Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit trotz Chemotherapie


Moderations-Bereich
admin
Site Admin
Beiträge: 501
Registriert: Fr 17 Jun 2005 10:10
Wohnort: Krebsliga Schweiz, Bern
Kontaktdaten:

Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit trotz Chemotherapie

Beitragvon admin » Fr 9 Jul 2021 13:22

Frage an das Krebstelefon
Ich heisse Daniela, bin 24-jährig und habe vor einer Woche die Diagnose Brustkrebs erhalten. Die Ärzte haben mich informiert, dass durch die kommende Chemotherapie das Risiko steigen kann, unfruchtbar zu werden. Sie haben mir verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie z.B. meine Eizellen einfrieren zu lassen. Ich stehe unter Zeitdruck. Ist dieses Verfahren nicht sehr teuer? Wer übernimmt die Kosten? Und wie muss ich vorgehen?

Antwort von Carla Stäubli, Fachberaterin Krebstelefon
Guten Tag
Das Wichtigste ist: Vereinbaren Sie möglichst noch vor Therapiebeginn einen Beratungstermin bei Ihrem onkologisch-medizinischen Behandlungsteam oder Ihrer Gynäkologin / Ihrem Gynäkologen. Lassen Sie sich in Ruhe aufzeigen, welche Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit es gibt. Auf der Website der Krebsliga Schweiz finden Sie wichtige Informationen zum Thema Kinderwunsch trotz Krebs.

Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit
Bei Frauen gibt es folgende Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit:
- Stimulation und Einfrieren von Eizellen oder von bereits befruchteten Eizellen (Embryonen)
- Entnehmen und Einfrieren von Eierstockgewebe, welches zu einem späteren Zeitpunkt transplantiert werden kann, falls die Eierstöcke nach der Krebserkrankung oder -therapie ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Durch die Transplantation kann eine natürliche Schwangerschaft wieder möglich werden
- Spezifische Medikamente (GnRH-Agonisten) helfen, die Eierstöcke vor den Folgen einer Krebstherapie zu schützen

Kostenübernahme
Die Lagerung von Eizellen wird während fünf Jahren von der Krankenkasse übernommen. Diese neue Regelung besteht seit Juli 2019. Weitere medizinische Handlungen wie z.B. die Befruchtung der Eizelle müssen die Patientinnen selber bezahlen.

Zahlen und Fakten
Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigt, dass bei ehemaligen Krebspatientinnen eine 30% höhere Rate für Unfruchtbarkeit (Infertilität) besteht als bei Frauen ohne Krebserkrankung. Bei Brustkrebs betrug das Infertilitätsrisiko nach einer Krebserkrankung sogar 46%. Die Frauen, bei denen in der Studie Unfruchtbarkeit diagnostiziert wurde, waren im Durchschnitt 35 Jahre alt. Die Studie zeigt, dass vor allem bei jungen Frauen mit den Diagnosen Brustkrebs, Schilddrüsenkrebs, hämatologischen Malignomen (zum Beispiel Leukämien, Lymphome) und Melanomen (schwarzer Hautkrebs) das Risiko einer Unfruchtbarkeit deutlich erhöht ist. Krebstherapien wie z.B. Chemotherapie, Operationen im Bauch- und Beckenraum sowie einige Krebserkrankungen an sich können die Infertilitätsrate bei jungen Frauen vorübergehend oder dauerhaft erhöhen.

Beratung vor Therapiestart
Junge Frauen wie auch junge Männer sollten sich über die verschiedenen Optionen zum Erhalt der Fruchtbarkeit informieren lassen, sobald sie die Krebsdiagnose erhalten und bevor die Krebstherapie startet. Die Art der Therapie kann das Risiko einer Unfruchtbarkeit unterschiedlich beeinflussen und muss bei jeder Krebsbetroffenen / jedem Krebsbetroffenen individuell abgeklärt werden.

Verwendete Quellen und nähere Informationen zum Thema Kinderwunsch trotz Krebs sowie Infertilitätsrisiko junger Frauen nach Krebserkrankung und -therapie finden Sie unter:

Website Krebsliga Schweiz, Kinderwunsch trotz Krebs

Starostzik, Christine. (2021). Infertilitätsrisiko junger Frauen nach maligner Erkrankung erhöht. Abgerufen am 28.04.2021 unter https://www.springermedizin.de

Das Krebstelefon-Team begleitet und berät Betroffene, Angehörige und Interessierte. Haben Sie Fragen? Dann mailen, telefonieren oder chatten Sie mit uns: http://www.krebsliga.ch/krebstelefon.

Zurück zu „Neulich am Krebstelefon...“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast