Hilft Bewegung gegen Müdigkeit und Erschöpfung bei Krebs?


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Hilft Bewegung gegen Müdigkeit und Erschöpfung bei Krebs?

Beitragvon admin » Fr 4 Sep 2020 15:39

Frage ans Krebstelefon:
Hilft Bewegung wirklich gegen Müdigkeit und Erschöpfung bei Krebs? Das ist doch paradox!

Ich habe Prostatakrebs, erhalte Strahlentherapie und finde diese erträglich. Es bestehen gute Chancen, dass danach keine weitere Behandlung nötig ist. Darüber bin ich erleichtert. Aber ich bin ich ständig so müde, dass ich morgens am liebsten gar nicht aufstehen würde. Meine Batterien sind aufgebraucht; ich habe keine Energie mehr. Dabei schlafe ich gut, und mein Alltag ist keineswegs anstrengend. Ich war voller Schwung, als ich vor fünf Monaten in Pension ging und hatte so viele Pläne. Der Arzt meint, medizinisch sei soweit alles in Ordnung. Er empfiehlt mir mehr Bewegung, aber davon wird man doch noch müder. Was halten Sie davon?

Antwort von Lilian Rey, Fachberaterin Krebstelefon:
Sie beschreiben eine schwer zu überwindende, anhaltende Müdigkeit. Dieses Gefühl von totaler emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung wird als Fatigue bezeichnet. Diese steht in keinem direkten Zusammenhang mit vorausgegangenen anstrengenden Tätigkeiten oder sonstigen Belastungen und ist auch kaum zu überwinden durch Schlafen oder Ausruhen. Wichtig: die Ursachen von lange anhaltender, durch äussere Umstände nicht erklärbare Müdigkeit sollte immer ärztlich untersucht und wenn medizinisch möglich behandelt werden. Näheres erfahren Sie im Informationsblatt Erschöpfung und Müdigkeit bei Krebs und in der Broschüre Rundum müde – Fatigue bei Krebs.

Schlaf macht nicht immer munter, Bewegung nicht immer schlapp. Ein Wechsel von Aktivität und Ruhe empfinden die meisten Menschen als wohltuend. In zahlreichen Studien wurde bewiesen: körperlich aktive Krebsbetroffene fühlen sich seltener erschöpft, bleiben beweglicher und haben ein kleineres Risiko für Krankheits- und Behandlungsfolgen. Zudem kann Bewegung die Lebensqualität nachhaltig verbessern. Sie beeinflusst die Psyche positiv und kann bei der Krankheitsbewältigung helfen sowie Depressionen vorbeugen oder lindern.

Dabei geht es nicht darum, möglichst intensiv zu trainieren und sich völlig zu verausgaben. Passen Sie die Belastung Ihren körperlichen Möglichkeiten an und besprechen Sie mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, ob und welche sportliche Aktivität in welcher Dosis für Sie das Richtige ist.
Nähere Informationen finden Sie in unserem Informationsblatt Körperliche Aktivität für Krebsbetroffene und in der Broschüre Körperliche Aktivität bei Krebs.

Bewegung lässt sich gut in den Alltag einbauen. Hier einige Beispiele: regelmässig an der frischen Luft spazieren gehen, Spaziergänge schrittweise ausbauen, Treppe statt Lift benützen, kürzere Strecken zu Fuss oder mit dem Fahrrad statt motorisiert zurücklegen. Viele Krebsbetroffene entscheiden sich für eine Sportart, bei der viele Muskeln bewegt werden, wie Nordic Walking, Gymnastik, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen. Krebssportgruppen in Ihrer Region bieten zudem die Möglichkeit, Kontakte zu Menschen zu knüpfen, welche in einer ähnlichen Situation sind. Wählen Sie eine Aktivität aus, die Ihnen wirklich zusagt. Guten Mut – der langfristige Erfolg wird nicht ausbleiben!

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