Hirnmetastasen nach Darmkrebs


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Constanza
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Hirnmetastasen nach Darmkrebs

Beitragvon Constanza » So 25 Aug 2019 15:07

Liebe Forumsmitglieder
Vielleicht kann ich bei jemandem von euch Rat finden.
Vor 3 Jahren erkrankte eine frühere Arbeitskollegin (heute 65), mit der ich noch immer regelmässig Kontakt hatte, an Darmkrebs. Sie wurde seither mehrfach operiert, hatte mehrfache Chemotherapien und Bestrahlungen. Diesen Frühsommer wurden Hirnmetastasen festgestellt, operiert und anschliessend bestrahlt. Während der Bestrahlungen habe ich sie im Spital besucht und mich ganz normal mit ihr unterhalten; danach habe ich nichts mehr von ihr gehört und sie nicht mehr erreicht. Ich habe schliesslich in den in Frage kommenden Spitälern und Pflegeheimen herumtelefoniert und sie schliesslich auf einer Palliativstation gefunden. Inzwischen ist sie auf die normale Pflegestation verlegt worden, und ich besuche sie wöchentlich (sie hat kaum noch Verwandte). Sie weiss nicht, wo sie ist, wo sie war oder was geschehen ist, spricht manchmal klar, oft aber so, dass ich nicht verstehe, was sie sagen will (für mich zusammenhanglose Worte). Sie hat Dauerkatheter und Windeln und kann sich nicht selbständig bewegen, sondern muss vom Pflegepersonal vom Bett in den Rollstuhl und zurück gehoben werden. Ihr Gesicht ist bewegungslos, ihr Blick starr.
Ich fühle mich ausserordentlich hilflos. Wenn ich bei ihr bin, fragt sie öfters: Was machen wir? Aber viel können wir gar nicht machen. Sie geht davon aus, dass sie wieder nach Hause kann, wenn sie sich erholt hat, aber laut ihrem Stiefsohn, mit dem ich sprechen konnte, ist das sehr unwahrscheinlich. Sie bittet mich auch, ihr zu helfen. Ich sage natürlich ja, und frage, wobei ich helfen soll, aber sie sagt: Ich weiss es nicht, oder sie wiederholt die Worte "zurückziehen" und "Konsequenzen". Ich habe keine Ahnung, was sie mir sagen will.
Gibt es jemanden unter euch, der eine ähnliche Situation kennt? Als ich sie auf der Palliativstation fand, ging ich davon aus, dass sie wahrscheinlich nicht mehr sehr lange leben würde. Nun aber sieht es so aus, als würde der jetzige Zustand doch noch für längere Zeit bestehen bleiben. Ich möchte sie weiterhin besuchen, denn sie bringt zum Ausdruck, dass sie das freut. Aber ich möchte auch mein Möglichstes tun, um adäquat mit ihr umzugehen - und ich weiss beim besten Willen nicht wie.

Opa
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Re: Hirnmetastasen nach Darmkrebs

Beitragvon Opa » Mo 26 Aug 2019 10:13

Das ist ein Beispiel von vielen, dass man rechtzeitig seine Direktiven fuer die Behandlung im Falle von Hanldungsunfaehigkeit erteilen sollte. Die gesetzliche Regelung ist eine der Fehllei(s)tungen der Gesundheitspolitik, mit bibeltheokratischer Moralinseure statt einem humanen und moeglichst schmerzarmen Abgang bei einem unertraeglichen Allgemeinzustand. Wenn dann noch Verwandte ihre Partikularinteressen oder gar das KESBerlitheater seinen Machtmissbrauch einfliessen lassen, ist die Katastrofe perfekt.

Ich habe schon von einigen Gutmenschenorganisationen entsprechende Formulare teuer eingekauft. Aber sie waren allesamt unbrauchbar, weil anzukreuzende Varianten fehlten und eine freie Dichtung einen Laien bei weitem ueberfordert.

