm entfernt (ab Blinddarm aufwärts und an den Dünnd. gehängt. Das Stoma wurde so belassen. Sie hatte ebenfalls mehrere Hernienbrüche und es ist ein Netz im Bauch. Seit 2 Monaten klagt sie über diffuse Bauchschmerzen. Im CT hat man nichts gesehen (was ich etwas komisch finde?) doch der Hausarzt hat im Bauchnabel ein kleines Brüchli festgestellt. Er meinte, diese brauche man nicht zu operieren. Was für Symtome machen Narbenbrüchli? Meine Mutter möchte verständlicherweise nicht noch einmal eine Vollnarkose über sich ergehen lassen. Doch das diffuse Ziehen und Einschiessen auf der rechten Seite ist auch etwas mühsam. Vielleicht sind dies auch Narbenstörungen. Muss man bei einem Narbenbrüchli Angst haben, dass irgendwann ein Darmverschluss entsteht, wenn man nichts macht?

Antwort von Herrn Prof. Marbet:
Guten Tag Concetta,
Ihre Mutter hat offensichtlich eine lange schwere Leidensgeschichte hinter sich; ich nehme an mit einem Darmkrebs 2007, weswegen sie das doppelläufige Colostoma erhielt, und einem erneuten Darmkrebs offenbar in einem Frühstadium 2012, der operativ oder endoskopisch entfernt wurde. Seit zwei Monaten leidet Ihre Mutter erneut unter Beschwerden, was für Ihre Mutter sicher belastend und wohl auch bei dieser Vorgeschichte
beängstigend ist.
Die Ursache dieser neuen Beschwerden kann vieles sein und sollte zumindest teilweise abgeklärt werden. Am häufigsten sind sicher Verwachsungen, die zu Schmerzen oder Passageproblemen des Stuhles führen können. Die Bedeutung der Verwachsungen ist oft schwer zu beurteilen, da jeder nach solchen Operationen Verwachsungen hat. Ein relevantes Problem liegt vor allem dann vor, wenn die Verwachsungen den Transport, die Passage des Stuhles behindert. Dies scheint bei Ihrer Mutter nicht der Fall zu sein, da im Computertomogramm nichts beanstandet wurde.
Wovor ihre Mutter möglicherweise aber am meisten Angst hat, ist, dass wieder ein Krebs nachgewachsen ist. Wenn die letzte Operation 2012 war, müsste dies mittels Darmspiegelung wohl kontrolliert werden. Dies um so mehr, wenn der entartete Polyp endoskopisch entfernt worden war. Die Tatsache, dass das Computertomogramm „nichts“ sah, heisst, dass man keine Absiedler (Metastasen) und keinen Tumor um den Darm herum sah. Also primär positiv. Das Innere des Darmes sieht man mit dem normalen Computertomogramm aber schlecht.
Es gibt aber auch andere Ursachen derartiger Beschwerden wie Überwucherung von Bakterien in den ausgeschalteten Darmabschnitten, Darm Infektionen, Entzündungen, Durchblutungsstörungen bis zu Funktionsstörungen. Viele dieser Ursachen sind behandelbar. Zudem kann die Ursache auch beim Rücken oder der Niere liegen. Ich denke, es wäre gut, wenn der Hausarzt Ihre Mutter vielleicht einem Magen Darm Spezialisten vorstellen würde.
Brüche können gelegentlich, aber eher selten, auch zu Beschwerden führen. Der Bruch am Bauchnabel (Nabelhernie) ist wahrscheinlich schon lange und führt selten zu Transportproblemen. Narbenbrüche anderseits sind meist Ausweitungen und Schwächen im Bereich der Operationsnarbe und können teils zu unschönen Vorstülpungen am Bauch führen. Diese machen aber eher selten Beschwerden und führen nur selten zum Einklemmen des Darmes und Darmverschluss. Deshalb operiert man derartige Brüche selten. Es wäre auch eine recht grosse Operation. Manchmal besteht auch die Möglichkeit, herausgestülpte Darmschlingen mit sanfter Massage wieder in den Bauchraum zu befördern. Schlussendlich gibt es auch innere Brüche, die schwierig zu diagnostizieren sind. Zum Glück sind diese Probleme selten.
Wie Sie sehen ist es schwierig, allein aufgrund der Krankheitsgeschichte das Richtige zu raten. Ich bin mit Ihnen aber einig, dass man schauen sollte, was die Ursache ist, zumal vieles nicht operativ angegangen werden muss. Gehen Sie mit Ihrer Mutter doch einmal zu einem Spezialisten, der Ihnen, so hoffe ich, weiterhelfen kann.



Frage von Chicago:
Meinem Vater (84) wurde kürzlich ein bösartiger Tumor aus dem Dickdarm entfernt. Besteht bei uns Kindern ein erhöhtes Dickdarmkrebsrisiko und sollte wir vorsorgliche Abklärungen machen lassen?

