2020 - Darmkrebs und Früherkennung


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2020 - Darmkrebs und Früherkennung

Beitragvon admin » Mi 26 Feb 2020 10:59

Im März 2020 beantworten unsere Experten im Forum Ihre Fragen zu Darmkrebs und dessen Früherkennung.

Guido Biscontin, Fachspezialist Früherkennung bei der Krebsliga Schweiz ist Spezialist der öffentlichen Gesundheit. Er beantwortet Ihre Fragen zur Gesundheitsvorsorge.
Dr.med. Martin Wilhelmi ist Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie, Innere Medizin und Ernährungsmediziner. Er beantwortet Ihre Fragen zur Diagnostik, Behandlung und Nachsorge von Darmkrebs.

Die Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch.

Freundliche Grüsse
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Operation nach einer Darmkrebs-Diagnose

Beitragvon admin » Di 17 Mär 2020 17:00

Frage von carina25:
Guten Tag
Die Grossmutter meines Partners hat gestern nach einer Darmspiegelung die Diagnose bösartiger Darmkrebs erhalten. Ihr steht nun eine Operation bevor. Sie ist 70 Jahre alt und sonst bei bester Gesundheit und sehr fit. Wir als Angehörige können uns nicht viel darunter vorstellen und wir sind alle gerade sehr geschockt.
Was wird bei dieser OP geschaut/gemacht? (Ich weiss so Ferndiagnosen sind schwer - es geht mir nur darum in etwa zu erfahren was jetzt das weitere Vorgehen ist.)

Antwort von Herr Dr. med. Martin Wilhelmi:
Guten Tag carina25
Die Grossmutter Ihres Partners war bis jetzt in guter Gesundheit und fit. Jetzt kam die Diagnose Darmkrebs und ihr wurde eine Operation empfohlen. Ich kann Ihre Verunsicherung gut verstehen. Bei einem Darmkrebs ist die chirurgische Entfernung des Tumors und des befallenen Gewebes die Therapie erster Wahl und entscheidend für die Heilungschancen. Das Ziel ist, das Tumorgewebe möglichst vollständig und mit einem genügend grossen Sicherheitsrand aus gesundem Gewebe zu entfernen. Nach der Operation wird analysiert, ob der Tumor ganz entfernt werden konnte. Wegen der unmittelbaren Nähe zu den Sexualorganen, zur Blase, zum Harnleiter und zur Harnröhre ist es sehr anspruchsvoll, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen und trotzdem die Funktion des Darms, des Schliessmuskels und der erwähnten Nachbarorgane zu erhalten. Aufgrund der diagnostischen Untersuchungen steht häufig schon vor der Operation fest, ob die Kontinenz, d.h. die Fähigkeit, den Stuhl eine gewisse Zeit zurückzuhalten, erhalten werden kann und die normale Stuhlausscheidung danach weiterhin möglich sein wird. Bei einem Kolonkarzinom (Dickdarmkrebs) ist dies heute meistens möglich. Hingegen muss jeder fünfte Patient mit einem Rektumkarzinom (Enddarmkrebs) damit rechnen, dass ein künstlicher Darmausgang angelegt werden muss. Es ist wichtig, dass Sie über detaillierte und vielfältige Informationen verfügen. Empfehlenswert ist, den behandelnden Arzt umfassend zu fragen, was bei der Grossmutter Ihres Partners geplant ist. Die Therapie richtet sich immer nach dem Stadium der Erkrankung und danach ob schon Metastasen (Ableger) vorliegen. Allenfalls kann auch vor oder nach der Operation zusätzlich eine Chemotherapie empfohlen werden um die Heilungschancen zu erhöhen. Ob dies nötig ist entscheidet in der Regel eine Gruppe von Ärzten (Tumorboard). Je nach Alter der Kinder der Grossmutter (ihr Partner) wäre auch zu diskutieren ob eine Darmspiegelung empfohlen ist. Besprechen Sie dies im Zweifelsfall mit ihrem Arzt.
Informationen über die verschiedenen Operationen bei Darmkrebs finden Sie auch in der Broschüre der Krebsliga „Dickdarm- und Enddarmkrebs“
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Dickdarmentzündung?

Beitragvon admin » Di 24 Mär 2020 12:30

Frage von Carmen:
Seit einigen Monaten leide ich an einer Dickdarmentzündung. Ich nehme jetzt seit einem Monat das Medikament „Duspatalin Retard“, aber es wird nicht besser. Nun fange ich an, auf der rechten Seite in der Nähe des Nabels Schmerzen zu spüren. Ich bin ziemlich verstopft, habe Blähungen und stehe am Rande der Verzweiflung. Könnten Sie mir weiterhelfen?
Danke für Ihre Zeit, beste Grüsse!