Kuerzlich habe ich noch meinen Hausarzt - einen der nur noch seltenen im Rahmen des noch Moeglichen ausgezeichneten Triageur - gefragt, welche Organisation er mir behufs dessen empfehle. Da schenkte er mir die Formulare der FMH/SAMW/SSM. Der fachliche Teil ist mit anzukreuzenden Varianten fuer ein optimal humanes Therapieren, Palliatieren und Streben lassen optimal geeignet. Antworten in eigenen Worten sind nur bei den Motivationen und Lebenseinstellungen gefragt und auch von einem Laien gut beantwortbar.

Wenn Ihre Freundin noch als handlungsfaehig beurteilt wird, koennten Sie sich als Entscheider mit allen Rechten aber keinen Pflichten einsetzen lassen. Falls nicht, ist ihr humaner Zug aus dem Leben leider abgefahren. Theoretisch koennten Sie sich zwar bei ihrer Handlungsunfaehigkeit statt nur noch mit Besuchen und Trost zu helfen, auch vom KESBerlitheater dazu bevollmaechtigen lassen. Aber ausser horrenden Spesen wird sich dabei leider kaum noch was Hilfreiches bewegen lassen....

Constanza
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Re: Hirnmetastasen nach Darmkrebs

Beitragvon Constanza » Mo 26 Aug 2019 14:23

Danke, Opa, für Ihre Antwort. Ich bin sehr weitgehend einer Meinung mit Ihnen. Für mich selber hoffe ich mit der Patientenverfügung von EXIT, wo ich Mitglied bin, so gut als möglich vorgesorgt zu haben.
Für meine betroffene Freundin aber war Sterbehilfe oder Freitod nie eine Option. Sie wollte immer kämpfen, sie wollte leben, und ich könnte mir vorstellen, dass sie das auch jetzt noch will. Dass ihr im jetzigen Zustand noch Urteilsfähigkeit bescheinigt würde, bezweifle ich. Ich nehme an, dass die Entscheidungsbefugnis nun bei ihrem Stiefsohn liegt, ihrem nächsten Verwandten. Dieser würde sie mit Sicherheit nicht abgeben, weder an die KESB noch an mich, und ich wäre auch restlos überfordert damit: Denn wie soll ich im Sinne der Schwerkranken handeln, wenn sie mir nicht mitteilen kann, was sie will - und zwar im Wissen darum, dass das, was ich mir in dieser Situation wünschen würde, für sie nie in Frage kam?
Nun, ich werde sie weiterhin besuchen. Es kann sein, dass sich ihr mentaler Zustand nochmals etwas bessert. Vielleicht finde ich irgendwann heraus, was sie mir sagen möchte. Und sonst hatte sie wenigsten ein Stündchen Gesellschaft.
Aber die moderne Medizin kann schon zu jämmerlichen Situationen führen.

Opa
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Re: Hirnmetastasen nach Darmkrebs

Beitragvon Opa » Do 29 Aug 2019 7:30

Danke, Frau Constanza, fuer Ihr Echo. Denn Dialoge sind mir viel lieber und instruktiver als Monologe in Unkenntnis der wahren UND vollstaendigen Sachverhalte. Da ich von einem als Krankheit misshandelten Schleudertraumaunfall (heute werden die armen Opfer gar knapp ueber die Hungergrenze ohne Sozialleben ans Sozialamt abescheufelt) nicht fotogen hirnverletzt bin, bitte ich die verzoegerte Reaktion und die scheibchenweise Abarbeitung zu entschuldigen.

Heute nehme ich Stellung zu den jemmerlichen Situationen der modernen Medizyn. Dabei ist es wie beim Atom oder dem Ersatz der verfassungstreuen Beamten durch der politkriminellen Befehlskette hoerigen Buetteln. Die Theokraten beharren auf ihren laengst widerlegten Glaubenstheorien. Die Wirtschaftsprofiteure maximieren ihre Abzocke, statt Sicherheit, Gleichheit, Freiheit und gemeinsame Wohlfahrt aller Buerger und anstaendigen Gaeste zu foerdern. Und Polit- und sogar Juxtizmarionetten lassen sich von diesen Fuehrern hinter den Kulissen dafuer instrumentalisieren.

