2017 - Palliative Care


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2017 - Palliative Care

Beitragvon admin » Fr 7 Jul 2017 9:40

Frau Danielle Pfammatter, die Fachspezialistin Palliative Care der Krebsliga Schweiz, beantwortete Ihre Fragen:


Die folgenden Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten werden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch

Alle Fragen und Antworten zu diesem Thema werden hier laufend aufgeschaltet.

Wir freuen uns auf Ihre Fragen und grüssen Sie freundlich
die Moderatorinnen

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Schmerztherapie mit Morphium

Beitragvon admin » Fr 7 Jul 2017 9:41

Frage von S. T.:
Wie wirkt sich die Schmerztherapie mit Morphium auf mein Bewusstsein aus? Soll ich lieber darauf verzichten solche starken Schmerzmittel zu nehmen?

Antwort von Frau Danielle Pfammatter:
Guten Tag S.T.
Ich möchte Sie bitten, auf keinen Fall auf die Schmerztherapie zu verzichten!
Es ist möglich, dass Opioide, sprich unter anderem Morphium unabhängig der Darreichungsform anfänglich sehr müde machen kann. Die Einnahme kann auch die Konzentrationsfähigkeit beeinflussen. Deshalb sollten Sie am Anfang der Therapie nicht Auto fahren. Warten Sie damit, bis Sie gut eingestellt sind, da die Konzentrationsschwäche wie die Müdigkeit in der Regel nach einigen Tagen nachlässt.
Es ist jedoch nicht ausser Acht zu lassen, dass das Fortschreiten der Erkrankung und die daraus entstehenden Belastungen zu einer Müdigkeit führen können, welche das Bewusstsein, sprich die Klarheit, wie Sie ansprechen beeinflussen kann.

Morphium findet in der Medizin an erster Stelle als potentes Analgetikum seine Anwendung, wenn leichte Schmerzmittel wie beispielsweise Dafalgan® (Paracetamol) oder andere Medikamente den Schmerz zu wenig zu lindern vermögen. Der grosse Vorteil von Morphium ist, dass es verschiedene Darreichungsformen gibt: flüssig als Tropfen und Injektionslösung, als Tabletten, Kapseln, Retardkapseln etc. Für den Fall, dass Schlucken nicht möglich ist, eine Injektion unerwünscht oder nicht angebracht, können auch Zäpfchen mit der entsprechenden Dosierung hergestellt werden. Es gibt zudem Pflaster, welche als Wirkstoff das potente Opioid Fentanyl enthalten und die unter gewissen Voraussetzungen eingesetzt werden können.

Morphiumpräparate bewähren sich sehr gut, wenn man gewisse Dinge beachtet: Es sind Medikamente, welche regelmässig nach Plan einzunehmen sind, damit eine konstante Wirkung erreicht wird. Die Basisdosierung hält man anfänglich klein und steigert sie allmählich, bis es keine oder wenig Reservemedikamente mehr braucht. Es ist wichtig, dass von Anfang an mögliche Nebenwirkungen mitbehandelt werden. Dies sind Übelkeit / Erbrechen, welche anfänglich auftreten können und Verstopfung, welche unter Opioidtherapien immer auftreten kann. Auch hier gilt es in der Einnahme der verordneten Medikamente nicht zurückhaltend zu sein und sie nicht erst einzunehmen, wenn potenzielle Nebenwirkungen eintreffen.
Es ist durchaus ebenfalls möglich, von einem Opioidpräparat auf ein anderes zu wechseln, falls Sie trotz der Zusatzmedikamente das entsprechende Opioid nicht gut vertragen sollten.

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Macht Morphium abhängig?

Beitragvon admin » Fr 7 Jul 2017 9:43

Frage von Bu:
Macht Morphium nicht abhängig und plämpläm?

Antwort von Frau Danielle Pfammatter:
Guten Tag Bu
Wie Sie in der vorangehenden Frage lesen können, machen Morphium sprich Opioide selten plämpläm, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind.
Der Mythos Morphium im Zusammenhang mit «süchtig machen», hält sich in der Gesellschaft hartnäckig. Ich kann Ihnen versichern, dass Morphium als Schmerzmittel eingesetzt nicht süchtig macht, da es an die Schmerzrezeptoren andockt, sinnbildlich gesprochen passt der Schlüssel zum Schlüsselloch.
Das Suchtpotenzial besteht, wenn keine Schmerzen vorhanden sind und Opium als Droge verwendet wird.
Es kann durchaus sein, dass Sie im Verlauf der Zeit eine Toleranz entwickeln, welche eine Steigerung der Basismedikation zur Folge hat. Dies hat jedoch nichts mit oben erwähnter Abhängigkeit zu tun.

