2017 - Genetik


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2017 - Genetik

Beitragvon admin » Do 5 Jan 2017 11:18

Herr Prof. Dr. med. Karl Heinimann, Medizinische Genetik, Universitätsspital Basel beantwortete Ihre Fragen:


Diese Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch



Frage von 9119:
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. med. Heinimann
Gerne hätte ich gewusst, wie gross meine Chancen sind selber an Krebs zu erkranken.
Mein Vater ist mit 70 an Speisröhrenkrebs gestorben. Zum Schluss wurde auch noch einen Hirntumor diagnostiziert.
Die Schwester meines Vaters hatte Gärmutterkrebs. Überlebte die Krankheit.
Der Vater meines Vaters starb damals mit 40 ebenfalls an einem Hirntumor verstorben.
Meine Grossmutter mütterlichseits ist an Darmkrebs gestorben.
Meine Mutter ist zum glück noch gesund! Aufgrund dieses Hintergundes denke ich, dass es mich auch erwischt, ziemlich gross. Was meinen Sie dazu?

Antwort von Prof. Dr. K. Heinimann:
Guten Tag 9119
Sie möchten an Hand Ihrer Familienanamnese herausfinden, wie gross Ihr persönliches Risiko ist, an Krebs zu erkranken. Die meisten von Ihnen aufgezählten Krebserkrankungen, ausser Darm- und Gebärmutterkrebs, zählen nicht zu den typischen Krebserkrankungen, die durch eine erbliche Veranlagung entstehen können. Zudem treten Krebserkrankungen, die durch eine genetische Veranlagung begünstigt werden, meist vor dem 50. Altersjahr auf. Daher müsste man das Alter der betroffenen Personen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung kennen.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Broschüre der Krebsliga Schweiz
«Familiäre Krebsrisiken»

Es gibt jedoch tatsächlich Familien, bei denen sich Krebserkrankungen häufen, ohne dass eine genetische Veranlagung vorliegt. Diese Häufung entsteht oftmals durch eine ähnliche Lebensweise, zum Beispiel durch Alkoholkonsum, Rauchen usw., oder, Nachkommen sind z. B. durch ihren Beruf den gleichen schädlichen Stoffen ausgesetzt.

Mit einem gesunden Lebensstil kann jede-/r etwas für sich tun. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichende körperliche Aktivität, wenig Alkohol und Nichtrauchen senken das Risiko an Krebs zu erkranken und fördern das Wohlbefinden.



Frage von Menes:
Meine Mutter verstarb mit 62 Jahren an Brustkrebs. Wie stehen die Chancen dass ich (49) oder meine Tochter (26) daran erkranken werden ???

Antwort von Prof. Dr. K. Heinimann:
Guten Tag Menes
Grundsätzlich ist das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, leicht erhöht, wenn eine Verwandte 1. Grades bereits an Brustkrebs erkrankt ist, auch wenn keine nachweisbare genetische Veranlagung vorliegt.
Um Ihr Brustkrebsrisiko und das Ihrer Tochter besser abschätzen zu können, müsste man das Alter Ihrer Mutter zum Zeitpunkt der Diagnosestellung und die feingewebliche (histopathologische) Beurteilung des Tumors kennen. Brustkrebserkrankungen, die durch eine genetische Veranlagung entstehen, treten i.d.R. vor dem 50. Altersjahr auf.
Besprechen Sie diese Frage mit Ihrer Gynäkologin oder mit Ihrem Gynäkologen. Anhand Ihrer Angaben wird er oder sie abschätzen können, ob für Sie und Ihre Tochter ein erhöhtes Risiko besteht, an Brustkrebs zu erkranken und wird Sie, falls nötig, an eine genetische Beratungsstelle weiterweisen.



Frage von empoerli:
Ich wäre interessiert an so einem GEN-TEST wegen Krebshäufung familiär. Ich habe/hatte Mamma-Ca(ED 204), Bronchial-CA (ED 2008) und nun steht mir eine Total-OP bevor wegen des Verdachts auf Endometrium-CA Meine Mutter hatte Gebärmutterkrebs und meine Oma mütterlicherseits hatte Brustkrebs.

