2023 - Strahlentherapie bei Krebs


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2023 - Strahlentherapie bei Krebs

Beitragvon admin » Mi 1 Mär 2023 12:14

Bis Ende April 2023 beantworten unsere zwei Expert:innen im Forum Ihre Fragen zu Strahlentherapie bei einer Krebserkrankung:

Dr. med. Markus Notter, Facharzt für Radio-Onkologie, Lindenhofspital Bern

Fabiola In-Albon, Pflegefachfrau HF, Höhere Fachausbildung Onkologie, Universitätsklinik für Radio-Onkologie, Inselspital Bern

Auf der Startseite des Forums finden Sie mehr Informationen sowie den Link zum Formular.

Die Antworten sind eine allgemeine Stellungnahme. Sie können nicht die persönliche Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson ersetzen. Soweit in einem Beitrag bestimmte Ärzte, Ärztinnen, Behandlungseinrichtungen oder Produkte genannt werden, dient dies nicht der Werbung oder stellt eine Empfehlung dar, sondern ist lediglich als Hinweis auf weitere Informationsquellen zu verstehen.

Einige Fragen und Antworten wurden in eine andere Landessprache übersetzt. Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, wenden Sie sich bitte an die Fachberaterinnen vom Krebstelefon. Kostenlose Telefonnummer 0800 11 88 11 oder per E-Mail an helpline@krebsliga.ch.

Freundliche Grüsse
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Bestrahlung nahe Augennerv-Nebenwirkungen

Beitragvon admin » Mo 20 Mär 2023 14:47

Frage von edkan:
Mein Vater hatte vor 3 Jahren einen Tumor in der Nebenhöhle. Der Tumor wurde damals operativ entfernt und nach der OP noch bestrahlt.
Seit der Bestrahlung hat er Probleme mit den Augen, diese brennen und schmerzen solange er die Augen geöffnet hat >also den ganzen Tag. Nun hat er einen Lokalrezidiv. Da sich der Tumor sehr nah am Augennerv befindet, muss sein rechtes Auge entfernt werden.Nach der Operation ist erneut eine Strahlentherapie vorgesehen. Nun ist unsere Angst,dass das linke Aug noch mehr geschâdigt wird. Eine Lösung für das Brennen und Schmerzen haben wir seit Jahren nicht gefunden. Er hat wortwörtlich alle Augentropfen und Gele ausprobiert. Hat noch jemand solch eine Erfahrung gemacht und evtl. eine Lösung dafür gefunden?

Antwort von Fabiola In-Albon, Pflegefachfrau HF mit Höhere Fachausbildung Onkologie, Inselspital Bern (Radio-Onkologie) und Krebsliga Schweiz (Krebstelefon)

Guten Tag edkan

Bestrahlungen nahe am Auge können dazu führen, dass das Auge nicht mehr genügend Tränenflüssigkeit von den Tränendrüsen erhält oder der Abfluss der Tränenflüssigkeit über die Nasenhaupthöhle gestaut wird. Das kann zu Brennen und Schmerzen in den Augen führen. Aber die Tränendrüsen sind aussen seitlich oberhalb der Augen und sollten eigentlich bei der Bestrahlung geschont werden können. Warum Ihr Vater nun bei beiden Augen Probleme hat, lässt sich mit der damaligen Bestrahlung alleine nicht so richtig erklären. Cremen und Gelee haben bis jetzt keine Wirkung gezeigt. Möglicherweise können warme oder kalte Kompressen den Juckreiz und das Brennen in den Augen ein wenig lindern. Die Kompressen sollten mit Wasser oder mit schwachem Schwarztee ausgeführt werden.
Nun muss Ihr Vater sich erneut einer Operation unterziehen, bei der das rechte Auge entfernt werden soll. Sie befürchten, dass die erneute Radiotherapie das linke Auge zusätzlich schädigt. Ob und wie stark das verbleibende Auge im Strahlenfeld liegt kann Ihnen der zuständige Radioonkologe:In sagen. Sprechen Sie das Behandlungsteam unbedingt auf Ihre Ängste an und die bisherigen Probleme an. Denn mit einer modernen Bestrahlungsplanung können solche zusätzlichen Einschränkungen bestmöglich umgangen werden.

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Strahlentherapie bei Mundhöhlenkrebs

Beitragvon admin » Do 6 Apr 2023 9:18

Frage von: Andreas F
Guten Tag,
meine Frage bezieht sich auf die Strahlentherapie bei Tumoren der Mundhöhle. Ist sie auch dort möglich und wenn ja, unter welcher Voraussetzung?
Vielen Dank und viele Grüße

Antwort von: Dr. med. Markus Notter, Facharzt für Radio-Onkologie, Lindenhofspital Bern
Die Indikation zu einer Radiotherapie bei Patient:innen mit Tumoren der Mundhöhle wird aufgrund folgender Kriterien gestellt:
- des Stadiums der Erkrankung
- der biologischen Eigenschaften der Tumorzellen
- allfälliger Begleiterkrankungen
- der Operabilität bzw. Inoperabilität des Tumors
- des individuellen Rezidiv- und/oder Progressionsrisikos und
- des Allgemeinzustandes der Patient:innen

Im Rahmen der Therapie des Mundhöhlenkarzinoms kann die Strahlentherapie
- mit heilender Absicht (primäre radikale Strahlentherapie)
- zur Verbesserung der örtlichen Tumorkontrolle nach oder vor chirurgischer Therapie (adjuvante oder neoadjuvante Strahlentherapie)
- zur Linderung von tumorbedingten Symptomen (palliative Strahlentherapie)
eingesetzt werden.

Allerdings ist die Bestrahlung im gesamten Ohrennasenrachenraum, so auch der Mundhöhle trotz modernster Technik mit z.B. optimaler Schonung der Speicheldrüsen oder der Zähne usw. immer noch relativ belastend. Schleimhautreaktionen können vorübergehend stark ausfallen, sind für den Betroffenen mühsam und bedürfen intensiver Pflege (Mundspülungen etc.), der Geschmack kann ausfallen, es entstehen Schluckschmerzen und die Ernährung kann schwierig werden. Manchmal muss man zur passageren Sondenernährung übergehen. Trotz diesen temporären Reaktionen sind die Vorteile der Radiotherapie gegenüber einer alleinigen Operation, dass schlussendlich weniger mutilierend = verstümmelnd vorgegangen werden kann, z.B. kann die Zunge erhalten werden, somit auch die Sprache usw. Und ganz wichtig: man kann sich wieder gut von diesen akuten NW erholen, insbesondere, da heute die meisten Radio-Onkologien in ein Gesamtkonzept zur Betreuung der Patienten eingebunden sind. Ihre Klinik und zugeordnete Radio-Onkologie wird Sie hierzu sicherlich gut beraten können, ob die Bestrahlung für Sie in Frage kommt, mit welchen Zielen sie eingesetzt werden soll, sowie mit welchen Nebenwirkungen Sie vorübergehend rechnen müssen.


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