Frauengesundheit, Frauentumoren - 2020


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Frauengesundheit, Frauentumoren - 2020

Beitragvon admin » Di 1 Sep 2020 14:00

Haben Sie Fragen in Zusammenhang mit Frauengesundheit und/oder Frauentumoren?

Prof. Dr. med. Monica Castiglione, Dr. med. Laura Knabben, Frau Monika Biedermann und Dr. André Kind beantworten Ihre schriftlichen Fragen von Mitte September bis Ende Oktober .

Auf der
Startseite des Forums finden Sie ab Mitte September mehr Informationen sowie den Link zum Formular.

Diese Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch


Freundliche Grüsse
Das Moderationsteam

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Brustdrüse-Entzündung bei einer BRCA Mutation in der Familie

Beitragvon admin » Mo 21 Sep 2020 8:59

Frage von ARs:
Guten Tag, meine Frage betrifft den Fachbereich Brustkrebs. Lassen Sie mich etwas ausholen. Ich stamme aus einer Familie mit genetisch nachgewiesene BRCA 2 Mutation. Üblicherweise sind bei uns Frauen ab ca. 50 Jahren betroffen, Ausreisser nach unten war meine Schwester, welche mit 33 Jahren, während der Stillzeit erkrankte und daraufhin nach ca 4 Jahren verstarb. Ich selber wurde 2010 negativ getestet. Aktuelle Frage: meine Tochter, 29J., ist vor 8 Wochen Mutter geworden. Sie stillt voll, leidet aber seit der 2. Woche immer wieder an rezidivierender Brustentzündungen. Ärztlich gut betreut, nach Incision und Punktionen ist sie aktuell wieder hospitalisiert. Besteht Grund zur Sorge bezüglich einer Entwicklung zu BrCa?
Danke für Ihre Antwort
A.R

Antwort von Dr. med. Laura Knabben
Zunächst möchte ich Ihnen zur Geburt Ihres Enkelkindes gratulieren!
Bei Ihrer Tochter ist in der Stillzeit eine Entzündung in der Brustdrüse aufgetreten, die mehrfach zurückgekehrt ist. Mögliche Ursachen sind eine Behinderung des Milchflusses oder eine Infektion. Es müssen ein Brustabszess und ein inflammatorisches Mammakarzinom ausgeschlossen werden. Das inflammatorische Mammakarzinom ist sehr selten. Es macht nur etwa 1-2% aller Mammakarzinome aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Tochter davon betroffen ist, ist demnach äusserst gering.

Ihre Sorge ist aufgrund der familiären Häufung von Brustkrebsfällen in der Familie verständlich und ernst zu nehmen. Jedoch kann ich Sie beruhigen: Da Sie keine BRCA-Mutation tragen können Sie diese auch nicht Ihrer Tochter vererbt haben. Somit haben Sie beide kein erhöhtes Brustkrebsrisiko im Vergleich zur Normalbevölkerung. Brustentzündungen erhöhen das Risiko für Brustkrebs nicht.

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Neubildung einer Verhärtung in der Brust

Beitragvon admin » Mo 21 Sep 2020 10:29

Frage von Oriana:
Liebes Ärzte-Team
Ich bin 46 Jahre alt und habe im Januar einen Brustultraschall und eine Mammografie durchführen lassen. Alles schien in Ordnung. Da ich in meiner linken Brust aber einen Knoten gespürt hatte, hat mir meine Gynäkologin zu einer weiteren Ultraschalluntersuchung geraten. Heute Vormittag war ich dort. Bei dem kleinen Knoten, den ich in der linken Brust ertastet hatte, handelt es sich nur um eine Zyste. Doch bei der rechten Brust hat die Ärztin einen NICHT VERSCHIEBBAREN Knoten entdeckt. 6 mm gross. Sie hat mir erklärt, dass man ihn nicht gut sehen kann, da er so tief liegt und sie gerne eine Biopsie durchführen würde. Dafür hat sie ein kleines Instrument mit einer Nadel verwendet, mit dem sich Gewebe entnehmen lässt. Sie hat 3 Proben entnommen.
Ich möchte nun wissen, ob es sich bei einem nicht verschiebbaren Knoten in der Brust, der bei den Untersuchungen im Januar noch nicht festgestellt worden war, bei einer 46-Jährigen um Krebs handeln muss? Danke für Ihre Antwort!

Antwort von Prof. Dr. Med. Castiglione:
Liebe Oriana
Nur eine von zehn zytologischen Untersuchungen ergibt einen Positivbefund. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei der Veränderung, die beim Abtasten Ihrer Brust entdeckt wurde, um eine gutartige handelt, ist also sehr hoch. Ich wünsche, dass diese Informationen Ihnen die Wartezeit bis zum Ergebnis der Laboruntersuchung etwas erleichtert.
Herzlichst,

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Haarausfall nach Beendigung der Chemotherapie

Beitragvon admin » Mi 23 Sep 2020 13:12

Frage von Elsa:
Guten Tag
Nach meiner Brustkrebsdiagnose und entferntem Tumor, der brusterhaltend operiert werden konnte, erhielt ich vorsorglich eine Chemotherapie: 12 Wochen Paclitaxel wöchentlich & dreiwöchentlich Herceptin. Letzteres läuft weiter bis zu einem Jahr. Ca. 4 Wochen nach Beginn Chemotherapie begannen mir, die Kopfhaare am Oberkopf auszufallen (=grosse lichte Stelle). Nach weiteren 7 Wochen reduzierte sich der Haarausfall, war aber weiterhin etwa doppelt so hoch wie "normaler Haarausfall". Jetzt - 4 Wochen NACH Beendigung der Chemotherapie - sind mir in der letzten Woche fast alle Haare der Augenbrauen und Wimpern ausgefallen!! Mein Onkologe sagte immer, das würde nicht passieren. Worauf ist das zurückzuführen? Wachsen diese nach?
Danke!