Antwort von Dr. med. Martin Wilhelmi:
Guten Tag Carmen!
Sie leiden an einer Darmentzündung, die Sie seit fast einem Monat mit „Duspatalin Retard®“ behandeln. Sie haben jedoch weiterhin Symptome, die Ihnen Sorgen bereiten.
„Duspatalin Retard®“ ist ein Medikament, das zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Darmbeschwerden im Zusammenhang mit Funktionsstörungen des Verdauungstrakts und der Gallenwege eingesetzt wird. Die von Ihnen beschriebenen Symptome sind keine Nebenwirkungen dieses Medikaments.
Da „Duspatalin Retard“ offensichtlich nicht die gewünschte Wirkung erzielt hat, rate ich Ihnen, Ihren Arzt oder einen Gastroenterologen zu konsultieren. Ich empfehle Ihnen eine Darmspiegelung.

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Früherkennung von Symptomen bei Darmkrebs

Beitragvon admin » Di 31 Mär 2020 16:17

Frage von Herr H.: Diese Frage hat das Moderations-Team per Mail erreicht. Die Antworten der beiden Spezialisten darauf, enthalten viele wichtige Punkte zum Thema Früherkennung.

Sehr geehrte Damen und Herren

Seit spätestens Anfang 2018 habe ich körperliche Beschwerden wahrgenommen, die sich später als Symptome von Darmkrebs herausstellten und seit ca. Mitte 2018 zusätzlich auch von Metastasen in vier Wirbelkörpern, in den Lymphen, in der Leber und möglicherweise auch in der Lunge. Die richtigen Untersuchungsmethoden mit den richtigen Diagnosen, erfolgten erst ab Anfang Dezember 2018, nachdem ich den Allgemeinpraktiker auf die geschwollenen Lymphgefässe am Hals hingewiesen hatte. Sie hatten schwere Behandlungen und Operationen zur Folge, u.a. die Versteifung von sieben Wirbelkörpern, Bestrahlung von vier und eine erste Chemotherapie. Aktuell stehe ich am Anfang der zweiten Chemotherapie. Nach der ersten war der Darmkrebs auf dem CT nicht mehr sichtbar, und die Metastasen in der Leber und in den Lymphgefässen waren zurückgegangen, jedoch sind sie in der folgenden drei monatigen therapiefreien Zeit wieder gewachsen.
Ich habe ein grosses Bedürfnis meine festgestellten Symptome einer medizinischen Stelle für die Auswertung und Bekanntmachung mitteilen zu können, um mit meiner Krankengeschichte beizutragen, damit das Bewusstsein über diese schwere Krankheit in der Allgemeinen Medizin und in der Bevölkerung weiter gefördert wird. Mit den beginnenden Metastasen gingen die Symptome für Darmkrebs über die auf Ihrer Homepage beschriebenen hinaus. Aber auch die aufgeführten Symptome sind während Monaten, lange vor den schweren Folgen der Metastasen, weder vom behandelten Arzt noch von weiteren in dieser Zeit besuchten Spezialisten (Kardiologe, Endokrinologe, Handchirurg) und auch von mir selber nicht als solche erkannt worden. Deshalb sind sie z.B. auch nicht für das Anordnen einer präventiven Stuhluntersuchung mit anschliessender Darmspiegelung vor Juli 2018 umgesetzt worden.
Aufgrund des Profils der Krebsliga wende ich mich an Sie weil Sie sich für Fälle wie meinen wahrscheinlich interessieren. Durch die Bekanntmachung liessen sich künftig noch mehr Symptome von Darmkrebs und Metastasen systematischer, breiter und früher erkennen. Unnötige und schlimme Folgen mit grossem Leiden für die Patienten und hohe Kosten könnten vermindert werden.
Meine festgestellten Symptome habe ich in einem Anamnese Bericht zusammengestellt und ins Patientendossier des Spitals gegeben, ohne dass darauf eingegangen worden ist. Deshalb muss ich annehmen, dass ohne weitere Initiative meinerseits meine Botschaft weitgehend ungehört bleibt und bei der Behandlung von PatientInnen wahrscheinlich weiterhin wichtige Symptome dieser schlimmen Erkrankung unerkannt bleiben, mit verhängnisvollen Folgen.
Für Ihre Antwort, ob und wenn ja wie die Erfahrungen und Lehren aus meiner Krebserkrankung bei Ihnen umgesetzt werden könnten bin ich Ihnen sehr dankbar und
verbleibe mit
freundlichen Grüssen

Antwort von Guido Biscontin, Fachspezialist Früherkennung der Krebsliga Schweiz:

