2018 - Männergesundheit, Männertumoren

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2018 - Männergesundheit, Männertumoren

Beitragvon admin » Do 3 Mai 2018 12:57

Haben Sie Fragen zu den Themen Männergesundheit und Männertumoren?

Von Mitte Mai bis Ende Juni 2018 beantworten Experten in der Onlinesprechstunde Ihre Fragen.
Auf der
Startseite des Forums finden Sie mehr Informationen sowie den Link zum Formular.

PD Dr. med. Aurelius Omlin, Facharzt für Onkologie, Oberarzt mbF Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie, Kantonsspital St. Gallen beantwortet Ihre Fragen zu Prostatakrebs.

PD Dr. med. Richard Cathomas, Facharzt FMH für Medizinische Onkologie und für Allgemeine Innere Medizin, stellvertretender Chefarzt Onkologie/Hämatologie, Kantonsspital Graubünden beantwortet Ihre Fragen zu Hodenkrebs.

Guido Biscontin, Fachspezialist Früherkennung bei der Krebsliga Schweiz
beantwortet Ihre Fragen zu Themen der Gesundheitsvorsorge.


Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch


Die folgenden Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Weitere Fragen und Antworten werden in Kürze hier aufgeschaltet.

Freundlich grüssen die Moderatorinnen

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Krebs früh erkennen? Was kann ich tun?

Beitragvon admin » Do 17 Mai 2018 11:42

Frage von Timo
Sehr geehrte Damen und Herren

In meinem Umfeld (Verwandten- und Bekanntenkreis) sterben zur Zeit (oder sind bereits) relativ viele Personen an allen möglichen Arten von Krebs. Da heisst es dann häufig, hätte man die Krebserkrankung früher erkannt, hätte man noch was machen können, nun sei es aber zu spät.

Dies führt nun auch bei mir persönlich zu Verunsicherungen, da es offenbar keine eindeutigen Symptome gibt und man auch überrascht werden kann, wenn man sich «kerngesund» fühlt.

Ich bin männlich und «erst» 38 Jahre alt, doch ich habe von mehreren Fällen in meiner Generation und jünger erfahren. Krebs in jungen Jahren scheint es auch zu geben. Hauptsächlich sind Frauen mit Brustkrebs betroffen, doch mir sind Fälle mit Hirntumor und Bauchspeicheldrüsen-Krebs in meiner Alterskategorie bekannt.

Aus diesem Grund wollte ich mich nun erkundigen, welche Massnahmen bezüglich Früherkennung und Vorsorge denn grundsätzlich empfohlen werden, damit eine allfällige Erkrankung nicht «zu spät» erkannt wird?

Können Sie zu diesem Thema auch allgemeine Auskünfte geben, oder geht dies nur über einen Termin mit meiner Hausärztin, die nicht zwingend auf diesem Gebiet die nötige Erfahrung mitbringen wird?
Freundliche Grüsse

Antwort von Guido Biscontin, Fachspezialist Früherkennung bei der Krebsliga Schweiz
Guten Tag Timo,

Der Tod von Menschen, die uns nahestehen, berührt uns und bedeutet für uns schwere Zeiten. Der Abschied erfüllt uns nicht nur mit Trauer, sondern erzeugt auch Unverständnis und manchmal sogar Wut. Häufig entstehen auch Fragen zur Früherkennung bzw. noch früherer Massnahmen, die einem geliebten Menschen geholfen hätten, länger am Leben zu bleiben.

Wie in Ihrem Fall können auch Fragen zu unserer eigenen Gesundheit auftreten: Was muss ich tun, um gesund zu bleiben? Wie erkenne ich eine mögliche Krebserkrankung frühzeitig?

Für Menschen in Ihrer Altersgruppe beziehen sich die Empfehlungen hauptsächlich auf
Prävention und Lebensstil. Also beispielsweise Bewegung, Tabak, Alkohol, Körpergewicht, UV-Schutz, Radonschutz, etc.

