Verschiedene Krebserkrankungen in der Familie – ist mein Krebsrisiko erhöht?


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Verschiedene Krebserkrankungen in der Familie – ist mein Krebsrisiko erhöht?

Beitragvon admin » Mi 24 Aug 2022 9:23

Frage an das Krebstelefon
Mein Name ist Petra, ich bin 34 Jahre alt.
Da es in meiner Familie über mehrere Generationen immer wieder Verwandte gab, welche an Krebs erkrankten, frage ich mich, ob mein Krebsrisiko dadurch erhöht ist. Mein Grossvater hatte Darmkrebs und ist daran gestorben. Meine Tante hat vor Kurzem die Diagnose Eierstockkrebs erhalten. Können Sie mir sagen, wo ich mich am besten hinwenden soll? Welche Untersuchungen sind in meiner Situation sinnvoll? Soll ich eine genetische Abklärung vornehmen? Danke für Ihre Hilfe.

Antwort von Carla Stäubli, Fachberaterin Krebstelefon
Guten Tag Petra
Aufgrund von mehreren Krebserkrankungen innerhalb der eigenen Familie, machen Sie sich Gedanken, ob Ihr Krebsrisiko erhöht sein könnte.
Nicht alle Krebserkrankungen entstehen infolge einer erblichen Veranlagung. Auf unserer Webseite unter der Rubrik Genetische Vorbelastung ist aufgeführt, welche Krebsarten erblich bedingt sein können.
Die Krebsarten, welche in Ihrer Familie vorkommen, können erblich bedingt sein, müssen aber nicht. Bei Dickdarm- und Enddarmkrebs liegt die Chance auf eine erbliche Veranlagung bei fünf Prozent. Bei Eierstockkrebs liegt der erblich bedingte Anteil bei zehn bis 20 Prozent.
In unseren Broschüren Erblich bedingter Krebs und Erblich bedingter Brust- und Eierstockkrebs finden Sie weiterführende Informationen zum Thema.

Hinweise auf eine Veranlagung können sein:
• Eine Krebsart tritt in der Familie gehäuft auf.
• Krebs kommt in mehreren aufeinanderfolgenden Generationen vor.
• Krebs tritt in jungem Lebensalter auf (50 Jahre oder jünger bei Brust-, Darm- oder Gebärmutterkörperkrebs).
• Seltene Krebsarten wie Brustkrebs beim Mann treten auf.
• Eine Person ist von mehreren Krebserkrankungen betroffen.

Da die von Ihnen erwähnten Krebsarten erblich bedingt sein können, wäre es sinnvoll, Ihre Situation mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt zu besprechen. Gemeinsam können Sie abwägen, ob bei Ihnen eine genetische Beratung angezeigt wäre.

Falls ja, wird in der genetischen Beratung im Gespräch mit einer Fachperson abgeklärt, ob bei Ihnen eine erbliche Veranlagung vorliegen könnte. Sie werden durch die Fachperson informiert über:
• erblich bedingte Krebserkrankungen
• den Ablauf eines Gentests
• den gesetzlichen und ethischen Rahmen eines Gentests und zu dessen Kosten
• die Auswirkung möglicher Testresultate
• Möglichkeiten der psychologischen Unterstützung während und nach den genetischen Abklärungen

Bei der Durchführung eines Gentests wird abgeklärt, ob Sie allenfalls Trägerin einer Veranlagung sind oder nicht. Voraussetzung für einen Gentest ist eine vorgängige genetische Beratung. Mittels Gentest wird das Erbgut unserer Zellen untersucht. Dazu wird eine Blutentnahme gemacht. Das Resultat des Gentests wird durch eine Ärztin oder einen Arzt in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt.

Wenn eine erbliche Veranlagung besteht, empfiehlt die Ärztin oder der Arzt Ihnen verschiedene Massnahmen der Früherkennung und der Vorbeugung. Eine Massnahme der Früherkennung kann beispielsweise eine Darmspiegelung sein. Die chirurgische Entfernung des entsprechenden Organs (z.B. Entfernung des Brustgewebes) ist eine mögliche Massnahme der Vorbeugung. Die Ärztin oder der Arzt bespricht mit Ihnen, in welchem Alter und wie häufig entsprechende Massnahmen durchgeführt werden sollen. Ziel dieser individuell abgestimmten Prophylaxe ist, Krebs vorzubeugen oder frühzeitig zu erkennen. Je früher eine Krebserkrankung festgestellt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Mit oder ohne erbliche Veranlagung ist ein risikoarmer Lebensstil empfehlenswert. Weitere Informationen zu einem risikoarmen und gesunden Lebensstil sowie zu den Früherkennungsangeboten finden Sie auf unserer Webseite unter der Rubrik Prävention und Früherkennung.

Das Krebstelefon-Team begleitet und berät Betroffene, Angehörige und Interessierte. Haben Sie Fragen? Dann mailen, telefonieren oder chatten Sie mit uns: www.krebsliga.ch/krebstelefon

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