Antwort von Monika Biedermann, Breast Care Nurse
Guten Tag Elsa
Grundsätzlich bewirken nicht alle Chemotherapeutika im gleichen Masse Haarausfall. Ob es zu Haarausfall kommt, hängt von der Art der Medikamente, Art der Verabreichung und Dosis der Medikamente ab. Die Art und Weise des Haarausfalls kann von Person zu Person unterschiedlich sein, selbst bei dem gleichen Medikament und der gleichen Dosierung. Die Zytostatika gelangen über die Blutgefässe fast in den ganzen Körper. Dabei greifen sie nicht nur Krebszellen an, sondern schädigen auch gesunde Körperzellen, die sich rasch teilen. Dazu gehören Haarfollikelzellen. Der Haarausfall beschränkt sich nicht nur auf den Kopf. Auch die Achselhaare und Gesichtshaare fallen aus. Am ausgeprägtesten ist der Haarverlust innerhalb der ersten beiden Monaten der Therapie oder auch in den zwei bis drei Wochen nach Therapiebeendung. Ich beobachte in der Praxis, dass Wimpern und Brauen erst spät, das heisst gegen Therapieende noch ausfallen können. Ich kann Sie aber beruhigen: alle Haare wachsen nach. Insgesamt dauert es in der Regel drei bis sechs Monate, bis der Kopf wieder vollständig von Haaren bedeckt ist und Wimpern und Brauen nachgewachsen sind. Allerdings wächst das Kopfhaar manchmal in einer anderen Farbe oder in einer anderen Beschaffenheit oder Form nach. Während dieser Zeit gibt es gute Möglichkeiten die empfindliche Kopfhaut zu schützen mit zum Beispiel Hüte, Kopftücher oder Perücken. Beim Verlust von Wimpern und Brauen kann eine Kosmetikerin, Visagistin, Image- oder Farbberaterin helfen. Viele
kantonale Krebsligen und die Stiftung «Look Good Feel Better» bieten zudem spezielle Styling- und Pflegekurse für Betroffene an. Auch finden Sie diesbezüglich wertvolle Tipps in der Broschüre: « die Krebstherapie hat mein Aussehen verändert».
Mit den besten Wünschen

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Gentest?

Beitragvon admin » Do 24 Sep 2020 13:52

Frage von JG:
Hallo und danke, dass ich mich an Sie wenden darf!
2013 hatte ich Brustkrebs mit folgenden Werten: links pT2-PN1a, MO Pn1 und rechts pT1c pN0 MO mit Operation, Chemotherapie und Bestrahlung.
Heute gehe ich einmal im Jahr zum Onkochirurgen und zum Gynäkologen zur Kontrolluntersuchung und da ist alles in Ordnung. Ist es unbedingt notwendig, einen Gentest durchführen zu lassen? Wie teuer ist das? Ich hätte diese Fragen gerne beantwortet, denn am vergangenen Montag erfuhr ich im Rahmen einer Kontrolluntersuchung beim Chirurgen, dass es im Falle einer positiven Diagnose zur Entfernung von Eierstöcken und zu Mastektomien kommen kann, seitdem bin ich sehr besorgt. Erst im Dezember habe ich einen Termin bei meinem Onkologen, und aus psychologischer Sicht fällt es mir schwer, positiv zu denken. Könnten Sie mich bitte dabei unterstützen? Ich danke Ihnen im Voraus! Mit freundlichen Grüssen JG


Antwort von Dr. med. Laura Knabben:
Guten Tag Frau JG
Es ist völlig verständlich, dass Sie durch diese Aussage extrem verunsichert sind.
Sie haben sehr gut daran getan, uns Ihre Frage über die Rubrik «Expertensprechstunde» im Forum zu stellen. In der Broschüre
«Familiäre Krebsrisiken» finden Sie Adressen von Fachstellen für genetische Beratung (Seite 27) und Informationen zur genetischen Beratung und zum Gentest (Seite 16). Da es sich um ein sehr komplexes Thema handelt, ist es ratsam, sich an Ärztinnen oder Ärzte zu wenden, die auf diesem Gebiet spezialisiert sind.
Die Broschüre
«Erblich bedingter Brust- und Eierstockkrebs» verschafft Ihnen Klarheit über Ihre familiäre Konstellation und die Notwendigkeit eines Gentests in Ihrer Situation. Ein Gentest kann sinnvoll sein, wenn Brustkrebs gehäuft in einer Familie auftritt, bei bestimmten Arten von Brustkrebs oder wenn die Diagnose bei jungen Frauen gestellt wird. In diesen Fällen werden die Kosten für den Test von den Krankenkassen übernommen. Im Falle einer Mutation bestimmter Gene empfiehlt sich möglicherweise tatsächlich die Durchführung präventiver Operationen.

Die Informationen, die Sie in den Broschüren finden, dienen Ihnen als Grundlage für Ihre Gespräche mit Ihren verschiedenen medizinischen Ansprechpartnern.
Mit freundlichen Grüssen

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HPV: Neunfachimpfstoff

Beitragvon admin » Di 29 Sep 2020 10:47

Frage von Rosalina
Guten Tag
Bei mir wurde eine leichte Zellveränderung inkl. HPV Infektion festgestellt. Ich bin 21 Jahre alt und wurde vor dem 1. Geschlechtsverkehr gegen HPV (16, 18, 6, 11) geimpft. Zudem habe ich immer mit Kondomen verhütet.
Auf der Seite des BAG habe ich gelesen, dass man sich noch gegen andere HPV Viren impfen kann (31, 33, 45, 52, 58) impfen kann. Würden Sie mir diese Impfung auch noch empfehlen obwohl ich schon infiziert bin?
Für mich ist die ganze Situation sehr belastend und ich fühle mich seit diesem Resultat nicht mehr wie ein gesunder Mensch. Mir wurde gesagt, dass eine Nachkontrolle erst nach 6 Monaten notwendig sei. Jedoch habe ich Angst, dass sich das Ganze bis dahin verschlimmert und man vielleicht schon vorher reagieren hätte können. Mir wäre es lieber, wenn ich die Nachkontrolle bereits nach 3 Monaten machen könnte. Macht das Sinn oder hat dies keinen Zweck?
Besten Dank für Ihre Rückmeldung und vielen Dank für das Verständnis.
Freundliche Grüsse

Antwort von Dr. med. André Kind
Guten Tag Rosalina
Durch rechtzeitige Impfung sind Sie vor einer Infektion mit den beiden häufigsten Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 – aber auch den HPV-Typen 6 und 11 - den häufigsten Erregern von Genitalwarzen - geschützt.
Inzwischen gibt es einen neueren Impfstoff auf dem Markt, der im Vergleich zu dem Impfstoff, den Sie erhalten hatten, fünf zusätzliche Hochrisiko HPV-Typen (31, 33, 45, 52 und 58) abdeckt.

Das BAG empfiehlt nicht, dass generell alle, die mit dem älteren Impfstoff bereits vollständig geimpft worden sind, mit dem neuen Impfstoff nachgeimpft werden sollten. Eine solche Nachimpfung würde Sie nicht vor den Typen schützen, die Sie jetzt schon haben, aber vor denjenigen, die Sie noch nicht haben und im neuen Impfstoff zusätzlich enthalten sind. In diesem Fall wäre eine Dosis des neuen Impfstoffs wahrscheinlich ausreichend. Diese müssten Sie allerdings selbst bezahlen.
Eine solche Entscheidung sollten Sie mit Ihrem Frauenarzt/Ihrer Frauenärztin oder in einer spezialisierten
Dysplasie-Einheit/Sprechstunde besprechen.

Der konsequente Gebrauch des Kondoms ist generell wichtig zur Verhinderung von sexuell übertragbaren Krankheiten. Leider verhindern Kondome aber eine HPV-Infektion nur begrenzt, da die Ansteckung mit humanen Papilloma Viren über direkten Kontakt mit infizierten Haut- oder Schleimhautpartien erfolgt und nicht nur durch Geschlechtsverkehr.
In Ihrem Alter ist eine Infektion mit HPV praktisch normal. Ihr Immunsystem wird das HPV mit höchster Wahrscheinlichkeit erfolgreich bekämpfen, so dass sich die Zellveränderung am Gebärmutterhals spontan zurückbilden wird. Da der Körper hierfür Zeit benötigt, ist ein Intervall von sechs Monaten bis zur nächsten Untersuchung absolut ausreichend und wir raten international davon ab, früher zu untersuchen, da die Veränderungen dann noch bestehen werden und dies nur zu weiteren Verunsicherungen führt.

Selbst wenn der sehr unwahrscheinliche Fall eintrifft und sich die Zellveränderungen verschlechtern sollten, dauert es Jahre bis zur Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses, was uns Zeit gibt, davor zu handeln.
Auffälligkeiten im Abstrich führen oft zu Unsicherheiten und Ängsten. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie sich die Ergebnisse und deren Bedeutung gut von Ihrem behandelnden Arzt/ Ihrer behandelnden Ärztin erklären lassen und dann auch über Ihre Befürchtungen offen sprechen. Der Einbezug emotionaler Aspekte in die Planung der gynäkologischen Vorsorge ist wichtig.

Allgemeine Informationen finden Sie in der Broschüre der Krebsliga
"Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufen" .
Das Booklet
"Gebärmutterhalskrebs – Sich schützen und früh erkennen der Krebsliga" enthält die wichtigsten Fragen und Antworten zu Prävention und Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.
Sind Sie Raucherin? Durch einen Rauchstopp kann das Immunsystem besser mit den HP-Viren umgehen. Mit der
Rauchstopplinie bietet die Krebsliga Rauchenden Hilfe beim Ausstieg.

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Onkotyp-IQ-Testergebnis

Beitragvon admin » Mi 30 Sep 2020 16:49

Frage von CG:
Hallo,
Ich schreibe Ihnen für meine Mutter, bei der Ende Juli 2020 ein Tumor (2 cm) auf einer Seite ihrer Brust (ziemlich hoch unter der Leiste) diagnostiziert wurde. Sie wurde am 21. August operiert, sie entfernten den Tumor und 3 Lymphknoten (die sich als gesund erwiesen), und jetzt müssen wir schnell über den nächsten Schritt der Behandlung entscheiden. Es handelt sich um ein invasives Brust-Carserum, das Hormonrezeptoren exprimiert. Sie sagten uns auch, dass es ein aggressiver, schnell wachsender Tumor sei. Sie schickten eine Gewebeprobe an ein Labor in den USA, um sich einem "SCORE"-Test zu unterziehen und zu entscheiden, ob eine Chemo notwendig ist oder nicht. Dieser Test kommt bis zu 34, und dann geben sie uns die Wahl, ob wir die Chemo machen oder nicht. Dies ist eine sehr schwierige Entscheidung, damit wir es später nicht bereuen.
Können Sie uns sagen, was Sie über die oben genannten Daten denken, da meine Mutter 63 Jahre alt ist? Sie hat hohen Blutdruck, etwas Cholesterin und 2011 hatte sie rheumatoide Arthritis, aber ansonsten ist sie bei guter Gesundheit.
Wir müssen ihnen am Dienstag, dem 22. September, eine Antwort geben, ob es eine Chemo gibt oder nicht, damit wir bis zum Wochenende beginnen können.
Dann wird sie 5 Wochen lang bestrahlt und dann im Laufe der Jahre einer Hormontherapie unterzogen, diese 2 Behandlungen sind sicher, sie haben uns keine Wahl gelassen.
Wir fragen uns, warum sie uns die Wahl lassen, die Chemo zu machen oder nicht zu wissen, dass sie im Falle einer Chemo Anspruch auf eine große und lange Behandlung hat (4x EC alle 3 Wochen, dann 12x Paclitaxel). Wenn sie uns die Wahl lassen und wir akzeptieren, sollten wir eine "leichte" Behandlung haben, nicht wahr?
Während ich sehr schnell auf eine Antwort warte, wünsche ich Ihnen einen guten Tag und ein gutes Wochenende.

Antwort von Prof. Dr. med. Castiglione:
Ihre Mutter hat das grosse Glück, eine Tochter zu haben, die sich wie Sie für sie einsetzt: es ist sehr schön, und ich gratuliere Ihnen dazu!
Sie können Ihrer Mutter (die letztlich die einzige Person ist, die zu entscheiden hat, da es um sie, ihre Gesundheit und ihre Behandlung geht) helfen, eine Entscheidung zu treffen, indem Sie verschiedene Aspekte der Situation klären und/oder erklären.
Sie sprechen von einem Test. Ich nehme an, es handelt sich um den Test
Oncotype IQ]. Auf der Website lese ich unter «Die Ergebnisse besser verstehen: Nodal-negative Patientinnen, Patientinnen mit Recurrence Score Ergebnissen von 26-100 ziehen einen erheblichen Nutzen aus einer Chemotherapie zusätzlich zur endokrinen Therapie».
Fragen Sie das Ärzteteam, warum sie Ihrer Mutter in dieser Situation eine freie Wahl lassen (bei einer Punktzahl von 34).
Sie möchten die richtige Wahl treffen, damit Sie es später nicht bereuen. Beachten Sie, dass die Empfehlungen für/gegen die Therapie auf wissenschaftlichen Studien basieren, die Statistiken liefern. Das Rezidiv Risiko ist eine Frage, die sich jeder im Falle einer schweren Krankheit stellt und die nicht mit Sicherheit beantwortet werden kann.
Weil die Statistik:
- Auf einer grossen Zahl von Menschen mit Krebs beruhen und nicht genau vorhersagen, was mit einer einzelnen Person geschehen wird.
- Auf Daten basieren, die mehrere Jahre alt sein können und daher nicht unbedingt den Einfluss der jüngsten Fortschritte bei der Früherkennung oder Behandlung widerspiegeln.
- Nicht notwendigerweise das Vorhandensein anderer Krankheiten und individuelle Reaktionen auf die Behandlung repräsentieren.
Ihre Mutter kann eine zweite medizinische Meinung von einem Brust- oder Krebszentrum einholen .
Welche Entscheidung auch immer Ihre Mutter trifft, und was auch immer später geschieht, es wird im heutigen Kontext die richtige Entscheidung sein. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Die grosse Herausforderung wird darin bestehen, Ihre Mutter unabhängig von ihrer Wahl zu unterstützen und zu begleiten.
Auf der KLS-Website finden Sie
Broschüren und Informationsblätter zu verschiedenen Themen (Brustkrebs, Therapien, Alltag und Krebs, Tipps für das Gespräch beim Arzt, Behandlungswahl: Was muss ich wissen? usw.).
Ich hoffe, dass diese Informationen Ihnen helfen werden, den Kontext der Entscheidung, die Ihre Mutter zu treffen hat, zu relativieren.
Sie können enttäuscht sein, wenn Sie keine klare Antwort erhalten, aber die Patientin hat die freie Wahl der Behandlung. Es ist wichtig, dass sie die Probleme kennt und versteht, die mit der Annahme oder Ablehnung einer Therapie verbunden sind.
Dazu kann sie z. B. die
5 Fragen verwenden, die sie ihrem Arzt stellen kann. Wenn Vertrauen vorhanden ist, kann die Patientin ihren Arzt auch fragen, welche therapeutische Wahl er für sich treffen würde, wenn er mit der gleichen Situation konfrontiert wäre.