Männern wird empfohlen, eine
Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung durchzuführen, jedoch erst ab einem Alter von 50 Jahren. Für andere Krebsarten gibt es keine offiziellen Empfehlungen zur Durchführung von Früherkennungsuntersuchungen. Wenn von Früherkennungsuntersuchungen die Rede ist, meinen wir in der Regel Untersuchungen, die Personen angeboten werden, die keine Krankheitssymptome aufweisen und die für gesund gehalten werden. Wir wissen auch, dass systematische Früherkennungsuntersuchungen bestimmter Krebsarten leider nicht ratsam sind, da diese nicht zwangsläufig zur Verringerung der Mortalität der Bevölkerung führen, an die sie gerichtet sind. Es besteht zudem die Möglichkeit, dass die potenziellen Nachteile von Früherkennungsuntersuchungen die Vorteile überwiegen, beispielsweise als Überdiagnosen oder falsch-positive Diagnosen.

Bei einigen Krebsarten sind die Meinungen nach wie vor geteilt. Die Krebsliga verfolgt die Fortschritte in diesem Bereich und passt nach Abwägung der Vor- und Nachteile ihre Empfehlungen gegebenenfalls an.

Unabhängig von medizinischen Früherkennungsuntersuchungen können wir jedoch erfreulicherweise etwas tun, indem wir unseren Körper aufmerksam beobachten und auf mögliche Veränderungen achten. Wenn Sie eine solche Änderung an sich beobachten, zögern Sie nicht, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Die Symptome sind sehr unterschiedlich und hängen von der Art des Krebses und dessen Ausbreitung ab.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Inanspruchnahme einer ärztlichen Beratung ist der Aspekt der genetischen Faktoren, insbesondere wenn es um Darm-, Brust- und Eierstock-, Prostata- und Hautkrebs geht. Wenn Sie in Ihrer Familie eine Häufung der gleichen Krebsart beobachten, zum Beispiel bei einem Krebs, der in einem frühen Alter (vor dem 40. oder 50. Lebensjahr) auftritt, sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat fragen. Darüber hinaus sind Männer aus Familien mit Brust- oder Eierstockkrebs stärker von Prostatakrebs oder Brustkrebs betroffen.

Man weiss, dass bestimmte Krebsarten durch einen angepassten Lebensstil und durch den Schutz vor bestimmten Umweltfaktoren vermieden werden können. Leider hat Krebs jedoch viele Ursachen, auf die wir keinen Einfluss haben, und er kann in jedem Alter entstehen, auch wenn er mit zunehmendem Alter häufiger auftritt. Hinzu kommt, dass Früherkennungsuntersuchungen auch nicht immer effektiv sind.

All dies kann zu grosser Verunsicherung führen. Wir haben es bei Krebs mit einer Krankheit zu tun, bei der es sich leider oft nicht mit Sicherheit ausschliessen lässt, dass man an ihr erkrankt. Allerdings können wir etwas unternehmen, um das persönliche Krebsrisiko zu senken, indem wir einen gesunden Lebensstil gemäss den Empfehlungen pflegen, die Empfehlungen zur Früherkennung befolgen, so diese existieren, und unseren Körper aufmerksam beobachten, um eventuelle Symptome zu erkennen. Auf diese Weise kann man der Zukunft mit Gelassenheit entgegensehen.

Bei weiteren Fragen können Sie sich gerne ans
Krebstelefon oder Ihre kantonale bzw. regionale Liga wenden.