Antwort von Prof. Dr. K. Heinimann:
Guten Tag empoerli
Um abzuklären, ob in Ihrem Fall ein Gentest medizinisch sinnvoll wäre, können Sie sich an eine Fachstelle in Ihrer Nähe wenden und einen Termin für eine genetische Sprechstunde vereinbaren:

- Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung SAKK
- Schweizerische Gesellschaft für medizinische Genetik

Das Faktenblatt Familiäres Risiko für Brust- und Eierstockkrebs könnte Ihnen zur Vorbereitung auf die genetische Beratung dienen.


Frage von Schneeflöckli:
Sehr geehrter Herr Prof. Heinimann
Beide Schwestern meines Vaters sind an Brustkrebs erkrankt, eine Tante ist daran gestorben. Nun hat auch eine Cousine diese Diagnose erhalten. Die Familie macht auf Vogel Strauss Politik und will nicht darüber reden. Ich weiss, dass, wenn auch nur selten, auch Männer an Brustkrebs erkranken können. Aber können Sie auch das Brustkrebsgen weiter vererben? Wenn ja, kann ich einen Gentest machen lassen, auch wenn mütterlicherseits niemand an Brustkrebs erkrankt ist? Ich mache mir Sorgen um meine beiden Töchter, die Anfangs und Mitte 20 sind, aber auch um mich.Vielen Dank, ich warte gespannt auf Ihre Antwort.

Antwort von Prof. Dr. K. Heinimann:
Guten Tag Schneeflöckli
Ja, auch Männer können Träger der Veranlagung für Brust- und Eierstockkrebs sein und diese an ihre Nachkommen weiter vererben. Erkundigen Sie sich bei den betroffenen Familien, wenn es diese zulassen, nach dem Erkrankungsalter Ihrer Tanten und ob noch andere Familienmitglieder an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind. Mit diesen Angaben können Sie sich an Ihren Gynäkologen / Ihre Gynäkologin wenden, welche Sie an eine genetische Beratungsstelle weiterweisen wird. Sie können sich auch direkt an eine genetische Beratungsstelle wenden, um abzuklären, ob ein Gentest für Sie sinnvoll ist.

Adressen von Fachstellen für genetische Beratung finden Sie bei der
SAKK und bei der Gesellschaft für medizinische Genetik.

Weitere Informationen finden Sie auf dem Faktenblatt Familiäres Risiko für Brust- und Eierstockkrebs der Krebsliga Schweiz.


Frage von:J.L.:
Guten Tag
Als ich zwei Monate alt war, wurde ich wegen einer Krebserkrankung behandelt (Neuroblastom im Rückenmark). Gewisse Folgen der Erkrankung werden mich mein Leben lang begleiten, einen Rückfall habe ich seit meiner Heilung aber nicht erlitten.
Heute bin ich 28 Jahre alt. Meine Partnerin und ich beabsichtigen, in den nächsten Jahren Kinder zu bekommen. Nun sind wir etwas besorgt, was die Gesundheit unseres zukünftigen Kindes angeht.

- Besteht für das Baby ein erhöhtes Krebsrisiko?
- Ist die Krebsart vererbbar?
- Gibt es Tests, um allfälligen Risiken vorzubeugen?
Für Ihre Antwort danke ich Ihnen im Voraus bestens.
Freundliche Grüsse
J.L.

Antwort von Prof. Dr. K. Heinimann:
Sehr geehrter Herr L.
Da Neuroblastome mit zahlreichen genetischen Anomalien in Verbindung gebracht werden, (die die Prognose beeinflussen,) und weil aufgrund ihrer grossen klinischen Heterogenität von mehreren verschiedenen genetischen Profilen auszugehen ist, empfehle ich Ihnen, sich an einen onkogenetischen Dienst zu wenden. Dort wird man Ihre besondere Situation abklären können.
Hier finden Sie eine Liste von möglichen onkogenetischen Diensten, geregelt nach Kantonen und Städten.