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HPV-Test für Männer

Beitragvon admin » Do 8 Okt 2020 12:50

Frage von Keet
Ich habe eine Anfrage bezüglich HPV Tests für Männer. Ich bin Single und hatte vor einigen Monaten Geschlechtsverkehr mit einer Frau, welche positiv auf zytologisch stark veränderte Gebärmütterhalszellen getestet wurde (in Abklärung, Befund der zweiten Biopsie ausstehend, keine Virale HPV Bestimmung vorhanden). Es ist von HPV 16 oder 18 auszugehen. Daher bin ich auf der Suche nach einer Arztpraxis, welche Erfahrung hat, den viralen HPV Test bei Männer durchzuführen, bzw. bei Männern den "Abstrich" zu nehmen. Damit habe ich wenigstens einen gewissen Anhaltspunkt (obwohl der Test ja bei Männern unzuverlässig ist), wie ich mein weiteres Verhalten zu "planen" habe. Wissen sie wo Mann einen Test machen lassen kann?

Antwort von Dr. med. André Kind
Guten Tag Keet
Sie möchten künftige Partnerinnen vor einer HPV-Infektion schützen und sich testen lassen, um zu wissen, ob Sie sich überhaupt angesteckt haben. Damit zeigen Sie ein hohes Verantwortungsgefühl. Leider gibt es keine Vorsorgeuntersuchungen für Männer. Ein HPV-Infektionstest bei Männern macht keinerlei Sinn, weil einerseits der HP-Virus sehr verbreitet ist und andererseits ein positives Ergebnis weder prophylaktische medizinische Interventionen noch wirksame und einhaltbare Empfehlungen in Bezug auf das Sexualverhalten als Folge hätte. Es gilt, ob mit oder ohne HPV-Infektion, dass bei Auffälligkeiten und ausschliesslich dann ein Arzt aufgesucht werden sollte. In sehr seltenen Fällen löst eine anhaltende HPV-Infektion auch bei Männern Krebs aus. Tumorerkrankungen beim Mann, die bisher mit HPV kausal in Zusammenhang gebracht werden konnten, sind Anal-, Mund- und Rachen- sowie Peniskarzinome. Diese sind v.a. mit HPV 16 assoziiert.

Bei einem Partnerwechsel gehen Männer und Frauen das Risiko ein, sich mit Hochrisiko-Humanen Papilloma Viren (HPV)-Typen zu infizieren, womit sie noch nicht in Kontakt gekommen sind. Dieses Risiko steigt proportional zur Häufigkeit des Partnerwechsels. Der konsequente Gebrauch des Kondoms ist generell wichtig zur Verhinderung von sexuell übertragbaren Krankheiten. Leider verhindern Kondome aber eine HPV-Infektion nur begrenzt, da die Ansteckung mit humanen Papilloma Viren über direkten Kontakt mit infizierten Haut- oder Schleimhautpartien erfolgt und nicht nur durch Geschlechtsverkehr. Der Übernahme von Eigenverantwortung durch den Mann, der sich als Jugendlicher nicht gegen HPV impfen konnte, sind somit Grenzen gesetzt.

Mindestens 80% aller sexuell aktiven Menschen werden im Laufe des Lebens mit einem Hochrisiko-Humanen Papilloma Virus (HPV)-Typen infiziert. Es ist demnach davon auszugehen, dass Sie bzw. Ihre künftige Partnerin ebenfalls das HP-Virus tragen. In der Regel bleiben HPV-Infektionen ohne Folgen. Frauen – auch solche, die sich frühzeitig gegen HPV impfen lassen konnten - können insofern Eigenverantwortung übernehmen, als sie regelmässig eine Früherkennungsuntersuchung bei ihrer Frauenärztin/Frauenarzt durchführen lassen.

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PAP Abstrich 3x auffällig

Beitragvon admin » Mo 12 Okt 2020 14:02

Frage von Nindi:
Ich habe im letzten Jahr 3 Gebärmutterhalskrebsabstriche gemacht. Alle drei waren auffällig. Jedoch kann ich Ihnen nicht sagen auf welcher Skala, dies bin ich am abklären mit meiner Frauenärztin und dem Spital. Nun muss ich in einem halben Jahr wieder einen Abstrich machen. Dies verunsichert mich jedoch sehr nicht zu wissen ob jetzt etwas ist oder nicht. Daher wollte ich Sie fragen, was Ihre Meinung ist. Soll ich nochmals bei einem anderen Arzt einen Abstrich machen lassen oder gibt es noch andere Möglichkeiten es zu überprüfen?

Antwort von Dr. med André Kind:
Guten Tag
Im letzten Jahr wurden bei Ihnen drei Gebärmutterhalsabstriche gemacht, die alle «auffällig» waren. Nun soll in sechs Monaten wieder eine Untersuchung stattfinden. Verständlicherweise machen Sie sich Sorgen. Sie möchten wissen, was es mit den Ergebnissen Ihres Abstrichs auf sich hat und überlegen sich, ob ein weiterer Abstrich neue Erkenntnisse und neue Sicherheit für Sie bringen könnte.

