2022 – Strahlentherapie bei Krebs


Moderations-Bereich
admin
Site Admin
Beiträge: 537
Registriert: Fr 17 Jun 2005 10:10
Wohnort: Krebsliga Schweiz, Bern
Kontaktdaten:

2022 – Strahlentherapie bei Krebs

Beitragvon admin » Mi 5 Jan 2022 15:56

Bis Ende Februar 2022 beantworten unsere zwei Expert:innen im Forum Ihre Fragen zu Strahlentherapie bei einer Krebserkrankung:
  • Dr. med. Markus Notter, Facharzt für Radio-Onkologie, Lindenhofspital Bern
  • Fabiola In-Albon, Pflegefachfrau HF, Höhere Fachausbildung Onkologie, Universitätsklinik für Radio-Onkologie, Inselspital Bern
Auf der Startseite des Forums finden Sie mehr Informationen sowie den Link zum Formular.

Die Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch.

Freundliche Grüsse
Moderations-Team

admin
Site Admin
Beiträge: 537
Registriert: Fr 17 Jun 2005 10:10
Wohnort: Krebsliga Schweiz, Bern
Kontaktdaten:

Hyperthermie oder Strahlentherapie?

Beitragvon admin » Di 18 Jan 2022 16:33

Frage von Andrea
Guten Tag Herr Notter
ich bin an Brustkrebs erkrankt, musste nur eine Operation und vier Zyklen Chemotherapie machen. Nun steht noch die Bestrahlung aus. Nun habe ich gehört, dass Sie Hyperthermieanwendugen machen. Können Sie mir erklären was das genaus ist und ob ich anstelle der Bestrahlung auch Hyperthermie machen könnte.
Danke für eine Antwort und Gruss
andrea

Antwort von Dr. med. Markus Notter, Facharzt für Radio-Onkologie
Guten Tag Andrea
Mit dem Verfahren der Hyperthermie wird eine Übererwärmung eines Tumors bewirkt. Die natürliche Körpertemperatur eines Menschen beträgt 37°C. Bei der Hyperthermie wird die Temperatur in einer bestimmten Region oder im gesamten Körper kontrolliert auf eine Temperatur von 39°C bis zu 43°C erwärmt. Man weiss heute, dass Krebszellen hitzeempfindlicher sind als gesunde Zellen. Die Hyperthermie kann ein Absterben der Krebszellen fördern, die Reparaturmechanismen der Tumorzellen hemmen und gleichzeitig die Durchblutung des Tumors aktivieren, was zu einer Wirkungssteigerung einer gleichzeitig durchgeführten Strahlen- oder Chemotherapie führt. Daher wird die Hyperthermie bevorzugt zusammen mit einer Strahlen- und/oder eine Chemotherapie eingesetzt, während sie alleine leider nicht die gewünschte Wirkung erreichen kann. Interessant wird die Kombination Hyperthermie – Strahlentherapie dann, wenn die zur Verfügung stehenden Strahlendosen begrenzt sind, sei es, weil schon einmal bestrahlt wurde, sei es, dass die Umgebung und die gesunden Organe nicht eine hoch dosierte Bestrahlung erlauben oder wenn der Tumor als gering bis wenig strahlensensibel eingestuft werden muss. Analoge Überlegungen gelten auch für die Kombination Chemotherapie – Hyperthermie.

Technisch kann man zwischen Ganzkörper- und lokaler Hyperthermie unterscheiden. Die lokale Hyperthermieanwendung wird wiederum zwischen Oberflächenhyperthermie und Tiefenhyperthermie aufgetrennt.
Die Ganzkörperhyperthermie ist relativ belastend, es werden 39°C bis max. 40°C angestrebt und zusammen mit einer parallel laufenden Chemotherapie sollen Ableger (Metastasen) im Körper beeinflusst und zerstört werden.
Bei der Oberflächen-Hyperthermie kann man gezielt Tumoren und/oder Ableger knapp unter der Haut behandeln z.B. wenn ein Brustkrebs lokal erneut wächst, obwohl schon operiert, chemotherapiert, bestrahlt und mit Hormonen behandelt wurde. Solche Rezidive können sehr schwierig zu beeinflussen sein und hier hat sich die Kombination Hyperthermie und niedrigdosierte Wiederbestrahlung sehr bewährt. Auch andere oberflächliche Tumoren können mit dieser Kombination erfolgreich angegangen werden, z.B. Schwarze Hauttumoren (Melanome).
Bei der Tiefenhyperthermie werden Tumore behandelt die tief im Körper liegen z.B. Blasen-, Prostata- oder Gebärmutterhalskrebs. Auch hier erfolgt immer eine Kombination mit Strahlen- und/oder Chemotherapie.
In der Regel erfolgt die Behandlung 1-2 pro Woche über einen Zeitraum von 3-6 Wochen. In der Schweiz werden potentielle Behandungsindikationen am Tumorboard der SHN (
swiss hyperthermia network ) vorgestellt und besprochen. Das gewährt eine gute Behandlungsqualität in anerkannten Therapiezentren.

In Ihrer Situation würde ich die Kombination Hyperthermie – Bestrahlung nicht empfehlen, da die Aussichten bereits mit der Ihnen vorgeschlagenen alleinigen Bestrahlung lokal sehr gut sein sollten. Eine zusätzliche Hyperthermie brächte Ihnen kaum einen Mehrgewinn.


Zurück zu „Strahlentherapie bei Krebs“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast