2016 - Genetik


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2016 - Genetik

Beitragvon admin » Di 24 Mai 2016 9:09

Herr Prof. Dr. med. Karl Heinimann, Medizinische Genetik, Universitätsspital Basel, beantwortet Ihre Fragen.

Diese Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.
Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch



Frage von Hvielemi:
Grüezi Herr Prof. Heinimann Mein Grossvater hatte und mein Onkel mütterlicherseits hat Prostatakrebs. Auch ich habe das, Gleason-Score 9. Meine Söhne sind Jahrgang '81 und '81. Was soll ich ihnen bezüglich Früherkennung raten?

Antwort von Prof. Dr. K. Heinimann, Medizinische Genetik, Universitätsspital Basel:
Guten Tag
In Ihrer Familie sind gehäufte Fälle von Prostatakrebs aufgetreten. Sie möchten nun wissen was Sie Ihren Söhnen bezüglich Früherkennung raten sollen.
Krebserkrankungen können in ca. 5-10% der Fälle auf eine entsprechende Veranlagung zurückgeführt werden.
Familiär gehäuft auftretende Krebsfälle müssen nicht unbedingt auf einer genetischen Grundlage beruhen.
Bis heute kennt man über zwanzig verschiedene erbliche Tumorkrankheiten, wobei die meisten sehr selten sind.
Mögliche Hinweise auf eine erbliche Ursache können sein:
• Auftreten derselben Krebsart bei Verwandten ersten Grades (Vater, Mutter, Geschwister), unter Umständen werden die Verwandten zweiten Grades (Onkel, Tanten, Grosseltern, usw.) ebenfalls einbezogen
• Die Krebserkrankung tritt vor dem 40zigsten oder 50zigsten Lebensjahr auf Prostatakrebs kommt in Familien, in denen gehäuft Frauen an Brust- und Eierstockkrebs erkrankt sind, vermehrt vor. Da besteht die Möglichkeit, dass eine erbliche Veranlagung vorliegen könnte und eine genetische Beratung (sowie ggfs. eine diesbezügliche Abklärung) wäre angezeigt. Bei einer genetischen Beratung wird sorgfältig abgewogen ob ein Gentest Sinn macht und welche Konsequenzen dies für den Betroffenen und die Angehörigen hat.

Besprechen Sie Ihre persönliche Situation mit dem behandelnden Urologen oder wenden Sie sich direkt an eine genetische Beratungsstelle. Adressen und weiterführende Informationen finden Sie in der Broschüre «Familiäre Krebsrisiken» der Krebsliga Schweiz.
Da Sie selber an einem Prostatakrebs erkrankt sind, haben Ihre Söhne ein erhöhtes Risiko an Prostatakrebs zu erkranken. Diesen Risikogruppen wird empfohlen, ab dem 40zigsten Lebensjahr mit dem Hausarzt und/oder Urologen allfällige Früherkennungsmassnahmen wie PSA oder digital rektale Untersuchungen zu besprechen. In der Broschüre «Früherkennung von Prostatakrebs» der Krebsliga Schweiz finden Sie weitere Informationen. Nach einer umfassenden Aufklärung über die Vor-und Nachteile einer Früherkennung von Prostatakrebs kann jeder Mann individuell entscheiden ob er die Untersuchungen durchführen lassen will oder nicht.



Frage von Nadoa:
Guten Tag
Ich hatte im Jahr 2012 Schilddrüsenkrebs und musste zweimal eine Behandlung mit Jod-131 über mich ergehen lassen. Die Ergebnisse meiner Untersuchungen sind befriedigend und ich gelte als «geheilt». Mein Schreckgespenst ist jedoch, dass die Krankheit zurückkommt... Ich habe immer wieder Angst, gerade auch, weil es in meiner Familie drei krebsbetroffene Personen gibt. In unserem Fall ist das wohl genetisch. Meine Frage: Soll man sich auf den Lorbeeren ausruhen, wenn man als «gesund» gilt, oder auf den Körper hören und nach dem nächstem «Auftreten» Ausschau halten?

Antwort von Prof. Dr. K. Heinimann, Medizinische Genetik, Universitätsspital Basel:
Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, mit der Angst eines Rückfalls, das heisst mit der Angst, dass die Krankheit erneut auftritt, umzugehen. Alle Menschen, die eine Krebserkrankung gehabt haben, finden ihren eigenen Weg, mit dieser Unsicherheit zu leben. In Psychoonkologie-Sitzungen erhalten die Patientinnen und Patienten Beratung, und eine Spezialistin oder ein Spezialist unterstützt sie dabei, mit den psychologischen Folgen einer Krebserkrankung umzugehen. Sie lernen, ihre persönlichen Ressourcen wahrzunehmen und zu aktivieren, so dass sie den emotionalen und psychischen Belastungen dieser erschütternden Lebenserfahrung die Stirn bieten können. Menschen wie Sie, die eine Krebserkrankung überlebt haben, können jederzeit eine solche Unterstützung in Anspruch nehmen. Ihre kantonale Krebsliga kann Ihnen eine Psychoonkologie-Stelle in Ihrer Nähe angeben.
Die Ärztinnen und Ärzte halten Sie für geheilt. Dennoch sind Sie beunruhigt, weil der Krebs in Ihrer Familie offenbar häufiger zugeschlagen hat als in anderen. Ihnen ist bewusst, dass Sie nach einer überstandenen Krebserkrankung nicht ein Leben lang immun sind, und Sie befürchten, dass Sie ein erhöhtes Krebsrisiko aufweisen, weil es in Ihrer Familie mehrere Krebsfälle gibt.
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über einen persönlichen Früherkennungsplan. Sie oder er kann Ihnen ausgehend von Ihrem Risiko verschiedene Massnahmen empfehlen, um eine Krebserkrankung zu verhindern oder früh, noch vor dem Auftreten von Symptomen, zu erkennen.
Für allgemeine Informationen empfehle ich Ihnen die Lektüre der Broschüre
Familiäre Krebsrisiken und der folgenden Ausführungen (existieren nur in französischer und englischer Sprache) über die familiäre Schilddrüsenkrebsbelastung sowie die erblich bedingten Krankheiten, die das Schilddrüsenkrebsrisiko erhöhen können.


Weitere Fragen und Antworten werden in Kürze hier aufgeschaltet.

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