Frage von beni1598:
Guten Tag
Mein Grossvater ist an Prostatakrebs. Mein Grossonkel hat momentan Darmkrebs. Beide sind mütterlicher Seite. Habe ich ein erhöhtes Krebsrisiko? Ausserdem bin ich Linkshänder erhöht das das Risiko? Vielen Dann für ihre Hilfe

Antwort von Prof. Dr. K. Heinimann:
Guten Tag beni1598
Linkshändigkeit stellt keinen Risikofaktor für Krebs dar.

Die alleinige Tatsache, dass Ihr Grossvater an Prostatakrebs und Ihr Grossonkel an Darmkrebs erkrankt sind, beeinflusst Ihr persönliches Krebsrisiko kaum.

Besprechen Sie aber Ihre Bedenken und allfällige, damit verbundene Zukunftsängste mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin, damit Ihr persönliches Risikoprofil genauer bestimmt werden kann und die Notwendigkeit einer genetischen Beratung aufgrund einer vollständigen Anamnese (Erfragung von medizinisch potenziell relevanten Informationen wie etwa das Erkrankungsalter Ihrer Verwandten) entweder erkannt oder ausgeschlossen werden kann.



Frage von Sopkay:
Sehr geehrter Herr Heinimann
Meine Mutter ist im Jahr 1982 im Alter von 42 Jahren an Gebärmutterhalskrebs gestorben. Mein Bruder erkrankte im Jahr 2013 an Nierenkrebs und ist innerhalb von sieben Monaten im Alter von 48 Jahren gestorben. Im Jahr 2014 erkrankte mein damals 86jähriger Vater an Darmkrebs und er starb ein Jahr später daran. Ich gehe jährlich zur Gynäkologin in die Vorsorgeuntersuchung und im Jahr 2016 habe ich, auf Anraten eines Arztes, eine Darmspiegelung machen lassen, so auch meine beiden anderen Geschwister. Sind diese Vorsorgeuntersuchungen ausreichend oder müssten bezüglich dem Nierenkrebs meines Bruders noch andere Vorsorgemassnahmen getroffen werden? Gibt es aufgrund der häufigen Krebserkrankungen in der Familie (auch weitere Verwandte mütterlicherseits sind daran erkrankt und gestorben) weitere wichtige Hinweise, die wir (ich und Geschwister) beachten sollten? Besten Dank für Ihre Antwort!

Antwort von Prof. Dr. K. Heinimann:
Guten Tag Sopkay

Mehrere Familienmitglieder sind an Krebs erkrankt und auch daran verstorben. Deshalb machen Sie sich Gedanken über eventuelle mögliche Vorsorgemassnahmen.

Der wichtigste Risikofaktor für Gebärmutterhalskrebs ist eine Infektion mit einem Hochrisiko Humanen Papilloma Virus (HPV). Gewisse Faktoren und Lebensumstände können zudem das Erkrankungsrisiko erhöhen. Das Gleiche gilt bei Nierenkrebs. Allerdings kann diese Krebserkrankung in einigen Familien vermehrt vorkommen, da einzelne Familienmitglieder eine genetische Veranlagung tragen. Ein solches hereditäres Krebsrisiko kann auch zu weiteren, gut- oder bösartigen Erkrankungen führen.

Die Darmkrebserkrankung Ihres hochbetagten Vaters erhöht Ihr persönliches Darmkrebsrisiko kaum, ausser es sind noch andere Familienmitglieder ersten oder zweiten Grades, in jüngerem Alter, ebenfalls an Darmkrebs erkrankt.

Versuchen Sie herauszufinden, welche Familienmitglieder in welchem Alter an welcher Krebsart erkrankt sind und besprechen Sie dies mit dem Arzt/der Ärztin Ihres Vertrauens. Anhand Ihrer Angaben kann dann bestimmt werden, ob eine genetische Beratung für Sie und Ihre Geschwister sinnvoll ist, um dann zu bestimmen, ob und welche zusätzlichen Vorsorge- und Früherkennungsmassnahmen eventuell notwendig sein könnten.

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