2016 – Brustkrebs


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2016 – Brustkrebs

Beitragvon admin » Do 29 Sep 2016 13:14

Prof. Dr. med. Monica Castiglione, Onkologin und Brustkrebs-Spezialistin, beantwortet Ihre Fragen in Zusammenhang mit Brustkrebs.

Diese Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.
Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch



Frage von fuemu:
Ich nehme seit 2,5 Jahren Letrozol mit starken Nebenwirkungen wie: sehr starke Gewichtszunahme, starke Skelettschmerzen, Wallungen, kein Gefühl mehr in Finger und Zehen, Libidoverlust, Haarausfall und Anflüge von Depression. Neu habe ich seit 8 Wochen Hautablösungen und extremes beissen in Hautfalten (unter der Brust, Bauchfalte, Leiste sowie Schamlippen). Was soll ich tun? Am liebsten würde ich mit der Antihormon Therapie aufhören. Gibt es eine Alternative? Möchte eigentlich wieder ein "normales Leben" leben dürfen. Vielen Dank für Ihre Meinung.

Antwort von Prof. Dr. Med. Monica Castiglione:
Guten Tag Fuemu
Sie leiden unter einer Vielfalt von Beschwerden, die Sie als sehr belastend empfinden. Da Sie diese dem Letrozol zuschreiben, möchten Sie wissen, ob dieses Medikament in Ihrem Fall durch ein anderes ersetzt werden kann. Dadurch erhoffen Sie sich, zu einer für Sie akzeptablen Lebensqualität zurückzufinden.
Zahlreiche Frauen mit Brustkrebs berichten uns, dass Sie aufgrund ähnlicher, therapiebedingter Beschwerden die Grenze des Tolerierbaren erreicht haben und nach Alternativen suchen.
Weibliche Geschlechtshormone, die Östrogene, können das Wachstum bestimmter Arten von Brustkrebs fördern. Letrozol setzt die Wirkung der Geschlechtshormone in Ihrem Körper herab. Dadurch reduziert sich für Sie das Risiko eines Rückfalls.
Es gibt andere Wirkstoffe bzw. Medikamente, die in ausgewählten Fällen zur Vorbeugung eines Rückfalls eingesetzt werden können, wie z. B. Exemestane (Aromasin®), welches einen anderen Wirkmechanismus aufweist. Es ist denkbar, dass Exemestane dadurch im Einzelfall zu schwächeren Nebenwirkungen führt, obschon dieser Wirkstoff eine deutliche Senkung der Östrogene bewirkt, was wiederum ähnliche Folgen auf die Lebensqualität haben kann. Tamoxifen (Tamoxifen®, Nolvadex®, Tamec®) stellt eine weitere Möglichkeit dar, allerdings war Tamoxifen in klinischen Studien etwas weniger wirksam als Letrozole oder Exemestane.
Wägen Sie das Für und Wider eines Medikamentenwechsels mit Ihrem behandelnden Brustkrebsspezialisten bzw. Ihrer behandelnden Brustkrebsspezialistin sorgfältig ab. Ziehen Sie jedoch auch andere Lösungsansätze in Betracht wie etwa die Einnahme von Schmerzmitteln, eine dermatologische Sprechstunde sowie die psychosozialen Unterstützungsangebote Ihrer regionalen Krebsliga. Überlegen Sie sich, was Ihnen den Umgang mit den Krankheitsfolgen erleichtern könnte: eine Gesprächsgruppe, moderate Bewegung in der Gruppe, ein Kreativkurs, das Erlernen einer Selbst-Achtsamkeitstechnik? Nehmen Sie Kontakt auf mit Ihrer
regionalen Krebsliga oder rufen Sie kostenlos die Fachberaterinnen des Krebstelefons an: 0800 11 88 11.


Frage von Moira:
Guten Tag
ich habe eine Frage:
Ich hatte vor 8 Jahren mit 44 (also prämenopausal)ein invasiv duktales Mammakarzinom, ER positiv, PR positiv,HER2 negativ.
Gegen die Wechseljahrbeschwerden wie Hitzewallungen usw. nehme ich Cimefin forte wie auch Menosan Salvia.
Nun leide ich seit einigen Wochen sehr unter Scheidentrockenheit, was den Geschlechtsverkehr schmerzhaft macht. Was kann ich diesbezüglich tun?
Ich habe schon gehört, dass Yamszäpfchen Abhilfe schaffen könnten- doch diese enthalten einen Progesteron ähnlichen Stoff, oder?
Über eine Auskunft, was hilfreich wäre, wäre ich ihnen sehr dankbar.
Mit freundlichen Grüssen

