2011 - Prostatakrebs


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2011 - Prostatakrebs

Beitragvon admin » Mi 24 Aug 2011 13:56

Herr Prof. Dr. George Thalmann, Direktor und Chefarzt der Klinik und Poliklinik für Urologie des Inselspitals in Bern, beantwortete Ihre Fragen:


Diese Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch



Frage von Sebi59:
Wie merke ich den Krebs? Was sind die Symptome? Was kann ich zur Vorbeugung unternehmen? Danke

Antwort von Prof. Thalmann:
Guten Tag Sebi59,
Prostatakrebs verursacht im Frühstadium keine spezifischen Symptome. In der Tat können sich eine gutartige Prostatavergrösserung (Prostatahyperplasie), eine Entzündung der Prostata und ein bösartiger Prostatatumor (Prostatakarzinom) auf gleiche Weise äussern, nämlich durch:

- einen abgeschwächten Urinstrahl
- häufigeren Harndrang, sowohl am Tag als auch in der Nacht
- gelegentlichen, unkontrollierten Urinabgang
- Schmerzen beim Wasserlösen
- Blut im Urin

Die obengenannten Symptome treten in der Regel erst dann auf, wenn der Tumor so gross ist, dass er Druck auf die Harnröhre ausübt und dadurch den Urinabfluss erschwert. Ein kleiner Tumor im Frühstadium verursacht also im Normalfall keine Beschwerden.

Treten eines oder mehrere der obengenannten Symptome auf, sollte man einen Hausarzt oder einen Urologen aufsuchen.

Die wichtigsten Risikofaktoren für Prostatakrebs (Alter und familiäres Risiko) sind unbeeinflussbar. Die beste Vorbeugung ist demnach die Früherkennung.

Prostatakrebs im Frühstadium kann unter anderem auch dank den Hinweisen, die der PSA-Wert liefert, erkannt werden. Dieses Protein, das durch eine einfache Blutentnahme bestimmt werden kann, ist jedoch kein spezifischer Tumormarker sondern ein Organmarker. Anders ausgedrückt: Eine Erhöhung des PSA-Wertes kann ein Zeichen für eine Funktionsstörung der Prostata sein, wie sie im Laufe einer Infektion oder einer Entzündung auftreten kann. Das heisst, ein erhöhter PSA-Wert ist nicht immer ein Beweis für einen Tumor. Umgekehrt: Auch tiefe PSA-Werte schliessen ein Prostatakarzinom nicht aus. Weicht jedoch der PSA-Wert von der Norm ab, sind weitere Abklärungen nötig. Ein allfälliger Verdacht auf einen bösartigen Prostatatumor kann allein durch eine Gewebeentnahme (Biopsie) entweder erhärtet oder ausgeschlossen werden.

Sind Sie zwischen 50 und 70 Jahre alt, und sollten Sie sich einem PSA-Test unterziehen wollen, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt bzw. Ihrer Hausärztin. Er/Sie wird Sie eingehend darüber informieren und an Hand Ihrer Familienanamnese Ihr persönliches Prostatakrebsrisiko einschätzen. Die Schweizerische Fachgesellschaft für Urologie empfiehlt für Männer mit einem Verwandten ersten Grades, der an einem Prostatakrebs erkrankt ist, die Vorsorgeuntersuchung ab dem 45. Lebensjahr.

Auf der Internetseite der Krebsliga Schweiz finden Sie Informationen übers Thema
Prävention von Prostatakrebs zum Nachlesen.


Frage von Peter S.:
Ich hatte seit 5 Jahren Probleme / Prostata. War jährlich bei der Vorsorgeuntersuchung. War zweimal beim Spezialisten / kein Resultat / freche Antwort/ schroffe Abweisung. 2011 hatte ich einen Wert 26 danach wurde ich erst ins Kantonspital überwiesen. Ich frage mich für was war die Untersuchung beim Spezialisten reine Geldverschwendung/ Geldmacherei auf Kosten der KK und meiner Gesundheit. Zu meinen Hausarzt habe ich das Vertrauen verloren, er hatte eine zweite Untersuchung / Meinung unterlassen.

Antwort von Prof. Thalmann:
Guten Tag Peter S.
Es tut mir leid, dass Sie so schlechte Erfahrungen gemacht haben. Ich hoffe, dass Sie sich im Kantonsspital besser aufgehoben fühlen und wünsche Ihnen alles Gute für Ihre weitere Zukunft.
Ein PSA Wert über 10 ist nicht in jedem Fall gleichbedeutend mit Krebs. Auch eine Entzündung kann mal dahinterstecken.
Wenn Sie Fragen zum Thema Prostatakrebs haben, dann können Sie sich gerne wieder an die Online Sprechstunde oder ans Krebstelefon der Krebsliga Schweiz wenden.



Frage von margaretha:
Mein Mann ist 66 Jahre alt und vor ein paar tagen wurde bei ihm Prostatakrebszellen gefunden. In einem Ratgeber habe ich gelesen, dass es in seinem Alter keine Rolle spielt ob er eine Therapie macht oder nicht. Dies nennt sich wait and see. Wir sind hin und her gerissen ob er eine Therapie machen soll oder nicht.

Antwort von Prof. Thalmann:
Guten Tag margaretha,
Bei Ihrem Mann wurde Prostatakrebs festgestellt und er befindet sich nun im Dilemma, sich einer Therapie zu unterziehen oder zuzuwarten.