Wichtig zu wissen: wenn im Abstrich veränderte Zellen festgestellt werden, ist das nicht gleichzusetzen mit dem Vorhandensein einer Krebserkrankung.
Die Gebärmutterhalsabstriche werden in Speziallaboratorien geschickt und dort beurteilt. Bei der Einteilung der Zellveränderungen geht es um die Frage, wie stark die krankhaften Zellen gegenüber den gesunden Zellen verändert sind.. Für solche Veränderungen gibt es verschiedenen Klassifizierungen. In der Schweiz wird offiziell die Bethesdaklassifikation benutzt (NILM, LSIL, HSIL), aber einige Zytologielaboratorien benutzen auch die Münchner Nomenklatur. Allen gemeinsam ist, dass sie eine Einteilung bieten nach normalen Zellen, leichten Vorstufen, mittelgradigen Vorstufen und hochgradigen Vorstufen.

Positive Abstriche (also solche mit veränderten Zellen) kommen oft vor, sind meistens harmlos und können auch durch entzündliche Prozesse entstehen. Gering- und mittelgradige Veränderungen verschwinden oft ohne Behandlung von selbst wieder. Es ist deshalb sinnvoll, einen auffälligen Abstrich in sechs Monaten zu wiederholen. Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich langsam. Falls sich die Zellen weiter verändern sollten, könnten rechtzeitig weitere diagnostische und wenn nötig therapeutische Schritte unternommen werden.

Die Wiederholung des Abstrichs zum jetzigen Zeitpunkt würde kaum zu einem anderen Ergebnis führen. Dagegen wäre es immens wichtig ein baldiges erklärendes Gespräch mit Ihrer Frauenärztin zu führen. Wenn Sie eine Erklärung bekommen, was für Zellveränderungen vorliegen und was dies bedeutet können Sie Ihrer Verunsicherung wahrscheinlich wirksam begegnen.
Mit besten Wünschen und freundlichen Grüssen

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Metastasen bei Brustkrebs?

Beitragvon admin » Do 15 Okt 2020 11:24

Frage von Rita
Guten Tag
Ich hatte im September 2018 Brustkrebsdiagnose. ("wenig differenziert, invasiv duktales Mammakarzinom NST BRE8: 3,3,2, G3 10, 10 und 14,5 mm im Dm), Drei Lymphknoten waren befallen..
OP, adjuvante Chemotherapie, Bestrahlungen und jetzt Tamoxifen 5 - 10 Jahre.
Ich hatte nie länger Angst, war immer optimistisch und zuversichtlich - und war seither auch nie mehr "krank". Jetzt hüstle ich seit zwei Wochen, nicht arg, nur reiz-artig, mit ein bisschen Schleim, was mich ohne Vorgeschichte nicht beunruhigen würde. Ich habe plötzlich furchtbare Angst vor (Lungen-)Metastasen! Ich bin 50, normalgewichtig, mache Sport + versuche mich gesund zu ernähren, 2 junge Kids. Ist es grundsätzlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Metastasen bilden???

Antwort von Prof Dr. med. M. Castiglione:
Guten Tag Rita
Sie sind vor knapp 2 Jahren an Brustkrebs erkrankt und sind nach Operation, adjuvanter Chemotherapie und Bestrahlung nun noch unter Tamoxifen-Behandlung. Sie beschreiben, dass Sie bisher nie länger Angstgefühle hatten und sich optimistisch und zuversichtlich fühlten. Sie tun eigenverantwortlich sehr viel für Ihre Gesundheit. Nun verunsichert Sie der seit kurzem aufgetretene Reizhusten und Sie fürchten, dieser könnte ein Symptom von Lungenmetastasen sein.
Momentan ist durch das kühle Wetter bereits wieder Saison für verschiedene Erkältungsviren. Die Wahrscheinlichkeit ist also gross, dass Ihr Reizhusten eine ganz harmlose Ursache hat und von selber wieder abklingt. Um Sicherheit zu erlangen, dass der Husten keine gravierende Ursache hat, möchte ich Ihnen empfehlen, einen Termin bei Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder Ihrer Onkologin, Ihrem Onkologen zu vereinbaren. Allenfalls wird eine bildgebende Untersuchung (Thorax-CT) verordnet werden.
Nein , es ist nicht eine Frage der Zeit bis Metastasen auftreten: auch bei Patientinnen mit sehr aggressiven Tumoren hat es viele, die nie Metastasen entwickeln werden.

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CA 125-Messung in der Nachsorge des Ovarialkarzinoms

Beitragvon admin » Do 15 Okt 2020 12:20

Frage von Melanie:
Ich habe Eierstockkrebs. Beim letzten Bluttest wurde der Tumormarker auf 2 gemessen. Was bedeutet das für mich??

Antwort von Frau Dr. med. Knabben:
Es ist davon auszugehen, dass bei Ihnen in der Nachsorge eine CA125-Messung im Blut vorgenommen wurde zur frühzeitigen laborchemischen Erkennung eines Rezidivs oder eines Fortschreitens der Erkrankung, um allenfalls frühzeitig therapeutisch zu intervenieren. Entspricht der Wert von 2 einer Masseinheit von U/ml, befindet sich der CA125-Wert im Normbereich.

Trotzdem möchte ich Sie dazu ermutigen, die Ärztin/den Arzt, der für Ihre Nachsorge zuständig ist, um ein Aufklärungsgespräch für eine zuverlässige und auf Ihre individuelle Situation zutreffende Einschätzung zu bitten. Möglicherweise liegen weitere Parameter vor, die eine exaktere Beurteilung Ihres Krankheitsverlaufs erlauben.
Schreiben Sie Ihre Fragen auf und lassen Sie sich bei Möglichkeit durch eine Person Ihres Vertrauens begleiten. Vier Ohren hören mehr als nur zwei und im Anschluss an die ärztliche Sprechstunde hätten Sie ein Gegenüber, womit Sie sich austauschen können.

