2009 - Darmkrebs


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2009 - Darmkrebs

Beitragvon admin » Do 9 Apr 2009 16:59

Herr Dr. med. Reto Guetg beantwortete Ihre Fragen:


Diese Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch



Frage von Yaska:
Mein Freund gehört zu der Risikogruppe für Darmkrebs, da seine Mutter diesen hatte. Mein Freund ist 43 Jahre alt + hat nun festgestellt das er Lactoseallergiker ist. Habe gelesen das sich dadurch eher Fäulnisbakterien im Darm nicht bekämpft werden können. Nun meine Frage: Kann dies dazu beitragen das er noch mehr Risiko hat an Darmkrebs zu erkranken? + Wichtiger wo muss er hingehen um eine Darmuntersuchung zu machen +zahlt das die Krankenkasse? Ich selbst bin auch registriert in diesem Forum

Antwort von Dr. Reto Guetg:
Eine Laktoseintoleranz erhöht das Risiko nicht, an Darmkrebs zu erkranken. Man nimmt sogar an, dass durch eine entsprechende Diät (arm an Milch und Milchprodukten, reich an pflanzlichen Fasern) das Darmkrebsrisiko sinkt.
Ihr Freund gehört angesichts der Darmkrebserkrankung seiner Mutter möglicherweise einer Risikofamilie an. Ihm wird empfohlen, 10 Jahre vor dem Alter, an dem seine Mutter an Darmkrebs erkrankt ist, oder spätestens ab seinem 50. Lebensjahr, eine Darmspiegelung machen zu lassen. Am besten bespricht Ihr Freund dies mit seinem Hausarzt. Wird die Darmspiegelung vom Arzt verordnet, übernimmt die Krankenkasse die Kosten, abzüglich der persönlich gewählten Franchise und dem obligatorischen Selbstbehalt.




Frage von s.m.:
Guten Tag, soviel ich weiss, sollte man bei Darmkrebs in der Familie früher mit Darm-Vorsorgeuntersuchungen beginnen. Meine Mutter starb mit 59 Jahren an Blinddarmkrebs. Gilt bei diesem Krebs in der Familie auch besondere Vorsicht, sprich Grund für frühere Vorsorgeuntersuchungen? Oder was raten Sie? Vielen lieben Dank für Ihre Antwort.

Antwort von Dr. Reto Guetg:
Blinddarmkrebs ist sehr selten. Eine familiäre Häufung ist nicht bekannt. Informationen zu Risiken, Vorbeugemassnahmen und Sinn und Zweck von Vorsorgeuntersuchungen finden Sie in den Broschüren der Krebsliga unter Prävention



Frage von Lea W.:
Mein Mann musste sich im Februar einer Darmoperation unterziehen. Vorübergehend hatte er einen künstlichen Darmausgang, der jedoch wieder rückgängig gemacht werden konnte. jetzt hat er wieder Blut im Stuhl und die Gewebeprobe ergab, dass sich an der Operationsnarbe ein Krebsgeschwür gebildet hat. Da die letzte Operation nicht leicht für ihn war, würde uns interessieren, ob es andere Heilmethoden gibt ausser Operation. Und wenn diese nächste Behandlung vorbei ist, in welchen Abständen sollte mein Mann in die Nachkontrolle. Welche Untersuchungen müssen gemacht werden? Vielen Dank für Ihre Antwort!

Antwort von Dr. Reto Guetg:
Auch wenn das für Ihren Mann mit Leiden und Belastungen verbunden ist, so sollte er sich doch nochmals operieren lassen. Seine Heilungs-Aussichten sind dadurch am besten. Ob noch Nachbehandlungen gemacht werden müssen, kann erst nach dem Eingriff geklärt werden. Nachkontrollen (Befragung, Untersuchung des Bauches, Labor und Ultraschall) sind in dieser speziellen Situation sicher alle drei Monate angezeigt. Bei rückfallfreiem Verlauf, können diese Intervalle nach ca. 3 Jahren auf 6 Monate erweitert werden.



Frage von ernesto45:
Wegen hohem Fieber und Nadelstichartigen Bauschmerzen ertastete der Arzt am Dickdarm die Ursache. Ich nehme nun starke Antibiotika (Aziclav 1g + Ciprofloxacine-Mepha 500). Vor 2 Jahren wurde wegen Blut im Stuhl eine Dickdarmspiegelung gemacht, die keinerlei Probleme aufzeigte. Das Blut muss von Hämorrhoiden stammen. In der Familienchronik ist keine Krebserkrankung bekannt, trotzdem bin ich nun verunsichert. Was raten Sie mir?