Guten Tag

Ihr Bericht über die Schwierigkeiten, mit denen Sie konfrontiert wurden, und Ihre Leidensgeschichte haben mich sehr betroffen gemacht.
Die Symptome des Dickdarmkrebses sind leider unspezifisch, d. h. sie können auch durch andere Ursachen bedingt sein.
Trotzdem ist es schwer nachvollziehbar, dass in Ihrem Fall Dickdarmkrebs als mögliche Symptomursache nicht mithilfe von geeigneten diagnostischen Untersuchungen ausgeschlossen wurde. Dies obschon ich mich aus meiner Warte leider nicht über die gestellten Diagnosen und die verschriebenen Therapien äussern kann.
Auf dem Hintergrund Ihrer Erfahrung kann ich Ihre Empörung, Konsternation und vermutlich Wut verstehen. Nachvollziehbar ist für mich auch Ihr Bedürfnis, Ihre Geschichte bekannt zu machen, damit sie als Beispiel dienen soll. All das ist mehr als legitim.
Ihre Meinung, wonach es absolut notwendig ist, die Gesundheitsfachleute und die Allgemeinbevölkerung vermehrt für den Dickdarmkrebs, seine Symptome aber auch für die Vorbeugung und Früherkennung zu sensibilisieren, teile ich mit Ihnen.
Die Krebsliga setzt sich dafür ein. In den Medien und im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen lenken wir die Aufmerksamkeit der Bevölkerung mit Präventions- und Sensibilisierungskampagnen- und Angeboten auf das Thema des Dickdarmkrebses.
Ausserdem fördern wir die schweizweite Implementierung von qualitätskontrollierten Dickdarm-Früherkennungsangeboten, die für alle Bevölkerungsschichten zugänglich sind. Zu diesem Zweck arbeiten wir bekanntlich mit Swiss Cancer Screening, der Schweizerischen Gesellschaft für Gastroenterologie, dem Verband Haus- und Kinderärzte Schweiz und pharmaSuisse zusammen. Die Aus- und Fortbildung sowie die Information der Gesundheitsfachleute gehört ebenfalls zu unseren Zielen.
Lieber Herr H., Ihr Appell wurde gehört. Wir setzen uns für eine wirksame Dickdarmkrebs-Früherkennung ein. Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Schreiben und Ihren Selbsterfahrungsbericht. Damit helfen Sie uns, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfassen. Zudem verstärken Sie so unsere Motivation, unsere Mission fortzusetzen.
Noch einmal : Ich bin zutiefst betroffen von Ihrem Kampf und bedanke mich sehr für Ihren Einblick in Ihre persönliche Erfahrung. Ich wünsche Ihnen das Allerbeste !
Mit besten Grüssen
Guido Biscontin



Antwort von Herrn Dr. med Wilhelmi:

Sehr geehrter Herr H

Auch ich möchte mich herzlich für Ihre Anfrage bedanken! Es sind wahrscheinlich wirklich genau die „Fälle“ wie der Ihre welche publik gemacht werden sollten! Es geht nicht darum Ängste zu schüren aber eben genau darauf hinzuweisen dass Darmkrebs die zweithäufigste Tumorerkrankung bei uns (nach dem Prostatakarzinom des Mannes und Brustkrebs bei der Frau) und mit ca. 4000 Neuerkrankungen in der Schweiz häufig ist. Dies ist eine der zentralen Aufgaben des Krebsforums und von uns Ärzten. Es ist mir nicht ganz verständlich warum in ihrem Fall relativ lange gewartet wurde mit der Diagnostik, trotzdem gibt es immer wieder Fälle in welchen die Diagnose „verschleppt“ wird. Insbesondere auch deswegen da Darmkrebs sehr lange ohne Symptome bleiben kann. Blutauflagerungen auf dem Stuhl, Änderungen der Stuhlgewohnheiten und Stuhlunregelmässigkeiten können Zeichen für Darmkrebs sein, etwa die Hälfte der Tumoren des Darms kann der Arzt mit dem Finger bei einer sogenannten rektalen Untersuchung tasten oder kann mittels einer Enddarmspiegelung (Rektoskopie) entdecken. Insbesondere ist jedoch die Darmspiegelung (Koloskopie) die derzeit effektivste Darmkrebsprävention und sollte beim gesunden, asymptomatischen Mensch ab 50 Jahren durchgeführt werden, sollten Familienangehörige betroffen sein eventuell auch schon früher. Auch ich möchte mich bei Ihnen bedanken für die Zuschrift und kann Sie nur darin bestärken „Werbung“ für die Darmkrebsvorsorge zu machen um bei anderen ihr Leid zu verhindern. Ich hoffe trotzdem dass die Erkrankung bei Ihnen stabil gehalten werden kann und es Ihnen gut geht! Ich wünsche Ihnen Alles Gute!

Dr.med. Martin Wilhelmi


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