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Prostatakregbs - Veränderungen im PSA-Wert

Beitragvon admin » Mi 23 Mai 2018 8:13

Frage von Mowy
Guten Tag,
mein Lebenspartner, 69 Jahre alt, hat seit einem Jahr die Diagnose Prostatakrebs. Diese wurde rausgefunden, weil der PSA-Wert gestiegen war und vor allem, weil seine Prostata stark vergrössert war und er nachts bis 8 Mal aufstehen musste wegen Harndrang. Vor einem Jahr wurde dann ein PSA-Wert von 8 festgestellt. Im Juni 2017 wurde er biopsiert und dabei kam ein Gleason Score von 3 + 3 heraus. Bei 12 Stanzbiopsien. Im September 2017 hat er die Prostata Ausschälen lassen und sie ist nun viel kleiner und er hat viel weniger Beschwerden muss nur noch ca 3 x nachts auf Toilette. Er hatte damals den PSA-Wert 0.8. Jetzt, nach einem halben Jahr die Kontrolle und der PSA-Wert ist auf 3.6 gestiegen!!! Ist das nicht extrem schnell innerhalb eines halben Jahres? Da der Professor in den Ferien ist, hat er erst am 7. Juni den Besprechungstermin, wie weiter vorgegangen werden soll. Operation oder Bestrahlung. Ich habe nun die totale Panik, dass in diesen 3 Wochen bis zur Besprechung der Krebs wächst und es sich Metastasen bilden. Das kann doch sein, oder? Deshalb habe ich meinen Partner gedrängt, zu einem anderen Arzt zu gehen, sofort die Biopsie zu machen und dann sofort handeln zu können, um den Krebs zu bekämpfen. Ich weiss, dass es falsch ist, ihm solchen Druck zu machen, da er selber mit Angst zu kämpfen hat. Ich habe beide meine Eltern an Krebs verloren und habe Alpträume deswegen. Entschuldigen Sie bitte.
Freundliche Grüsse

Antwort von PD Dr. med. Aurelius Omlin
Ihr Lebenspartner ist von Prostatakrebs betroffen. In den letzten Monaten haben sich sein Befinden und die Beschwerden immer wieder verändert. Aufgrund der Differentialdiagnostik hat sich Ihr Partner gemeinsam mit dem behandelnden Arzt für eine TUR-P (Transurethrale Elektroresektion der Prostata), eine Ausschälung entschieden. Dies brachte eine vorläufige Verbesserung. Im Weiteren erfolgte eine klinische Beobachtung, inklusive Kontrolle des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen im Blut). Der PSA ist ein Marker unter anderem für Prostatakrebs aber auch für Entzündungen ebenso wie für eine gutartige Vergrösserung (Hyperplasie) der Prostata. Daher ist dieser Parameter zur alleinigen Beurteilung der Situation ungeeignet.

Nachdem der PSA-Wert zurückgegangen war, ist er in den vergangenen Wochen wieder angestiegen. Der Grund für den aktuell erhöhten PSA Wert kann viele Ursachen haben und nur durch weitere Untersuchungen kann auch abgeschätzt werden, ob der Prostatakrebs ursächlich dahinter steht. Die Biopsien haben nach Ihren Angaben einen Gleason Score von 3+3 ergeben und damit mit grosser Wahrscheinlichkeit ein geringes Risiko für einen aggressiven Verlauf eines Prostatakarzinoms. Bei einem PSA Wert von weniger als 10 ist das Auftreten von Metastasen unwahrscheinlich. Beim PSA Wert ist es auch wichtig, dass er möglichst immer im gleichen Labor bestimmt wird, das es je nach Untersuchungsort zu leicht unterschiedlichen Ergebnissen kommen kann.

Empfehlenswert könnte sein, sich an die Vertretung des behandelnden Professors zu wenden, der ebenfalls Zugang zu bestehenden Unterlagen haben dürfte und die nächsten Schritte in die Wege leiten kann. Als nächste Schritte könnte der Urin und die Prostata untersucht werden um einen allfälligen Infekt auszuschliessen und gegebenenfalls zu behandeln. Weiter kann der PSA Wert 1-3 Wochen nach der letzten Bestimmung erneut gemessen werden um die Erhöhung von 0.8 auf aktuell 3.6 zu bestätigen.

Selbstverständlich kann diese Antwort nicht alle Aspekte abdecken welche für diese verständlicherweise beunruhigende Situation relevant sind und die Einschätzung beruht auf den medizinischen Daten, welche Sie in der Einleitung geschildert haben und welche unter Umständen nicht vollständig sind.