Antwort von Dr. Reto Guetg:
Eine unauffällige Dickdarmspiegelung vor 2 Jahren schliesst eine in der Zwischenzeit aufgetretene Darmkrebserkrankung fast vollständig aus, vorausgesetzt es wurden wirklich weder Divertikel (Ausstülpungen der Darmwand), noch Polypen (Schleimhautwachstum in den Hohlraum des Darmes), noch eine chronische Dickdarmschleimhaut - Entzündung festgestellt. Das würde ich Ihren Arzt noch genau fragen. Am besten lassen Sie sich auch gleich eine Kopie des Koloskopie - Berichtes geben. Diese legen Sie dann zum Impfausweis oder Ihrem Pass. Blut kann durchaus von den Hämorrhoiden stammen. In diesem Fall müssen diese behandelt und der Stuhlgang verbessert werden. Wenn Fieber und Bauchschmerzen ausbleiben, sich der Stuhlgang normalisiert und Sie sich wieder gesund fühlen, brauchen Sie keine weiteren Abklärungen mehr machen zu lassen.



Frage von matt w.:
guten tag Meine frage ist die folgende: fördern das zigarettenrauchen oder verstopfungen das man darmkrebs bekommen kann? besten dank matt w.

Antwort von Dr. Reto Guetg:
Ein gewisses Risiko, an einer Krebsvorstufe oder sogar an Darmkrebs zu erkranken, besteht immer. Rauchen und Verstopfung an und für sich führen nicht per se zu einer Krebserkrankung, können aber das Risiko erhöhen. Besonders gilt dies für das Rauchen.
Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse und Früchten fördert eine regelmässige Stuhlentleerung. Auch regelmässige Bewegung und genügend Flüssigkeit helfen, Verstopfung vorzubeugen.
Ein gesunder Lebensstil senkt das Darmkrebsrisiko. Informationen dazu finden Sie in der Broschüre
Darmkrebs nie?



Frage von Ivana:
Vor kurzem habe ich die Diagnose Diabetes erhalten. Im Moment bin ich noch nicht mit der richtigen Menge Insulin eingestellt. Ich habe mich über Internet sehr informiert über die Gesundheitsrisiken, die diese Krankheit mit sich mitbringen. In einem Artikel habe ich gelesen, dass Insuline das Darmkrebsrisiko erhöht. Stimmt das und raten Sie mir deswegen jetzt oder in näher Zukunft eine Darmspiegelung machen zu lassen? Besten Dank für ihre Antwort.

Antwort von Dr. Reto Guetg:
Tatsächlich bestätigen neueste Studien, dass Diabetiker, die sich einer Insulin-Therapie unterziehen müssen, ein bis zu dreifach erhöhtes Darmkrebsrisiko haben. Der Grund liegt darin, dass Insulin und ein erhöhter Glukosespiegel eine wachstumsfördernde Wirkung haben. Folglich legen einige Diabetologen ihren Diabetespatienten eine Vorsorgekoloskopie nahe. Fragen Sie auch Ihren behandelnden Arzt nach seiner Meinung zu diesem Thema.



Frage von giverola:
Mir wurde eine genetische Untersuchung empfohlen, da mein Vater, eine Cousine meines Vaters, sowie 2 Onkel meines Vaters an Darmkrebs erkrankten. Ist eine solche Untersuchung sinnvoll, und was ist der Nutzen?

Antwort Dr. Reto Guetg:
Der Sinn einer genetischen Untersuchung liegt darin, Risikopersonen zu erkennen.
Personen mit einer nachgewiesenen genetischen Veranlagung wird empfohlen, sich alle 1-2 Jahre einer Darmspiegelung zu unterziehen. Mit diesen Untersuchungen sollte 10 Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie begonnen werden. Falls ein Familienmitglied vor dem 45. Altersjahr erkrankt ist, sollten Risikopersonen ab dem 20. Altersjahr mit den Darmspiegelungen beginnen. Diese ermöglichen, bösartige Veränderungen und Krebsvorstufen im Darm frühzeitig zu erkennen und zu entfernen. Denn wenn Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt wird, lässt er sich gut behandeln.
Wird durch die genetische Untersuchung keine Veranlagung gefunden, genügt es, alle 5-10 Jahre eine Darmspiegelung zu machen.
Weiterführende Informationen finden Sie in den Broschüren der Krebsliga Schweiz:
Familiäre Krebsrisiken
und Darmkrebs nie?



Frage von "Munich":
In meiner Familie gibt es keinen Darmkrebs und ich habe auch keine Beschwerden. Soll ich dennoch beim Arzt den Stuhl auf Blut untersuchen lassen oder sagt das gar nicht genug aus? Wenn ich eine Darmspiegelung machen lassen möchte, zahlt das meine Krankenkasse oder muss ich die Kosten selber übernehmen? Mit welchen Kosten müsste ich da ungefähr rechnen? Danke und freundliche Grüsse aus Münchenbuchsee Munich

Antwort Dr. Reto Guetg:
Wenn Sie keine Symptome haben und eine Darmspiegelung selber veranlassen, müssen Sie die Kosten übernehmen. Die präventive Darmspiegelung ist keine Leistungspflicht für die Kassen. Die Kosten betragen 500.- bis 800.- Franken. Eine Darmspiegelung wird dann von der Krankenkasse bezahlt, wenn sie von Ihrem Arzt aufgrund von Symptomen und Hinweisen aus der klinischen Untersuchung verordnet wird.
Ich empfehle Ihnen, den
Risikofragebogen auszufüllen. Der ausgefüllte Fragebogen kann als Gesprächsbasis mit Ihrem behandelnden Arzt dienen.