Pauschale Behauptungen dieser Art sind immer mit grosser Vorsicht zu geniessen. Vielmehr ist eine individualisierte Behandlung anzustreben, die sich nach den biologischen Eigenschaften des festgestellten Tumors, nach dem Alter und den allfälligen anderen Erkrankungen des Patienten sowie nach den Wertvorstellungen, Lebenszielen, Aengsten und Wünschen des Betroffenen richtet.

Handelt es sich um ein lokalisiertes Prostatakarzinom, d.h. hat die bösartige Geschwulst die Kapsel, welche die Prostata umhüllt, noch nicht durchbrochen und sind bestimmte klinische Kriterien erfüllt, ist der Entscheid für eine „active surveillance“-Strategie möglich. Dies beinhaltet eine proaktive Nachsorge mit Bestimmung des PSA-Wertes und Entnahme von Prostatabiopsien in regelmässigen Abständen, um ein allenfalls rasch wachsendes Karzinom rechtzeitig zu erwischen. Allein der behandelnde Urologe ist in der Lage zu beurteilen, ob die notwendigen Voraussetzungen für eine „active surveillance-Strategie“ vorliegen. Nach Abwägen von Nutzen und möglicher Nebenwirkungen von Tumortherapien, kann er sich dann zusammen mit dem Patienten vorerst gegen eine spezifische Tumortherapie entscheiden.

Bitten Sie um einen Termin mit dem behandelnden Urologen. Fragen Sie ihn, ob er die Option des Zuwartens erwogen hat. Was seiner Meinung nach dafür und was dagegen spricht.

Sollte dieses Aufklärungsgespräch mit dem behandelnden Urologen Sie und Ihren Mann nicht befriedigen, besteht die Möglichkeit, eine Zweitmeinung einzuholen.



Frage von ueli:
nach einer Prostataoperation leide ich an Urininkontinenz. Vorallem beim Husten verliere ich Urin. Gibt es andere Methoden die dagegen helfen als Beckenbodentraining? Gruss, Ueli

Antwort von Prof. Thalmann:
Grüezi ueli,
Die Harnkontrolle wird beim gesunden Mann grundsätzlich durch den inneren „unwillkürlichen“ und den äusseren „willkürlichen“ Schliessmuskel kontrolliert.
Bei der operativen Entfernung der Prostata wird der innere Schließmuskel immer mit entfernt. Der äußere Schließmuskel übernimmt in der Regel nach und nach die vollständige Verschlussfunktion.
Gerade in den ersten paar Monaten nach der Operation kann es, vor allem bei körperlicher Anstrengung oder wie bei Ihnen beim Husten, zu unkontrolliertem Harnabgang kommen. Die effektivste Methode ist nach wie vor das Beckenbodentraining. Dabei wird der äussere Schliesssmuskel trainiert die Harnröhre „wasserdicht“ zu verschliessen.
Es ist von Mann zu Mann unterschiedlich, wie lange es dauert, bis der äussere Schliessmuskel die Funktion vollständig übernimmt. Man kann aber davon ausgehen, dass zwölf Monate nach der Operation 95% der Männer den Urin wieder halten können.

Das Beckenbodentraining kann durch Elektrostimulation mit oder ohne Biofeedbackmethode unterstützt werden. Dabei regen niedrigfrequente Stromstösse die Beckenbodenmuskulatur zur Arbeit an. Dies ist eine schmerzlose Therapieform und wird von Physiotherapeuten angeboten.

In seltenen Fällen, bei denen eine Inkontinenz (unbeabsichtigter Urinabgang) bestehen bleibt, kann die Einsetzung eines künstlichen Schliessmuskels diskutiert werden.

Besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrem behandelnden Urologen.



Frage von Hanna:
Mein Mann ist 36 Jahre alt. Gemeinsam haben wir 2 kleinere Kinder. Unsere Familienplanung ist abgeschlossen und wir überlegen uns, ob sich mein Mann sterilisieren lassen soll. Unsere Frage ist, hat eine Vasektomie einen positiven oder negativen Einfluss auf das Risiko Prostatakrebs zu bekommen? Danke für die Antwort.

Antwort von Prof. Thalmann:
Guten Tag Hanna,
Heute gilt als gesichert, dass eine Vasektomie keinen Einfluss auf das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, hat. Die Durchtrennung der Samenstränge hat weder einen schützenden Effekt, noch begünstigt dieser Eingriff die Entstehung von Prostatakrebs.
Ein Prostatakarzinom entsteht immer durch das Zusammentreffen verschiedener Risikofaktoren.
Als gesicherter Risikofaktor gilt das Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken.

Weitere Risikofaktoren sind:
- positive Familienanamnese: Mehrere Familienmitglieder sind bereits an einem Prostatakarzinom erkrankt.
- ethnische Zugehörigkeit: Schwarzafrikaner erkranken häufiger als Europäer oder Nordamerikaner an Prostatakrebs. Am niedrigsten ist die Erkrankungshäufigkeit bei Männern aus dem ostasiatischen Raum.
- Hoher Androgenspiegel, das heisst ein hoher Spiegel an männlichen Sexualhormonen.

Diskutiert werden zur Zeit:
- Lebens und Ernährungsgewohnheiten
- Genveränderungen wurden bei Prostatakrebspatienten festgestellt. Zur Zeit ist noch ungewiss, ob und welche Auswirkungen sie auf die Entstehung von Prostatakrebs haben.
- Eine chronische Entzündung der Prostata

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