Antwort von Herrn Prof. Marbet:
Guten Tag Chicago
Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister oder Kinder) haben in der Tat ein erhöhtes Risiko ebenfalls an einem Dickdarmkrebs zu erkranken. Dieses Risiko ist umso grösser, je jünger der Verwandte den Krebs hatte, vor allem, wenn er bereits vor dem 50. Lebensjahr aufgetreten ist. Dies ist bei Ihrem Vater glücklicherweise nicht der Fall. Dennoch empfehle ich aufgrund der familiären Vorbelastung, dass Sie und Ihre Geschwister bei sich eine Darmspiegelung durchführen lassen.
Bezüglich der Vorsorge für Darmkrebs gilt allgemein die Empfehlung der Fachärzte, mit ca. 50 Jahren eine erste Darmspiegelung durchzuführen, um allfällige Vorstufen des Darmkrebses (Polypen) zu erkennen. Hiermit kann nicht nur der Krebs früher entdeckt werden, sondern es gelingt dank Entfernung dieser Polypen sogar oft, die Entstehung des Krebses zu verhindern.
Das Eidgenössische Departement des Inneren hat die Krebsvorsorge-Programme erweitert und seit 1. Juli 2013 ist die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung bei Personen im Alter von 50 bis 69 Jahren kassenpflichtig (obligatorische Krankenpflegeversicherung). Unter diesem
Link finden Sie weiterführende Informationen der Krebsliga Schweiz zum Screening-Programm.


Frage von ia:
Guten tag
meine frage ist ich habe vor 7 iahren den darm gespigelt es war ales ok nur das ich einen reiz darm habe man sagte mier das ich erst in 10 iahren wider muss hate auch schon eine leichte end zünxung im darm di a er wider gut ist

Frage von stern:
ich habe vor 7 iahre meinen darm spigeln lasen war alles ok nur einen reizdarm habe ich wan würden si mier end pfelen eine weitere spigelung zu machen ih hate letstens eine leichte ent zündung im darm

Antwort von Herrn Prof. Marbet:
Guten Tag ia
Guten Tag stern
Die Darmspiegelung, die bei Ihnen vor 7 Jahren durchgeführt wurde, zeigte keinerlei Auffälligkeiten, weshalb man Ihnen erklärte, dass ein Reizdarm vorliege und Sie sich keine Sorgen machen müssen. Sofern Sie beschwerdefrei sind und keine der untenstehenden Symptome aufweisen, können Sie auch wirklich beruhigt zuwarten und die nächste Darmspiegelung in 3 Jahren durchführen lassen. Bei einer unauffälligen Darmspiegelung ist es nämlich gut vertretbar, eine Kontrolle erst nach 10 Jahren wieder durchzuführen.

Falls die folgenden Symptome auftreten, empfehlen wir Ihnen, sich bereits vorgängig an Ihren Arzt zu wenden:
- unklarer Gewichtsverlust
- Blut im Stuhl oder eine Blutarmut
- neu aufgetretene und anhaltende Bauchschmerzen
- eine Veränderung der früheren Stuhlgewohnheiten, also wenn Sie beispielsweise plötzlich Durchfall haben und früher stets verstopft waren oder umgekehrt.

Diese Beschwerden sollten abgeklärt werden. Mit dem Arzt über die Darmkrebsvorsorge sprechen sollten Sie auch, wenn in Ihrer Familie Darmkrebs gehäuft vorkommt.



Frage von Tochter86:
Mein Vater hat Darmkrebs und leider hat er bereits auch schon Ableger in der Lunge und in der Leber. Sein Arzt hat jetzt gesagt, dass sein Krebs Wildtyp für RAS sei. Was bedeutet das genau? Ist das gut oder schlecht? Der Arzt hat ihm gesagt, dass dies Auswirkung darauf hat, welche Behandlung er nun kriegen wird. Was für eine Behandlung ist das?


Antwort von Herrn Prof. Marbet:
Guten Tag Tochter86
In der Onkologie gibt es mittlerweile eine Reihe prädiktiver Biomarker, die zur Auswahl der Therapie genutzt werden. Prädiktive Biomarker sind messbare Produkte des menschlichen Organismus, welche Hinweise dafür geben, von welcher zielgerichteten Therapie ein Patient eher profitieren könnte.

K RAS ist ein wichtiger Faktor, der das Wachstum der Zelle beeinflussen kann. Er spielt deshalb auch eine Rolle bei der Entstehung und dem Wachstum des Krebses. In den letzten Jahren stellte man fest, dass Leute auf Substanzen, die das Krebswachstum durch Blockierung des „epidermal growth factor receptor EGFR“ zu hemmen versuchen, unterschiedlich ansprechen, je nachdem, ob dieser K Ras Faktor in seiner ursprünglichen Form vorliegt (wild Typ) oder ob er mutiert ist, also seine chemische Sequenz verändert hat. Die Chance auf derartige EGFR Antikörper anzusprechen, ist viel grösser, wenn der usrprüngliche Wild Typ vorliegt. Zu diesen Medikamenten gehören das Panitumumab und das Cetuximab. Leider kann man aber auch dann nicht mit Sicherheit sagen, ob diese Therapie wirkt.

Genieren Sie sich nicht, den behandelnden Arzt bei Unklarheiten anzusprechen. Er/sie ist am besten in der Lage, die Therapiewahl für Ihren Vater zu begründen.

