2015 - Prostatakrebs


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2015 - Prostatakrebs

Beitragvon admin » Mo 2 Nov 2015 14:51

Prof. Dr. med. George Thalmann, Direktor und Chefarzt der Klinik und Poliklinik für Urologie des Inselspitals, beantwortet Ihre Fragen in Zusammenhang mit Prostatakrebs:


Diese Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.
Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch



Frage von Morning
Sehr geehrter Dr. Thalmann
Ich bin 65 Jahre alt und hatte am 01.2012 eine Radikale Prostatoveskulektomie mit Lymphonodektomie beidseits. Diagnose pT2c pN0/11 cM0 Gleason 9 (4+5). Bis 08.2012 PSA nicht nachweisbar - 01.2013 PSA 0.06 - 07.2013 PSA 0.83. Dann 1/2 Jahr Lucrin Depot. 10.2013 PSA 0.12 - 07.2014 PSA 0.32 - 01.2015 PSA 3.4 - 18.02.2015 Colin-Pet-CT - Lokalrezitiv in der Prostataloge kein nachweis auf Fermetastasen. Ab 23.02.2015 Androgen-Blockade mit Lucrin-Depot bis ende Mai 2016. Salvage Radiotherapie 08.04.2015-28.05.2015. Bei Beginn PSA 2.4 am Schluss 1.4 - PSA Messung 11.2015 PSA 0.9 Und nun endlich meine Frage: Ich weiss nicht mehr wie es weitergeht, der nächste Besuch beim Urologen ist Im August 2016 zur PSA Messung. War's das nun? gibt es keine Therapiemöglichkeiten mehr? Mein Urologe wirkte diesbezüglich Ratlos und wollte nichts dazu sagen. Sollte ich eine zweit Meinung einholen?

Antwort von Professor Thalmann:

Sehr geehrter Morning
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Darf ich kurz zusammenfassen? Im Januar 2012 wurde bei Ihnen eine Prostataentfernung vorgenommen. Da sich der PSA innert kurzer Zeit mehr als verdoppelte, wurde Ihnen Lucrin Depot verabreicht, auf das Sie gut ansprachen.
2015 wurde auf Grund des ansteigenden PSA’s eine Cholin-PET-Computertomographie gemacht und ein Lokalrezidiv gefunden. Sie wurden erneut mit Lucrin behandelt. Danach wurde das Lokalrezidiv bestrahlt, und der PSA Wert konnte erneut gesenkt werden. Das bedeutet, dass Sie gut auf die erneute Lucrin Therapie mit Bestrahlung angesprochen haben.
Sie möchten verständlicherweise wissen, wie es nun weitergeht, und fragen, welche Therapieoptionen Ihnen zur Verfügung stehen. Der behandelnde Arzt möchte sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu weiteren Therapieoptionen äussern und wahrscheinlich die nächsten PSA Werte abwarten, was ich aus Sicht des Arztes gut nachvollziehen kann. Eine Zweitmeinung könnte zu einem späteren Zeitpunkt, z. B. wenn der PSA wieder ansteigen sollte, sinnvoll sein. Da Sie sich über die Weiterentwicklung Ihrer Erkrankung Sorgen machen, schlage ich Ihnen vor, bei Ihrem behandelnden Urologen nachzufragen, ob die nächsten PSA Bestimmungen eventuell in kürzeren Abständen, z.B. in 6 Monaten durchgeführt werden könnten.
Sollte sich die Krankheit weiter entwickeln, was zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszuschliessen ist, kann ich Ihnen versichern, dass für die Behandlung Ihres Prostatakarzinoms weitere Therapiemöglichkeiten bestehen. Diese richten sich nach den Untersuchungsbefunden und dem Verlauf der Erkrankung. Konkret kann es sich um eine weitere Hormontherapie, eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung handeln.