Mit freundlichen Grüssen

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Verdacht auf Hodenkrebs

Beitragvon admin » Mi 30 Mai 2018 16:11

Frage von Storm

Guten Tag
Gibt es eine Vorsorgeuntersuchung für Hodenkrebs? Habe bei mir eine Veränderung/Verhärtung getastet. Deshalb möchte ich mich von einem Spezialisten untersuchen lassen. Wie soll ich vorgehen?
Besten Dank und freundliche Grüsse

Antwort von PD Dr. med. Richard Cathomas
Guten Tag

Für Hodenkrebs gibt es keine Vorsorgeuntersuchungen da die Erkrankung selten ist. Der Hoden ist aber natürlich gut tastbar und jeder Mann sollte regelmässig (etwa alle 2-3 Monate) selbständig seine Hoden abtasten.

Sie haben nun eine Veränderung an Ihrem Hoden festgestellt. Deshalb empfehle ich Ihnen, sich vorsorglich von Ihrem Hausarzt (oder von einem Urologen) untersuchen zu lassen. Die meisten Knoten im Hoden sind gutartig aber es ist wichtig, dass sie die Veränderung die sie getastet haben einem Arzt zeigen. Allenfalls wird dann ein Ultraschall des Hodens oder noch weitere Untersuchungen durchgeführt.

Ich wünsche Ihnen, dass es sich um eine harmlose Verhärtung handelt.

Mit freundlichem Gruss

Richard Cathomas

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Prostatakrebs/Knochenmetastasen

Beitragvon admin » Do 14 Jun 2018 17:37

Frage von springi

Guten Tag

Es betrifft meinen Mann, 75 Jahre alt. Medikamente Prostagutt, August 2004 PSA 7.0. Biopsie Adeno Ca Prostata p T1c (T2c, Nx, Mx), Gleason-Score 2+3=5. Februar 2005 LDR Brachytherapie, problemloser Verlauf, PSA unter 1. Ende März 2017 PSA 2.1. Dezember 2017 Schmerzen in der li Leiste. Januar 2018 Abklärung beim Hausarzt und Orthopädie: Arthrose, Physiotherapie. Dazwischen öfters Ischiasschmerzen. Ende April 2018 Urologe, da das seit der Brachytherapie bestehende häufige Wasserlassen und Harndrang sich verstärkte. Ultraschall und Tasten alles ok. Tabletten Spasmo Uredin, Kontrolle in 6 Monaten. Leider der PSA 53, eine Woche später 47.1 Ganzkörper Skelett-Szintigrapie G56 MBQ TCD, SPECT/CT: gemischt-osteolytisch-osteosklerotische Läsion im Acetabulum li mit stark vermehrten Uptake und Beteiligung der Kortikalis. Ausgedehnte Knochenmetastase. Tumorboard: Staging CT/Thorax keine weiteren Metastasen nachweisbar. Entscheid: Bestrahlung, hormonablative Therapie als Systemtherapie. Wir sind ziemlich geschockt und auch verunsichert.

Daher unsere Fragen:
1. Kann in 15 Monaten der PSA von 2.1 auf 53 ansteigen? Der Urologe fand das ungewöhnlich, hatte keine Erklärung dafür.
2. Ist eine Bildgebung, die Szintigraphie, beweisend für die Knochenmetastase? Oder sollte zur genauen Absicherung der Diagnose noch andere Untersuchungen gemacht werden, z.B. CT, MRT/Becken? Es soll ja der Goldstandard sein, wir wissen das der Kochenstoffwechsel untersucht wird. Aber es heisst auch nicht so grosse Spezifität, Entzündungen, Arthrosen , Knochenveränderungen könnten als Metastasen angesehen werden. Wir sind total verunsichert, was wir machen sollen. Sind die Untersuchungen und die Ergebnisse gerechtfertigt für eine Bestrahlung und gleichzeitige Hormontherapie? Wir wären sehr froh, wenn sie uns antworten würden, damit wir besseren Durchblick haben und uns entscheiden können.

