2015 - Umwelt und Krebs

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2015 - Umwelt und Krebs

Beitragvon admin » Mi 29 Jul 2015 12:21

Frau Dr. Patrizia Frei, Projektleiterin Umwelt und Tabak bei der Krebsliga Schweiz beantwortet Ihre Fragen:


Frage von Tokio:
Guten Tag
nach dem Besuch Ihrer Internetseite würde ich mich gerne an Sie als Experten wenden. Um mich kurz zu fassen: Ich möchte gerne 2 Wochen Urlaub in Tokio machen, habe aber mittlerweile Zweifel aufgrund der Katastrophe in Fukushima. Die öffentlichen Entwarnungen der Regierungen oder des auswärtigen Amtes geniesse ich mit Vorsicht, da hier sicherlich auch andere Interessen hineinspielen. Mich anderweitig im Internet kundig zu machen, war ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Von Schreckensmeldungen bis zu bedenkenlosen Reiseempfehlungen war alles zu finden. Da ich die Situation nun gar nicht mehr einschätzen kann und mich gesundheitlich nicht unbedingt einem Risiko aussetzen möchte, vertraue ich auf die Meinung eines Experten. Wie sehen Sie die Gefahr der Strahlung oder auch der Aufnahme radioaktiver Substanzen über die Nahrung? Was wäre Ihre Empfehlung?
Vielen Dank für Ihre Antwort


Antwort von Frau Dr. Patrizia Frei:
Guten Tag Tokio
Es ist unbestritten, dass ionisierende Strahlung Krebs verursacht, ich kann ihre Bedenken daher durchaus nachvollziehen. So wurde nach dem Unfall in Tschernobyl festgestellt, dass Personen, die in der betroffenen Region wohnten und beim Unfall Kinder oder junge Erwachsene waren, häufiger an Schilddrüsenkrebs erkrankten. Letztendlich ist das Risiko aber eine Frage der lebenslang kumulierten Dosis. In Tschernobyl wurde viel Land kontaminiert und die Evakuierung war schleppend. Die Situation in Fukushima sieht total anders aus – die Evakuierung hat relativ gut funktioniert und nur wenig Land ist von erhöhter Radioaktivität betroffen. In Japan ist daher die Anzahl Personen mit höherer Belastung minimal.

Eine Untersuchung des «Tokyo Metropolitan Institute of Public Health» von 2014 hat ergeben, dass die mittlere Strahlenbelastung in Tokio von 34 nSv/h auf einem ähnlichen Niveau wie vor dem Unfall ist und sogar noch tiefer liegt im Vergleich zu den Werten in anderen Städten, z.B. London. Sehen Sie dazu auch einen Bericht in der
Japan Times. Die Strahlenbelastung liegt somit auch tiefer als in den meisten Regionen der Schweiz, wo die natürliche Hintergrundstrahlung aus Boden und Weltall an gewissen Orten über 400 nSv/h liegen kann. siehe Karte

Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen, eine Entscheidung bezüglich Ihrer Tokio Reise zu treffen.


Frage von healthy cooking:
Guten Tag.
Ich benütze beim Kochen gerne asiatische Gewürze und Saucen. Sind Sojasauce, Austernsauce und Fischsauce unbedenklich für die Gesundheit?
Danke für die Antwort.

Antwort von Frau Dr. Patrizia Frei:
Guten Tag healthy cooking
Danke für Ihre Anfrage. Ich habe mich als Vorbereitung auf meine Antwort mit unserer Fachmitarbeiterin Ernährung, Frau Kerstin Zuk abgesprochen.

Grundsätzlich dürfen in der Schweiz Lebensmittel Schadstoffe nur in Mengen enthalten, welche die menschliche Gesundheit nicht gefährden können. Die Verantwortung dafür tragen die Lebensmittelunternehmen, indem sie z.B. qualitativ hochwertige Rohstoffe verwenden, damit keine unerwünschten Stoffe im finalen Lebensmittel vorhanden sind, und indem sie Lebensmittel analysieren. Die kantonalen Vollzugsbehörden wachen über die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften.

In gewissen Sojasaucen wurde bereits das Schwermetall Cadmium und/oder der Schadstoff 3-MCDP (3-Chlor-1,2-propandiol) nachgewiesen. 3-MCDP kommt auch in zahlreichen anderen Lebensmitteln vor (Hauptquelle sind Fette und Öle) und ist möglicherweise krebserregend. In einer Untersuchung des
K-Tipps von 2012 konnten diese Stoffe aber in keiner der untersuchten Sojasaucen nachgewiesen werden.

Für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung können die Saucen sehr wohl beim Kochen gebraucht werden. Aufgrund des hohen Salzgehaltes sollen sie jedoch zurückhaltend verwendet werden. Den Salzkonsum zu senken bzw. niedrig zu halten ist eine der empfohlenen Massnahmen zur Senkung des Krebsrisikos des
Europäischen Kodex zur Krebsbekämpfung der WHO (im Moment nur auf Englisch).

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Spass beim Kochen von gesunden, abwechslungsreichen Gerichten!



Frage von MoKram:
Guten Morgen!
Meine Kinder kommen in ein Alter in dem sie nach dem ersten Handy fragen. Vor Jahren las ich viel in Zeitungen über die Gefahren von Hirntumoren bei Handygebrauch. Gibt es neue Erkenntnisse und sind Kinder besonders gefährdet? Ich denke nicht, dass ich ein Handy verbieten will. Doch ich möchte meinen Kindern einen verantwortungsvollen Gebrauch lernen und vorleben.
Danke für die Antwort,
MoKram


Antwort von Frau Dr. Patrizia Frei:
Guten Tag MoKram
Das Handy ist heutzutage zum ständigen Begleiter geworden, der Trend macht auch vor Kindern und Jugendlichen nicht Halt. Vor ein paar Jahren gab es, wie Sie es beobachtet haben, viele Medienberichte zum Thema Handy und Hirntumore, mittlerweile ist es etwas ruhiger geworden. Auch die Zahl der Studien hat seither abgenommen.

In manchen Studien zu Handygebrauch und Hirntumoren wurde für Personen, die viele Jahre lang ein Handy benützt hatten, Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für bestimmte Hirntumore gefunden. Diese Beobachtung wurde längst nicht in allen (beobachtenden) Studien gefunden und wurde auch in Tier- und Zellversuchen nicht bestätigt. 2011 hat die
Weltgesundheitsorganisation WHO hochfrequente elektromagnetische Felder, (wie sie auch durch Handys erzeugt werden), als «möglicherweise krebserregend» eingestuft. Das bedeutet, dass ein Verdacht besteht, aber kein Nachweis einer krebserzeugenden Wirkung vorhanden ist. Dies ist eine übliche Vorgehensweise für alle noch nicht abschließend bewertbare Risikofaktoren. Die wissenschaftliche Diskussion ist noch nicht beendet.

Zum Krebsrisiko bei Kindern und Jugendlichen gibt es leider nur sehr wenige Daten. Vor ein paar Jahren wurde dazu eine Studie mit Daten aus mehreren europäischen Ländern, unter anderem auch aus der Schweiz, publiziert. In dieser Studie wurde bei 7- bis 19-Jährigen kein erhöhtes Risiko für regelmässige Handybenutzer verglichen mit solchen, die kein Handy benützten, gefunden. Auch die Hirntumor-Erkrankungsraten bei Kindern und Jugendlichen sind seit Anfang der 90er-Jahre, also in der Zeit, in der der Handygebrauch stark zugenommen hat, relativ stabil geblieben. Aktuell gibt es noch eine andere Studie zu dem Thema, die sogenannte
MOBI-KIDS»-Studie. Im Rahmen dieser Studie sind aber bisher noch keine Resultate publiziert worden.

Aus Sicht des Vorsorgeprinzips kann ein zurückhaltender Umgang mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern sicherlich nicht falsch sein. Die persönliche Strahlenbelastung kann durch das eigene Verhalten beeinflusst werden. Lesen Sie dazu auch die Informationen auf
unserer Webseite, insbesondere auch das Faktenblatt der Krebsliga mit Empfehlungen für immissionsarmes Telefonieren.


Frage von AKW:
Guten Tag,
immer wieder hört man von Studien, dass in 5 Km AKW-Nähe mehr Krebs- und Leukämie-Fälle auftauchen, vor allem bei Kindern.
Ist auch bei Erwachsenen mit höheren Krebs- und Leukämieraten im Umkreis von 5 Km zu einem AKW zu rechnen?
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Freundliche Grüsse

Antwort von Frau Dr. Patrizia Frei:
Guten Tag AKW
Nachdem in den 80er Jahren im Umkreis von zwei Atomkraftwerken (AKWs) in Grossbritannien sogenannte «Leukämie-Cluster» bei Kindern entdeckt wurden, sind zahlreiche Studien zu Krebs bei Kindern (insbesondere Leukämie) in der Nähe von AKWs durchgeführt worden. Alles in allem zeigten die meisten Studien keinen Zusammenhang zwischen der Nähe des Wohnortes und dem Leukämierisiko, viele dieser Studien hatten aber auch methodische Mängel. Neuere Studien zeigen jedoch, dass für eine Subgruppe, nämlich Kinder unter 5 Jahren, die sehr nahe an AKWs wohnen (5 Kilometer oder weniger), das Leukämierisiko leicht erhöht sein könnte. Die Hypothese, dass dieses erhöhte Risiko durch die von den AKWs ausgehende ionisierende Strahlung zu erklären sei, wurde bereits durch mehrere Studien wiederlegt, da die durch AKWs verursachte Strahlendosis weitaus geringer ist, verglichen mit der natürlichen Hintergrundbelastung durch ionisierende Strahlung. Eine Ursache für das möglicherweise erhöhte Risiko konnte bisher noch nicht gefunden werden.

Zum Krebsrisiko bei Erwachsenen, die in der Nähe von AKWs wohnen, existieren meines Wissens leider praktisch keine Daten. Diese Forschung wurde wohl auch nicht intensiviert, weil im Gegensatz zu den Beobachtungen bei Kindern keine solchen Cluster bei Erwachsenen beobachtet wurden. Bei meiner Recherche bin ich lediglich auf eine Studie aus Korea aus dem Jahr 2012 gestossen, die kein erhöhtes Krebsrisiko im Umkreis von 5 km zum AKW fand.

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