Ausserdem können Sie die Fachberaterinnen des Krebstelefons 0800 11 88 11 bei destabilisierenden Gefühlen wie der Angst um einen geliebten Menschen unterstützen.



Frage von Ursi:
Sehr geehrter Herr Prof. Marbet
Bei mir wurde im Jan. 13 mit knapp 51 J. ein Adenokarzinom des proximalen Rektums entfernt (pT3 pN1a (1/26) cMO, LO V1 G2 R0). Nachher habe ich 1/2 Chemo mit Oxaliplatin, Capecitabin) erhalten. Anfangs Sept. 13 erfolgte die Rückverlegung des Stomas. Die Nachsorge erfolgt nach dem SGG-Schema und war laut den Ärzten sehr zufriedenstellend. Die nächsten Kontrollen sind im Juli geplant. Ich habe leider immer noch ca. 4 - 6 völlig unregelmässige Stuhlgänge pro Tag, trotz der Einnahme von Metamucil oder Colosan mite (ca. 1/Tag). Ich vermeide blähende Speisen, Rohkost und Mineralwasser mit Kohlensäure. Auch habe ich oft Blähungen und stark stinkende Winde. Kann ich noch etwas tun, damit sich meine Verdauung noch besser normalisiert oder braucht es einfach Zeit? Laut meinen Ärzten ist das Rezidiv-Risiko in den ersten 2 Jahren am grössten (ca. 80% aller Rezidive zeigen sich dann). Wie ist das mit allfälligen Metastasen in Leber und Lunge?
Besten Dank!

Antwort von Herrn Prof. Marbet:
Guten Tag Ursi,
Es ist schön, dass die Rückverlegung des Stomas so gut geklappt hat. Durch die Operation am Enddarm wird einerseits der Winkel zum oberen Darmanteil verändert, der für die Darmentleerung eine Bedeutung hat. Zudem wurde der Dickdarm verkürzt. Hinzu kommt, dass durch die Operation und die Zusatztherapien die Zusammensetzung der Darmflora verändert wird. All dies kann dazu führen, dass der Stuhl vielleicht weniger eingedickt ist oder der Stuhldrang grösser wird. Wurden Sie vor der Operation bestrahlt? Auch dies kann die Darmmotorik verändern. Schlussendlich kann auch die Chemotherapie teils zu Störungen des Stuhlganges führen.
Achten Sie bei der Ernährung auf eher stopfende Nahrungsmittel. Sie verzichten bereits auf blähende Nahrungsmittel und auf kohlesäurehaltige Getränke. Wenn die Probleme hiermit nicht genügend verbessert werden, können teils auch Probiotika oder eine Diät arm an fermentierbaren Nahrungsmitteln (FODMAP) helfen. Sie können auch einmal während 2 Wochen notieren, was Sie zu welchem Zeitpunkt essen und welche Reaktionen ausgelöst werden. Vielleicht ergeben sich daraus weitere Hinweise, wie Sie Ihre Verdauung verbessern können.
Bei lästigem dünnem Stuhlgang kann auch Metamucil und Colosan durch reines lösliches Guar (Benefiber, Optifiber) ersetzt werden, das den Transport des Stuhles mehr als die andern Quellmittel bremst. Wenn die Diarrhö schlimm ist, kann eventuell auch Loperamid (Immodium) versucht werden. Nicht selten sind die Leute danach aber lästig verstopft. Dann kann das Immodium flüssig eine tiefere Dosierung ermöglichen. Besprechen Sie dies mit Ihrem Hausarzt. Vielleicht müssen auch andere Ursachen wie Clostridientoxin oder Parasiten im Stuhl gesucht werden oder eine Spiegelung des Enddarmes kann gelegentlich auch Klarheit bringen. Gemäss SGG Schema hatten sie ja nach einem Jahr bereits eine Kontroll Kolonoskopie.

Eine genaue Zeitangabe für Rezidive möchte ich keine machen, verstehe jedoch Ihre Bedenken. Das Rezidivrisiko ist in den ersten Jahren nach der Behandlung am grössten. Vor allem das Wiederauftreten des Krebses an der Anastomose (Verbindung der Darmteile oberhalb und unterhalb des Tumors) ist in den ersten zwei Jahren am grössten und nimmt danach massiv ab. Auch Tumorrezidive in der Umgebung der Operationsstelle werden immer seltener. Fernmetastasen treten, wie Sie schreiben, an erster Stelle in der Leber und in der Lunge auf. Aber auch andere Organe können befallen werden. Diese Metastasen können auch später vorkommen, aber nur sehr selten nach mehr als 5 Jahren. Wie hoch das Risiko einer Metastasierung ist, hängt unter anderem von der Tumorausbreitung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung, der Lokalität des Primärtumors und auch von der Aggressivität der Erkrankung ab. Eine regelmässige Nachkontrolle ist darum beim Colonkarzinom enorm wichtig, damit mögliche Rezidive so früh wie möglich erkannt und wieder kurativ (mit dem Ziel auf Heilung) behandelt werden können.

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