Sie finden bei den angefügten Links weiterführende Informationen zu der von Ihren gestellten Frage:

• Broschüre
Schmerzen bei Krebs und ihre Behandlung

Kassette mit Begleitheft Schmerz, lass nach – Selbstsuggestion zur Schmerzberuhigung

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Mögliche Urteilsunfähigkeit: Patientenverfügung

Beitragvon admin » Fr 7 Jul 2017 9:45

Frage von Jope:
Was kann ich tun, dass meine Tochter in meinem Namen entscheiden kann, wenn ich nicht mehr urteilsfähig oder nicht mehr bei Bewusstsein bin?

Antwort von Frau Danielle Pfammatter:
Guten Tag Jope
Aus meiner Sicht wäre es wichtig, dass Sie eine Patientenverfügung (PV) verfassen, bei welcher Sie Ihre Tochter im Falle von Bewusstlosigkeit oder Urteilsunfähigkeit als Vertretungsperson aufführen können. Somit ist gesichert, dass Ihren mutmasslichen Willen vertreten wird.
Vorgängig würde ich Ihnen jedoch empfehlen, mit Ihrer Tochter das Gespräch zu suchen. Es geht darum, ob Ihre Tochter das ebenfalls möchte (oder könnte), falls sich Ihr Zustand massiv verschlechtert. Es könnte auch zu belastend für Ihre Tochter sein. Sollte dies der Fall sein, gilt es gemeinsam weitere Personen Ihres Vertrauens in Erwägung zu ziehen.
Zudem ist es von zentraler Wichtigkeit, dass Sie eine Patientenverfügung mit einer Fachperson Ihres Vertrauens (Onkologin/Onkologe, Hausärztin/Hausarzt, Pflegende, etc.) verfassen. Dies mit dem Ziel, dass Ihre spezifische Krankheitssituation im Zentrum steht, und somit gezielt, gemeinsam vorausschauend geplant werden kann. Hier ist auch die Möglichkeit gegeben zu überprüfen, was Sie bezüglich Ihrer Erkrankung verstanden haben, was als nächstes im Krankheitsverlauf folgen könnte und was Sie möchten (oder nicht möchten, etc.). Wenn es einzurichten ist, sollte die Tochter (oder Familie, sprich die mir am nächsten stehenden Personen) bei der Besprechung mit dabei sein und oder zumindest anschliessend genau informiert werden. Es ist auch wichtig, dass die Vertreterpersonen eine Kopie der Patientenverfügung erhalten.

Wenn Sie keine Patientenverfügung machen möchten, haben Sie die Möglichkeit, dass Sie Ihrem Betreuungsteam mitteilen, wer im Falle der Bewusstseinstrübung oder Urteilsunfähigkeit in den Entscheidungsprozess mit einbezogen werden soll. Dies wird dokumentiert. So ist auch die Gewähr, dass in Notfallsituationen, die für Sie richtigen Personen in Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden.

Sie finden bei den angefügten Links weiterführende Informationen zu der von Ihren gestellten Frage:

• Broschüre
Selbstbestimmt bis zuletzt

Patientenverfügung der Krebsliga

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Selen

Beitragvon admin » Di 11 Jul 2017 15:06

Frage von unbekannt:
Nach einer Darmkrebsoperation erhalte ich nun zweiwöchentlich Erbitux- und Chemotherapie. Mein Hausarzt empfiehlt mir zudem zur Stärkung des Immunsystems: täglich 500 Mikrogramm Selen, an den zwei Tagen der Chemo 1'000 Mikrogramm Selen - in Form vom kleinen Lutschtabletten zu je 50 Mikrogramm. Ist diese Dosis angebracht?

Antwort von Frau Danielle Pfammatter:
Guten Tag,
Es ist mir bekannt, dass Selen bei Leistungsschwäche helfen kann und oder auch eine positive Wirkung auf das Immunsystem haben kann. Auf Ihre konkrete Frage kann ich Ihnen jedoch keine Antwort geben. Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob diese Dosierung angebracht ist, lohnt es sich, sich mit Ihrem Onkologieteam in Verbindung zu setzen und Ihr Anliegen anzubringen. Es aus meiner Sicht sehr wichtig, dass der behandelnde Onkologe / die behandelnde Onkologin über eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel und andere Medikamente Bescheid weiss und Sie diesbezüglich auch beraten kann. Ich wünsche Ihnen alles Gute, wenig Therapie-Nebenwirkungen und schöne Momente trotz der sehr belastenden Situation.