Herzlichen Dank.
Mit freundlichen Grüssen


Antwort von PD Dr. med. Aurelius Omlin

Guten Tag

Sie äussern sich besorgt um Ihren Ehemann. Sein Gesundheitszustand hat sich in kurzer Zeit stark verschlechtert. Sie sind beide verunsichert und geschockt durch die neue Situation.
  • Der PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen im Blut) ist ein Marker unter anderem für Prostatakrebs aber auch für Entzündungen sowie eine gutartige Vergrösserung (Hyperplasie) der Prostata. Daher ist dieser Parameter zur alleinigen Beurteilung der Situation ungeeignet. Tatsächlich kann sich der PSA-Wert deshalb innerhalb kurzer Zeitspannen stark verändern und zusammen mit der Information aus der Bildgebung ist der Verlauf zwar eher ungewöhnlich aber passend.
  • Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms ist gut erforscht und wird nach onkologischen Leitlinien durchgeführt. Die von Ihnen geschilderte Situation weist auf ein lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom hin: Neben dem Prostatabefall wurde eine Knochenmetastase in der Beckenpfanne des linken Hüftgelenkes entdeckt.
  • Bildgebende Verfahren werden bei speziellen Fragestellungen eingesetzt. Bei histologisch gesichertem Prostatakarzinom und einem PSA-Wert über 10ng/ml ist eine Skelettszintigraphie sinnvoll. Mit Hilfe der Szintigraphie können Stoffwechselprozesse des Körpers abgebildet werden. Bei Ihrem Mann wurde offenbar neben der Szintigraphie auch noch eine Computertomorgraphie (CT) durchgeführt. Im Falle von Ihrem Ehemann sollte ein CT Thorax-Abdomen-Becken gemacht werden (wahrscheinlich ist dies der Fall). Die Informationen von PSA, Szintigraphie und CT reichen in der Regel aus um die Diagnose von Knochenmetastasen zu bestätigen. Im Zweifelsfalle kann die Durchführung eines zusätzlichen MRI diskutiert werden.
  • Zusammengefasst liegt wohl leider ein Rückfall (PSA 53, Metastase im Knochen) des bekannten Prostatakarzinoms mit Befall des Knochen vor. In dieser Situation ist die Standardbehandlung eine hormonelle Therapie (Testosteronentzug = hormonablative = Androgendeprivations-Therapie). Je nach Situation kann die Hormontherapie ergänzt werden durch zusätzliche Medikamente (Docetaxel oder Abiraterone), aber hier bedarf es einer eingehenderen Beurteilung und Beratung und Abwägung der Risiken und Nebenwirkungen.
  • Männer, welche eine Hormontherapie beginnen sollten ermutigt werden, Ihren Lebensstil gegebenenfalls anzupassen mit: Regelmässiger körperlicher Aktivität, Rauchstopp, reduzierter Alkohol-Konsum, Normalgewicht anstreben. Vitamin D und Calcium (abhängig von der nutritiven Zufuhr) sollten substituiert werden.
  • Im Falle Ihres Mannes wäre aus meiner Sicht zudem eine onkologische Beurteilung sinnvoll. Sie beschreiben gemischt osteolytisch-osteoblastische Veränderungen in der Metastase, vor allem der osteolytische Anteil könnte auf einen aggressiveren Anteil des Prostatkrebs hindeuten. Eine Bestrahlung dieser Region wenn möglich scheint sinnvoll zu sein.


Die eindeutige Beurteilung der Situation Ihres Ehemannes Bedarf der Einsicht in alle klinischen Ergebnisse, die obenstehende Beurteilung beruht auf den von Ihnen erwähnten Daten und ist unter Umständen nicht vollständig und umfassend. Ihrem Ehemann steht die Möglichkeit offen, an einem Tumorzentrum eine Zweitmeinung einzuholen. Ich empfehle Ihnen, Ihre Fragen und Zweifel beim aktuellen Behandlungsteam anzusprechen und zu diskutieren.