Das fuehrt uva zu folgenden irren Resultaten:

Fuer ein Zuspaetkind einer zu sexscheuen Femokratin werden Zehntausende Franken oft fuer nix verschleudert. Abgesehen von der dafuer verschleuderten medizynischen Kapazitaet, die zur Rettung von Leben und Validitaet von zigtausend anderen Menschen sinnvoller eingesetzt werden koennte.

Die lukrative Transpaltationsmedizyn verkommt je laenger je mehr zur Lebensrettung nur von Reichlingen; und das immer mehr nicht mehr nur auf dem Puckel von Lebendspendern aus armen Laendern, sondern auch auf Kosten von Drittklasspatienten im eigenen, nur sehr selektiv "reichen" Land....

Opa
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Re: Hirnmetastasen nach Darmkrebs

Beitragvon Opa » Mo 2 Sep 2019 15:23

Solange die gleiche medizinische Behandlung aller Patienten nicht wieder garantiert ist, sollte die Fertilisierungsmedizyn und die Transplantationsmedizin ganz verboten, und die Schoenheitsmedizin auf die Behebung von entstellenden Geburts- und Unfallschaeden beschraenkt werden. Botox in die Lippen staerkt deren Muskeln nicht!....

Doch nun zur fallbezogenen "modernen" Langzeitpflege. Frueher konnte ein Pansionierter frei waehlen, ob er weiterhin die taegliche Plage von Selbstpflege und je laenger je ueberfluntenderer Buerokratie selber puckeln, oder sich in einem Altersheim - auch noch ruestig - pflegen und verwalten lassen will. Bei aller Freiheit fuer Ausfluege und Ausgaenge. Heute muss einer von einem Arzt Selbstpflegeuntauglich geschrieben werden, um in einem Altersheim Unterschlupf zu finden. Operierte werden noch blutig gegosst. Und immer mehr Langzeitpflegekapazitaet geht an maschinenabhaengige Leute, die man frueher haette sterben lassen koennen oder gar muessen.

In meiner Verwandtschaft hatte eine alte Frau einen Hirnschlag und wurde ins Spital eingeliefert. Bald kam eine schwere Lungenentzuendung hinzu, die mit modernster Chemie, Elektronik und Biologie das Sterben verhinderte. Die Frau lag dann noch 8 lange Jahre auch mit offenen Augen kommunikationslos im Bett. Ein auch menschlicher Unsinn, der beim heutigen Spitalbruttoaufwand auch medizinische Kapazitaet und Hunderttausende CHF verschlang. Ihre Freundin wuerde vielleicht anders entscheiden, wenn sie noch koennte...

Constanza
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Re: Hirnmetastasen nach Darmkrebs

Beitragvon Constanza » Mo 2 Sep 2019 19:12

Meine Arbeitskollegin ist am Samstagabend verstorben. Bei meinem letzten Besuch in der vergangenen Woche ging es ihr sehr schlecht, und sie rief des öfteren nach ihrem vor fünf Jahren verstorbenen Mann. Ich bin dankbar, dass ihr Leiden ein Ende genommen hat.

Opa
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Re: Hirnmetastasen nach Darmkrebs

Beitragvon Opa » Mo 2 Sep 2019 22:23

Danke fuer den Abschluss des Erfahrungsberichtes.

Falls nicht Sie ihn fortsetzen wollen, schliesse ich unseren Erfahrungsaustausch hiermit ab. Sobald gar auch existenzielle Probleme nicht nur von der Medizyn, sondern auch von der gesetz-, Abkommens- und verfassungswidrigen Politjuxtiz gar auch bei schwerst Geschaedigten aktuell etwas weniger unmittelbar druecken, leiden die meisten lieber nur noch still weiter (mit)....


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