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Begünstigt die Antihormontherapie Blasenentzündungen?

Beitragvon admin » Mo 19 Okt 2020 9:41

Frage von Sonnenblume
Guten Tag
Im Januar 20 bin ich an Brustkrebs erkrankt. Der Tumor wurde früh entdeckt und ich muss nun nach Operation, Bestrahlung Tamoxifen 20mg einnehmen. Ich vertrage die Tabletten sehr gut, habe keine Nebenwirkungen die mich im Alltag einschränken.
Seit der Diagnose habe ich nun schon zweimal eine Blasenentzündung gehabt, was ich vorher nie hatte. Zudem habe ich oft Mühe bei starkem Harndrang, den Urin zu halten.
Kann das eine Folge der Antihormontherapie sein? Vor allem die Blasenentzündungen machen mir zu schaffen.
Vielen Dank für eine Antwort
sonnenblume

Antwort von Frau Prof. Dr. med. Castiglione:
Guten Tag
Sie möchten wissen, ob die Blasenentzündungen der letzten Monate und die Mühe, bei starkem Harndrang den Urin zu halten, Folgen der Antihormontherapie sein könnten.

Ja, das ist durchaus denkbar: Östrogene sind weibliche Geschlechtshormone, die vor der Menopause vorwiegend in den Eierstöcken hergestellt werden. Sie steuern den Monatszyklus, spielen eine wichtige Rolle in der Schwangerschaft und beeinflussen viele weitere Körperfunktionen. Aber sie stimulieren auch das Wachstum von hormonsensitivem Brustkrebs. Tamoxifen® blockiert die Wirkung der Östrogene und schützt dadurch vor einem Krankheitsrückfall. Fehlt Östrogen, wird der Körper künstlich in die Menopause versetzt. Östrogen ist unter anderem nötig, damit die Laktobazillen sich vermehren können. Diese sorgen für ein saures Milieu in der Scheide, was das Wachstum anderer Bakterien hemmt. Dadurch wird auch die Harnröhre vor Bakterien geschützt. Fehlt Östrogen, nimmt die Anzahl der Laktobazillen ab, ihre Schutzwirkung wird schwächer. Deshalb leiden auch Frauen in den Wechseljahren vermehrt unter Harnwegsinfekten. Ihre Apothekerin oder Ihre Frauenärztin kann Ihnen eine geeignete Waschlotion für die schonende tägliche Intimpflege empfehlen, welche die Scheidenflora schützt und die Vermehrung der schützenden Laktobazillen fördert.

Der Östrogenmangel schwächt auch das Bindegewebe, den Schliessmuskel und die Beckenbodenmuskulatur und kann deshalb eine leichte Blasenschwäche begünstigen. Gezielte Übungen (Beckenbodentraining), Yoga und Sportarten wie Radfahren, Walken, Schwimmen und Reiten stärken die Beckenbodenmuskulatur. Ich empfehle Ihnen, sich von Ihrer Frauenärztin beraten zu lassen.

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ASC-H (Atypische Plattenepithelzellen)

Beitragvon admin » Di 20 Okt 2020 17:00

Frage von: Sammy
Guten Tag,
ich bin eine 39 Jahre alte Frau. Vor drei Jahren wurde ich aufgrund einer CIN3 und eines endozervikalen Adenokarzinoms in situ unter Erhalt der Gebärmutter operiert. Es wurden zwei Konisationen vorgenommen: eine elektrochirurgische Schlingenexzision und eine chirurgische Konisation. Sämtliche Nachkontrollen in sechsmonatigen Intervallen nach diesen beiden Eingriffen fielen negativ aus. Im Juni 2020 wurden ein HPV- und ein PAP-Test durchgeführt:

POSITVIV AUF HOCHRISIKO HPV
KRANKHAFTE VERÄNDERUNGEN DER EPITHELZELLEN. Atypische Plattenepithelzellen: mögliche hochgradige Plattenepitheldysplasie(ASC-H). Ich wollte Sie fragen, ob ich mir Sorgen machen muss? Werde ich mich einer Gebärmutterentfernung unterziehen müssen, um das Problem zu lösen? Ich weiss nicht mehr, was ich denken soll.
Danke für Ihre Hilfsbereitschaft.

Antwort von Dr. med. André Kind
Guten Tag,
Der nächste Schritt wäre zunächst eine Kolposkopie durch eine/n darin erfahrene/n GynäkologIn (ggf. zertifizierte Dysplasiesprechstunde/-einheit). Hier müssen dann noch einmal Gewebeproben entnommen werden. Abhängig davon, wie diese ausfallen, wie ausgedehnt die Voroperation war und wie es mit Ihrer Familienplanung aussieht, wird dann ein für Sie persönlich angepasstes Vorgehen besprochen. Dies könnten weitere Kontrollen, eine erneute «Konisation» oder eine Gebärmutterentfernung sein. Diese versuchen wir allerdings, wenn immer möglich, zu vermeiden.