Frage von Meus
Guten Tag
Ich habe meine Diagnose Prostatakrebs bereits mit 45 Jahren erhalten. Rdia^kale Prostatektomie und leider nach 8 Jahren Rezidiv. Dann 2 Bestrahlungen (Lendenwirbel). zur Zeit rezidiv, da PSA von nicht nachweisbar auf 0.6 stieg. Bevor ich mich dem traditionellen Weg einer Hormontherapie ergebe (Progrssion: Verdoppelung alle 3 Monate) habe ich mit Internetrecherche zwei alternative Möglichkeiten gefunden: eine Immuntheraphie entdeckt (http://www.iozk.de/de/medizin/checkpoin ... ertherapie) sowie die Erfolge mit PSMA-617 als Theraphieform (http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4903854). Ich nehme an, dass in unserem fortschrittlichen Gesundheitswesen, diese Therapien ebenfalls angeboten werden. Können Sie mir bitte Adressen in der Schweiz angeben?
Freundliche Grüsse Ph. S.

Antwort von Professor Thalmann:
Guten Tag Meus
Die Therapieansätze, worauf Sie sich beziehen, sind als experimentell einzustufen. Sie wurden noch unzureichend untersucht und stellen deshalb keine Alternative zum etablierten Therapieverfahren dar. Die Immuncheckpoint-Inhibitoren sind vielversprechend und werden im Moment nur beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom, d.h. wenn die Hormontherapie nicht mehr genügend wirkt, verwendet. Aufgrund Ihrer Angaben würden Sie im Moment nicht dafür qualifizieren. PSMA-617 ist ein sehr interessanter Ansatz, aber hier ist die Datenlage noch sehr gering und diese Therapie wird in der Schweiz z.Zt. noch nicht angeboten. Wenn es angeboten wird, wird dies sicher im Rahmen einer klinischen Studie erfolgen und auch eher beim fortgeschrittenem Prostatakarzinom.



Frage von jpot
Im September 2015, im Alter von 56 Jahren, diagnostizierte mein Urologe bei mir ein Adenokarzinom der Prostata mit Infiltration der Harnblase und einem Gleason-Score von 8. Zwölf von zwölf Biopsien waren positiv. Bei der Durchführung der Biopsien wurde der Tumor aus der Harnblase entfernt, so dass ich heute ohne nennenswerte Beschwerden leben kann (weniger häufiges, fast normales Wasserlassen). Eine CT-Untersuchung zeigte einen befallenen Lymphknoten und kleine Knötchen in der Lunge (Metastasen?). In der durchgeführten Knochenszintigraphie wurden keine Metastasen gefunden. Im November 2015 betrug mein PSA12,3 (im September 10,4). Bis heute wurde mir keine Behandlung empfohlen, und ich warte auf die Durchführung eines PET-Scans, mit dem in Erfahrung gebracht werden soll, ob Metastasen bestehen oder nicht. Welche Behandlungen würden Sie mir empfehlen: a) im Fall von Metastasen (Lunge und Lymphknoten) und b) ohne Metastasen. Wie lässt sich das Fortschreiten eines Adenokarzinoms der Prostata feststellen? Danke für Ihre Ausführungen.

Antwort von Professor Thalmann:
Guten Tag Herr jpot
Zum Glück konnten mit dem chirurgischen Eingriff die Harnsymptome, die durch den Prostatatumor hervorgerufen wurden, behoben werden.
Die Ungewissheit im Zusammenhang mit der Behandlung, die Ihnen erst empfohlen wird, wenn das Ausmass der Krankheit bekannt ist, hat Sie dazu veranlasst, einen Experten zu kontaktierten.
Das Warten auf diagnostische Resultate und eine medizinische Untersuchung sind für alle betroffenen Personen schwierig und sehr schwer zu ertragen.
Um eine persönliche Behandlungsempfehlung zu erhalten, können Sie in der Abteilung für Onkologie des
CHUV in Lausanne oder der Universitätsspitäler von Genf eine Zweitmeinung einholen.
Ausgehend von Ihren Angaben kann ich Ihnen bereits folgende allgemeinen Informationen geben:
Wenn der Tumor Nachbarstrukturen wie die Harnblase infiltriert hat, sich auf regionale Lymphknoten oder entfernte Stellen wie die Lunge ausgebreitet hat, sind die Behandlungsmöglichkeiten neben der Chirurgie: eine Hormontherapie, eine Strahlentherapie und eine biologische Therapie. In Ihrem Fall wird gestützt auf die Ergebnisse der Bildgebung eine Kombination einer Hormontherapie und einer Chemotherapie zu prüfen sein.
Die Überwachung der Entwicklung der Krankheit erfolgt mit dem Test des prostataspezifischen Antigens (PSA), den Sie bereits kennen.

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