Mit freundlichen Grüssen

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Muskelinvasiver Blasenkrebs-Welche Behandlungsmethode?

Beitragvon admin » Do 21 Jun 2018 16:22

Frage von webru

Sehr geehrte Damen und Herren
Bei mir ist ein Blasenkrebs diagnostiziert worden, welcher als aggressiv und bereits in das Muskelgewebe einwachsend eingestuft wurde. Dieser Tumor war sehr gross; er konnte mit einem Eingriff durch die Harnröhre in Bülach, Klinik Uroviva, entfernt werden. Metastasen konnten glücklicherweise keine festgestellt werden. Ich stehe nun vor der Frage, welchen Weg ich einschlagen soll. Ob ich mich für eine Operation (Blasenentfernung) oder für eine Strahlentherapie allenfalls kombiniert mit einer Chemotherapie entscheiden soll. Bei der Operation stellt sich zusätzlich die Frage, ob vorab eine Chemotherapie durchgeführt werden soll und ich mich für eine Urostomie oder eine Ersatzblase entscheiden soll. Bin 74 Jahre alt und treibe sehr gerne Sport. Diese Fragen erscheinen mir schwierig für einen Laien zu entscheiden, zumal ich einfach zu wenig weiss über diese möglichen Behandlungsmethoden. Können Sie mir allenfalls weiterhelfen und mich diesbezüglich beraten? Besten Dank für Ihre Bemühungen.
Freundliche Grüsse

Antwort von PD Dr. med Aurelius Omlin
In eine konkrete Therapieempfehlung müssen viele Punkte einfliessen, so zum Beispiel die Art und der Entwicklungsgrad der Tumorzellen, ob der Tumor im Gesunden entfernt werden konnte, ob benachbarte Lymphknoten betroffen sind, ob Sie an Vorerkrankungen leiden und regelmässige Medikamente einnehmen und weitere.

Bei der Therapie von Blasenkrebs arbeiten in der Regel Ärztinnen und Ärzte aus den Fachrichtungen Urologie, Onkologie und Radioonkologie in einem so genannten Tumorboard zusammen. Dies mit dem Ziel, die in der individuellen Situation bestmögliche Therapie vorschlagen und bieten zu können.

Nur wenn Ihnen die Vor- mögliche Nachteile der verschiedenen Behandlungsmethoden unter Berücksichtigung Ihrer individuellen Situation von den entsprechenden Fachspezialistinnen und –spezialisten ausführlich dargelegt werden, können Sie gemeinsam mit den ärztlichen Fachpersonen eine gute Entscheidung finden.

Vorausgesetzt es liegt ein Übergangs-Zell Karzinom vor und mögliche Vorerkrankungen oder Medikamente resultieren in keiner Einschränkung und falls Sie die grösstmögliche Behandlungs-Sicherheit möchten, dann wäre in der von Ihnen geschilderten Situation die Standard-Behandlung eine „neoadjuvante/vorgängige“ Chemotherapie über 8-12 Wochen gefolgt von der Operation. Beide Varianten der Operation haben Vor- und Nachteile und bedürfen einer guten urologischen Aufklärung und Beratung.
Aktuell könnten Sie unter Umständen auch an einer klinischen Studie teilnehmen, welche an vielen Zentren in der Schweiz offen ist und zusätzlich zur erwähnten Standardbehandlung die Zugabe einer Immuntherapie untersucht: https://www.kofam.ch/en/snctp-portal/se ... tudy/41001
Die alternative Therapie-Option wäre eine blasenerhaltende Kombinations-Radio-Chemotherapie. Um hier einen guten Behandlungserfolg zu erzielen sollten verschiedene Faktoren erfüllt sein und auch diese Option bedarf einer guten Aufklärung.