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Dysplasie CIN1

Beitragvon admin » Di 20 Okt 2020 17:35

Frage von Carmen:
Guten Tag,
Im Juli 2020 wurde bei mir eine CIN1 diagnostiziert. Im September 2020 wurde eine Kolposkopie durchgeführt, die ergeben hat, dass der HPV-Typ 16 (Hochrisiko-Virus) an der Entstehung der Gebärmutterhalskrebsvorstufen beteiligt ist.
Die Ärzte planen eine Konisation. Aufgrund meines jungen Alters (27) und des aktuellen Grades (1) der Dysplasie lehne ich diesen Therapievorschlag ab.
Wie hoch ist das Risiko ? In welchem Stadium befindet sich die Infektion? Welche Bedeutung hat der HPV 16 Nachweis?

6 Monate Abwarten und beobachten.
Was empfehlen Sie, um meinen Körper und meine Antikörper bei der natürlichen Bekämpfung dieser Zellen während diesen 6 Monaten zu unterstützen? (Ist eine spontane Rückbildung der Läsion auch dann möglich, wenn sie durch HPV 16 verursacht wurde ?). Wozu raten Sie mir im Bereich des Möglichen, um die Zellwucherung zu verhindern ?
Vielen Dank


Antwort von Dr. med André Kind
Das individuelle Risiko, dass sich eine unbehandelte zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN) 1. Grades zu einem Gebärmutterhalskrebs entwickelt, ist schwer einzuschätzen. Aus diesem Grund ist die geplante Überwachung wichtig, um einen allfälligen Anstieg des Entartungsgrades der Gewebe des Gebärmutterhalses frühzeitig zu erkennen.
Die Dauer der Infektion ist im Einzelfall nicht voraussehbar. Bei Frauen hält die Infektion mit krebsbegünstigenden HP-Viren in zehn auf hundert Fällen über ein Jahr an.

Es scheint, dass das Immunsystem einiger Frauen besser mit Viren umgehen kann. Daran kann man nichts ändern, ausser man raucht. Der Tabakrauch erhöht das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen zu erkranken. Die
Rauchstopplinie bietet Rauchern und Raucherinnen eine Fernbegleitung im Entwöhnungsprozess über Telefon.
Mit den vorliegenden Informationen, ist es leider nicht möglich abzuschätzen, ob der Eingriff wirklich nötig ist. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie eine erneute Kolposkopie in einer zertifizierten
Dysplasiesprechstunde oder -einheit durchführen. Dort werden Sie individuell beraten. Die entsprechenden Kontaktadressen finden Sie auf den jeweiligen Webseiten der Dysplasiesprechstunden in: Aarau, Basel ,Bern , Luzern , Zürich .

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Femara-wie weiter nach fünf Jahren?

Beitragvon admin » Mo 26 Okt 2020 13:36

Frage von Rita

Ich (Jg 1960) wurde im Juni 2015 brusterhaltend operiert.

- Initiales Tumorstadium pT1c pN0 (0/2) sn L0 V0 G3 cM0, R0
- Histologie: Invasiv-duktales Adenokarzinom, G3, ER 100%, PR 0%, Ki67 25%; HER-2 nicht amplifiziert
- EndoPredict-Test: EPclin Score 3.6, 10y risk 13% (high risk)
- Adjuvante Chemotherapie mit Docetaxel und Cyclophosphamid, 4 Zyklen
- Adjuvante Radiotherapie mit 50 Gy mit Boost im initialen Tumorbereich bis zu einer Gesamtdosis von 60 Gy

Seit Okt. 2015 nehme ich Femara 2.5 mg und stehe nun vor der Entscheidung, damit aufzuhören oder noch 2 – 5 Jahre weiterzufahren. Die Onkologin empfiehlt mir aufzuhören - die Gynäkologin ein Weiterführen. Was raten Sie mir bzw. wie würden Sie an meiner Stelle entscheiden?
Besten Dank.


Antwort von Dr. med. Monica Castiglione

Mit eisernem Durchhaltewille sind Sie fünf Jahre lang der Therapie mit Femara treu geblieben. Nun stehen Sie wieder vor einer Therapie-Entscheidung: Die Antihormontherapie absetzen oder fortführen. Ihre Gynäkologin und Ihre Onkologin haben widersprüchliche Einschätzungen zum Therapie-Entscheid abgegeben. Dies veranlasst Sie, weitere Meinungen einzuholen.

Beide Behandlungsoptionen kommen für Sie infrage: sowohl das Absetzen der Antihormontherapie nach fünf Jahren als auch deren Fortführung. Jede Therapie-Option hat Vor- und Nachteile. Eine Therapie-Verlängerung geht einerseits mit einem erhöhten Risiko von spontanen Knochenbrüchen durch Osteoporose und andererseits mit einem noch geringeren Risiko eines Rückfalls einher.

Die für Sie passende Behandlungsoption trägt Ihrer eigenen Erwartungen an das Ergebnis der einzelnen Varianten Rechnung. Vermutlich möchten Sie sich weder vorwerfen müssen, dass Sie durch eine verlängerte Einnahme von Femara die Gesundheit Ihrer Knochen gefährdet haben, noch bei einem allfälligen Rückfall hintersinnen müssen, weil Sie Femara nach fünf Jahren abgesetzt haben. Dieses Dilemma löst sich möglicherweise, wenn Ihnen klar wird, dass
    - ein Absetzen der Behandlung weit mehr Vorteile in Bezug auf die Lebensqualität bzw. deutlich geringe Risiken im Hinblick auf die Rückfallprophylaxe besitzt.
      - der Vorteil von mehr als 5 Jahren Therapie insbesondere bei Patientinnen mit befallenen Lymphknoten beobachtet wurde.


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