Frage von "Loa":
Guten Tag Herr Guetg. Vor drei Wochen wurde bei meinem Mann 39 Darmkrebs mit einem betroffenen Lymphknoten diagnostiziert. Er erhält nun eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie anschliessend ist eine OP vorgesehen, bei der ein grösseres Stück Darm entfernt wird. Warum wird manchmal vor, und bei einigen Fällen nach der OP eine Bestrahlung oder Chemo gemacht? Sind die Heilungschancen dabei unterschiedlich? Ausserdem mag mein Mann kein Fleisch mehr essen. Nun mache ich mir Gedanken auch über die Ernährung. Ich mache mir grosse Sorgen wie das alles weiter gehen soll, für Ihre Antwort bin ich Ihnen sehr dankbar. Freundliche Grüsse Loa

Antwort Dr. Reto Guetg:
Mit der kombinierten Radio- und Chemotherapie wird der Tumor kleiner. Dank dieser Verkleinerung und Schwächung des Tumors kann der Chirurg die Operation gewebeschonender vornehmen und die Heilungschancen damit verbessern.
Die Entscheidung, welche Therapie gewählt wird, richtet sich nach dem Ort, der Grösse und der Ausdehnung des Tumors.
Veränderte Geschmacks- und Geruchsempfindungen (wie die von Ihnen erwähnte Abneigung gegen Fleisch) sind bekannte Nebenwirkungen von Chemotherapien. Meistens klingen solche Störungen nach der Therapie ab. Die Broschüre
Ernährungsprobleme bei Krebs kann Ihnen wertvolle Tips zur Ernährung geben.



Frage von "cuore":
Guten Abend ich möchte gerne wissen was muss eine Person die Darmkrebs hat genau essen, was darf sie auf keinen Fall essen? Stimmt dass man keine Pferde, Rind und Schweinefleisch und auch keine Bohnen essen soll? und noch eine wichtigere Frage, wenn man jede 2.Woche Chemotherapie (Infusion für ca. 1.5-2 Tage) machen muss für 12 Zyklen. Ist es wirklich notwendig, dass man einen Port-A-Cath ansetzen muss, wenn man schon 5 Chemozyklen vorbei sind? Habe gelesen, dass der Port-A-Cat zu Infektionen führen kann aber trotzdem gestochen werden muss, wenn die Infusionen gemacht werden müssen. Was kann passieren wenn die betroffene Person den Port-A-Cath nicht will und jedesmal also noch 7 Chemozyklen gemacht werden müssen?

Antwort Dr. Reto Guetg:
Grundsätzlich gibt es keine einheitliche Krebsdiät und auch keine allgemeingültigen Empfehlungen für Darmkrebspatientinnen oder -patienten. Die Ernährung sollte sich langfristig an der vollwertigen Kost eines Gesunden orientieren. Das heisst: Ausreichend Kohlenhydrate und hochwertiges Fett als Energielieferanten, genügend Eiweiss als Baustoffe, reichlich Vitamine und Mineralstoffe, damit der Stoffwechsel funktioniert und das Immunsystem aktiv bleibt, sowie genügend Nahrungsfasern und Flüssigkeit, um die Verdauung fit zu halten.
Durch die Erkrankung und ihre Behandlung können jedoch Unverträglichkeiten entstehen, so dass man seine Essgewohnheiten ändern muss. Das sieht dann für jeden Patienten etwas anders aus. In diesem Fall, kann Ihnen eine Ernährungsberatung weiterhelfen. Unterstützung finden Sie z. B. bei der
Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung

Zu Ihrer zweiten Frage:
Bei jedem onkologischen Patient muss die Entscheidung für oder gegen eine Port-A-Cath- Einlage individuell beurteilt werden. Faktoren, die für ein solches Kathetersystem sprechen sind: Schlecht zugängliche Venen, bereits vorgeschädigte Venen oder Zytostatika, die erfahrungsgemäss stark gefässschädigend sind. Kann die Chemotherapie aus Sicherheitsgründen nicht über die Armvenen verabreicht werden, und steht kein Port-A-Cath zu Verfügung, müsste die Therapie schlimmstenfalls abgebrochen werden, was die Prognose für den Verlauf der Krankheit verschlechtern kann.
Der Port-A-Cath ist für den Patienten fast immer eine grosse Erleichterung. Lange Suchaktionen für einen Venenzugang sind damit vorbei. Infektionen bei Port-A-Cath sind glücklicherweise sehr selten. Das medizinische Fachpersonal hat viel Erfahrung im Umgang mit diesen Kathetern.

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