Antwort von Prof. Dr. Med. Monica Castiglione:
Guten Tag
Sie leiden unter Scheidentrockenheit und Schmerzen bei der Penetration. Vor acht Jahren hatten Sie einen hormonsensiblen Brustkrebs. Aus diesem Grund erkundigen Sie sich nach Pflegemitteln, die keine Hormone enthalten.
In erster Linie empfehle ich Ihnen, sich von Ihrem Gynäkologen bzw. Ihrer Gynäkologin untersuchen und zu den Behandlungsmöglichkeiten beraten zu lassen.
Es gibt hormonfreie, befeuchtende Pflegemittel für die Scheide auf der Basis von Granatapfelextrakt, Hyaluronsäure, Paraffin und Paraffin/Glycerid. Lassen Sie sich von Ihrem Frauenarzt bzw. Ihrer Frauenärztin bei der Wahl eines rezeptfreien Produktes unterstützen.
Ausserdem gibt es hormonfreie Gleitmittel aus Wasser oder Silicone. Fragen Sie Ihren Frauenarzt bzw. Ihre Frauenärztin, ob Sie einige Probemüsterli zum Ausprobieren mit nach Hause nehmen dürfen.
Es gibt wenige Daten über die Sicherheit einer lokalen Östrogentherapie bei Frauen mit Brustkrebs.
Unter Aromatase-Hemmer ist eine Hormontherapie kontraindiziert.
Nach erfolgloser alternativen, hormonfreien Behandlung und Leidensdruck kann bei Frauen unter Tamoxifen – hingegen - eine Hormontherapie zusammen mit dem behandelnden Brustkrebsspezialisten diskutiert werden.



Frage von phumy:
Guten Tag.
Da bei mir im Dezember 2015 in Frankreich Krebs festgestellt wurde, werde ich bald eine Ultraschall- und Mammografie-Untersuchung machen lassen. Sind die Untersuchungsgeräte in Genf auf dem gleichen Stand wie in Frankreich? Oder wäre es besser, ich würde wieder in dasselbe Zentrum gehen, in dem der ganz kleine Tumor bei mir entdeckt wurde? Freundliche Grüsse

Antwort von Prof. Dr. Med. Monica Castiglione:
Guten Tag phumy
In der Schweiz gibt es mehrere zertifizierte Brustzentren, dazu gehört auch das HUG in Genf. Die Erteilung der Zertifikationen erfolgt durch die Schweizerische Gesellschaft für Senologie (SGS) in Zusammenarbeit mit der Krebsliga Schweiz (KLS), der Europäischen Gesellschaft für Brustkrebsspezialisten (EUSOMA) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).
Hier finden sie den Link zum HUG.
Zusätzlich werden die Untersuchungsgeräte regelmässig durch das Bundesamt für Gesundheit überprüft, damit sie den europäischen Normen entsprechen.
Weitere
Informationen zum Qualitätslabel der Schweizer Brustzentren finden Sie auf unserer Website.


Frage von schmid:
Guten Tag
Ich hatte vor 1 1/2 Jahren eine Brustoperation und eine Lymphdrüse war befallen. Seither muss ich Antihormone nehmen. Mit Aromasin bekam ich Gelenk- und Muskelschmerzen sowie die Knochendichte nahm ab. Ich wechselte zu Tamoxifen. Dann fing es mit der Uebelkeit an. Jetzt nehme ich mit Anastrozol-Teval mit Spritze für die Knochendichte seit einer Woche. Mir ist nun wieder verstärkt übel. Ich bin sehr verzweifelt. Essen ist eine Tortur. Haben Sie eine Idee was ich tun könnte? Auf die Dauer halte ich diese ständige Übelkeit nicht aus. Ich habe Zofran erhalten, aber es nützt nichts. Für Ihre Hilfe danke ich im Voraus.
Freundliche Grüsse
I.Schmid

Antwort von Prof. Dr. Med. Monica Castiglione:
Guten Tag Frau Schmid
Sie haben schon mehrere Antihormonmedikamente ausprobiert und bei allen traten Nebenwirkungen auf. Im Moment leiden Sie unter Übelkeit und das Essen wird zu Tortur. Ihre Verzweiflung ist verständlich. Diese Nebenwirkungen mindern Ihre Lebensqualität beträchtlich.

In klinischen Studien wurde gezeigt, dass körperliche Aktivität messbar die Nebenwirkungen einer antihormonellen Therapie reduzieren kann. Wichtig ist herauszufinden, worauf Sie Lust haben und was Ihnen Spass macht. Vielleicht mögen Sie in einer
Krebssportgruppe mit anderen betroffenen Menschen mitmachen. In der Broschüre der Krebsliga Körperliche Aktivität bei Krebs finden Sie interessante Informationen sowie leichte Übungen.

Kennen Sie die integrative Medizin? Klassische Schulmedizin und komplementäre Methoden werden miteinander integriert. In der deutschsprachigen Schweiz existieren drei Kompetenzzentren. Die drei Institute sind in
Bern, Zürich und St. Gallen.
Vielleicht helfen Ihnen komplementäre/integrative Methoden Ihre Übelkeit zu lindern und Ihre Lebensqualität wieder zu steigern.



Frage von Ninive:
Ich habe ein EPclin 10 Jahresrisiko von 17 Prozent. Würden Sie mir zu einer Chemotherapie raten?

Antwort von Prof. Dr. Med. Monica Castiglione:
Guten Tag Ninive
Sie möchten wissen, ob Sie einen Vorteil von einer Chemotherapie haben könnten.
Um dies zu ermitteln, bedarf es weiteren Informationen über die biologischen Eigenschaften Ihres Tumors, über Ihren Gesundheitszustand und über die Funktion Ihrer Organe (Leber, Niere, etc.).
Für eine Therapie-Empfehlung können Sie sich an ein zertifiziertes
Brustzentrum wenden.

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