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Methadon und Cannabis als Schmerzmittel?

Beitragvon admin » Di 11 Jul 2017 15:08

Frage von Konrad Hvielemin:
Guten Tag Frau Pfammatter
Nach sieben Jahren GS9-Prostatakrebs mindern sich meine Therapie-Optionen. Da macht man sich schon Gefanken über das Wie Weiter, wenn eines Tages das hässliche Wort 'austherpiert' fallen sollte. Sie haben bereits Fragen zu Morphinen beantwortet. Methadon ist ja seit einiger Zeit als Krebsmedikament in aller Munde, mich interessiert aber mehr, ob dieses auch als Schmerzmittel eingesetzt werde und ob Hinweise, es sei zwar ebenso wirkungsvoll, aber weniger nebenwirkungsreich als Morphium eine reale Grundlage haben. Ähnliches gilt auch für Cannabis bzw. Cannabidiol.
Danke für ihre Antwort, Konrad Hvielemin

Antwort von Frau Danielle Pfammatter:
Guten Tag Herr Hvielemin,
Ihre Eingangssätze stimmen mich nachdenklich. Das Wort «austherapiert sein» finde ich schrecklich. Ich weiss, dass es Berufsangehörige gibt, welche diesen Ausdruck brauchen, wenn die Heilung der Krebserkrankung nicht mehr möglich ist.
Im lindernden Bereich, sprich in der Palliativbetreuung gibt es viele Möglichkeiten, trotz unheilbarer Erkrankung Therapien mit Ziel der bestmöglichen Lebensqualität anzubieten. Ich hoffe sehr, dass Sie in diesem Zusammenhang «austherapiert» nie hören werden!
Nun zum Thema Methadon:
Gehe ich richtig in der Annahme, dass Sie auf der Homepage der Krebsliga Schweiz die Stellungnahme zu Methadon und Krebs gelesen haben? Bezüglich der Diskussion Methadon in der Krebstherapie möchte ich mich distanzieren, zumal keine gesicherten Ergebnisse vorliegen.
Zu Methadon als bewährtes Schmerzmittel kann ich Ihnen jedoch gerne antworten.
Methadon ist ein potentes Schmerzmittel, welches sich in der Palliativmedizin schon lange bewährt, auch dann, wenn schwache oder andere starke Opioide nicht genügend wirken. Methadon gehört zur Gruppe der stark wirksamen Schmerzmittel vom Morphin-Typ und ist in vergleichbaren Dosen etwa 3-4-fach stärker und auch länger wirksam als Morphin. Deshalb kann eine Umstellung auf Methadon in bestimmten Situationen Sinn machen. Methadon hat auch einen positiven Effekt auf Hustenreize.
Die Palette der Nebenwirkungen (NW) kann jedoch in ähnlicher Form ausfallen, da es in die Morphin-Gruppe gehört. Die NW sind zudem dosisabhängig. Die Verträglichkeit ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ich kenne Menschen, welche unter Methadon oder anderen starken Opioiden keinerlei NW verspüren. Es ist wichtig zu wissen, dass es oft auch ein Ausprobieren ist, welches Medikament nun genau auf «mich» passt. So kann das eine Opioid NW verursachen und ein anderes, auf ähnlich pharmakologischem Wirkstoff basierend, viel besser vertragen werden. Sehr wichtig ist immer, die Begleitmedikamente wie verordnet einzunehmen, die zum Ziel haben, potenzielle NW gar nicht erst aufkommen zu lassen und oder sie zu schmälern.
Nun noch ein paar Worte zu Cannabis mit Handelsname Cannabidiol (Handelsname: Sativex Lös). Dieser Wirkstoff wird in der Therapie vor allem dann eingesetzt, wenn starke Muskelspasmen, sprich Muskelkrämpfen vorherrschen, welche schwer zu beeinflussen sind. Muskelkrämpfe können mit Schmerzen einhergehen, weshalb Cannabidiol indirekt als schmerzlindernd wahrgenommen werden kann. Es zählt jedoch nicht zu den Schmerzmitteln.


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