Die eindeutige Beurteilung der Situation Ihres Ehemannes Bedarf der Einsicht in alle klinischen Ergebnisse, die obenstehende Beurteilung beruht auf den von Ihnen erwähnten Daten und ist unter Umständen nicht vollständig und umfassend.

Angesichts der Komplexität der Situation und der weitreichenden Konsequenzen, welche nur angedeutet werden können in dieser Beratung empfehle ich Ihnen deshalb, sich an Ihr Behandlungsteam zu wenden und eine Zweitmeinung bei einem grösseren Tumorzentrum einzuholen mit Einbezug der Experten aus Urologie, Onkologie und Radio-Onkologie und wünsche Ihnen alles Gute.
Freundliche Grüsse

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PSA-Wiederanstieg nach Operation

Beitragvon admin » Do 28 Jun 2018 15:35

Frage von Giampiero

Guten Tag allerseits, ich bin 60 Jahre alt. Im März 2013 wurde ich operiert: radikale laparoskopische roboterassistierte nervenschonende Prostatektomie mit bilateraler pelvischer Lymphadenektomie und Rekonstruktion des C.S.U. Gleason 3+4. Die postoperativen Nachkontrollen erfolgten in den ersten vier Jahren alle drei, später alle sechs Monate. Sie ergaben immer PSA-Werte < 0,03. Die letzte Nachkontrolle ergab einen PSA-Anstieg auf 0,034 ng/mL Das Blut wird immer im gleichen Labor analysiert. Nach dem chirurgischen Eingriff wurde mir gesagt, dass ich nichts machen muss ausser die PSA-Kontrollen alle drei/sechs Monate, solange der PSA-Wert nicht 0,20 ng/mL übersteigt. Ich möchte vor allem Folgendes wissen:
  • Werden die PSA-Werte unweigerlich auf 0,20 ansteigen?
  • Welche Ursache könnte der Veränderung des PSA-Wertes zugrunde liegen? In letzter Zeit bin ich oft mit dem Fahrrad unterwegs, gibt es diesbezüglich Kontraindikationen?
  • Kann der PSA-Wert im Laufe der Jahre nur noch steigen oder kann er auch fluktuieren (zunehmen und/oder abnehmen)?
Der genannte PSA-Anstieg hat mir Angst eingejagt.

Antwort von PD Dr. Aurelius Omlin

Guten Tag

Es ist verständlich, dass Sie den PSA-Wiederanstieg nach der Operation als bedrohlich erleben.

Mein Vorschlag wäre, den Wert in 4-6 Wochen noch einmal zu kontrollieren, im gleichen Labor. PSA Schwankungen in diesem sehr tiefen Bereich können vorkommen (technisch bedingt), in der Regel hat Sport (Fahrrad fahren) nach der Prostata-Entfernung keinen Einfluss. Der PSA Wert kann leider auch nach 5 Jahren noch ansteigen.

Die Empfehlung erst bei einem bestätigten PSA Anstieg auf 0.2 oder mehr zu reagieren wird zunehmend diskutiert. Aus klinischen Studien wissen wir, dass eine Salvage Radiotherapie (Bestrahlung der Prostata-Loge bei PSA Anstieg nach Operation) möglichst früh eingesetzt werden soll, teilweise auch schon bei einem PSA Anstieg auf 0.1 oder mehr. Angesichts Ihres Alters wäre meine Empfehlung frühzeitig zu reagieren, sollte der PSA Wert weiter ansteigen.

Die eindeutige Beurteilung Ihrer Situation bedarf der Einsicht in alle klinischen Ergebnisse (PSA Verlauf, Operations-Bericht, Pathologie-Bericht), die obenstehende Beurteilung beruht auf den von Ihnen erwähnten Daten und ist unter Umständen nicht vollständig und umfassend. Ich empfehle Ihnen, Ihre Fragen und Zweifel beim aktuellen Behandlungsteam anzusprechen und zu diskutieren.

Mit freundlichen Grüssen


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